Lothar bittet nicht um Rache, sondern um ein gemeinsames Überleben
Die Flüchtlinge aus Sturmwind erreichen Lordaeron ohne Heer, Hauptstadt oder König. Anduin Lothar spricht vor Terenas Menethil und den Herrschern des Nordens nicht nur über den Untergang seiner Heimat. Er erklärt ihnen, dass die Horde nach dem Sieg nicht verschwinden wird. Orgrim Schicksalshammer hat Schwarzfaust gestürzt und die Führung übernommen, doch auch unter ihm braucht die Horde Land, Nahrung und einen Weg aus einem Krieg, der längst zur Grundlage ihrer neuen Ordnung geworden ist. Fällt Lordaeron, wird kein Menschenreich für sich allein bestehen können.
Terenas beruft die Herrscher der nördlichen Reiche ein. Gilneas, Stromgarde, Kul Tiras, Alterac und die Überlebenden Sturmwinds verfolgen unterschiedliche Interessen. Genn Graumähne misstraut Verpflichtungen, Thoras Trollbann verlangt eine harte Antwort, Daelin Prachtmeer denkt in Flotten und Seewegen, und Aiden Perenolde fürchtet vor allem um Alteracs Fortbestand. Auch die Hochelfen von Quel'Thalas und die Zwerge von Eisenschmiede sehen die Gefahr zunächst aus ihrer eigenen Geschichte. Lothars Leistung besteht darin, aus diesen Ängsten eine Allianz zu formen, bevor die Horde sie einzeln ausnutzen kann.
Die Kirche des Lichts unterstützt den Bund. Erzbischof Alonsus Faol gründet mit Uther, Turalyon, Tirion Fordring, Saidan Dathrohan und Gavinrad den Orden der Silbernen Hand. Diese Paladine verbinden die Ausbildung von Rittern mit dem Glauben an das Licht. Sie sollen nicht nur stärker kämpfen, sondern ein Heer zusammenhalten, dessen Mitglieder einander kaum kennen. Damit erhält die Allianz neben Verträgen eine gemeinsame Vorstellung davon, wofür dieser Krieg geführt werden soll: nicht zur Eroberung, sondern damit die bedrohten Reiche ihre Verschiedenheit behalten können.
Orgrim führt eine Horde, deren Ziele nicht mehr dieselben sind
Orgrim Schicksalshammer hat Schwarzfaust getötet, weil er erkannte, dass Gul'dan und der Schattenrat den Krieg aus dem Verborgenen lenkten. Er will die Orcs von diesen Hexenmeistern befreien, kann aber den Feldzug nicht einfach beenden. Draenor ist verwüstet, die Clans sind in Azeroth gebunden und eine Niederlage würde sie den Menschen und Gul'dans Anhängern zugleich ausliefern. Orgrim glaubt deshalb, die Horde müsse siegen, bevor sie wieder selbst über ihre Zukunft entscheiden könne. Dieser Widerspruch begleitet jede seiner Entscheidungen: Er bekämpft die Täuschung, führt aber den Eroberungskrieg fort, den sie begonnen hat.
Für den Marsch nach Norden gewinnt die Horde neue Verbündete. Zul'jin und die Amani schließen sich an, weil Quel'Thalas auf Land steht, das sie seit Jahrtausenden beanspruchen. Die Goblins liefern Maschinen, die Oger rohe Kraft. Gul'dan und Cho'gall schaffen eine neue Waffe, indem sie die Seelen ermordeter Hexenmeister des Schattenrats in die Körper gefallener Ritter Stormwinds binden. Diese ersten Todesritter sind keine späteren Ritter der Geißel, sondern orcische Zauberer in menschlichen Leibern; Teron Blutschatten ist der erste von ihnen.
Am gefährlichsten ist die Gefangenschaft Alexstraszas in Grim Batol. Nekros Schädelberster zwingt die Lebensbinderin mit der Dämonenseele, Drachen für die Horde zu brüten. So wird aus der Hüterin des Lebens eine Quelle von Kriegswaffen, während ihre Kinder unter Zwang Reiter in die Schlacht tragen.
Von Stormwind aus führt Orgrim die Horde zuerst durch den Schwarzfels und nach Khaz Modan. Die Festungen der Zwerge und Gnome lassen sich nicht rasch brechen. Eisenschmiede und Gnomeregan werden deshalb eingeschlossen, während der Hauptteil des Heeres weiterzieht. Der Sieg im Süden gibt Orgrim große Kräfte, aber keinen unbegrenzten Nachschub. Jeder zurückgelassene Belagerungsring bindet Krieger, die ihm später vor Lordaeron fehlen werden.
An der Küste lässt Orgrim Schiffe bauen und setzt über das Meer nach Hillsbrad. Dort trifft die Horde erstmals auf das vereinte Heer der Allianz. Kul Tiras hält ihre Flotte im Wasser auf, während Lothar den Vormarsch an Land bremst. Orgrim sucht deshalb einen Weg, die Allianz auseinanderzuziehen. Er folgt Zul'jins Forderung und führt einen Teil des Feldzuges gegen Quel'Thalas. Die Amani wollen das Land zurückerobern, das ihre Vorfahren an die Hochelfen verloren haben; Orgrim braucht ihre Krieger und hofft, mit dem Angriff einen Verbündeten der Menschen aus dem Krieg zu lösen.
Vor Quel'Thalas brennen die Wälder, doch die Runensteine und die Verteidigung der Hochelfen verhindern den Fall des Reiches. Ausgerechnet dieser Angriff beendet ihr Zögern. Was zuvor wie ein Krieg der Menschen wirkte, steht nun vor den eigenen Grenzen. Hochelfen, Wildhammerzwerge und die Flotte von Kul Tiras werden dadurch zu aktiven Teilen derselben Front. Die roten Drachenreiter der Horde machen den Krieg auch am Himmel sichtbar, doch ihre Stärke beruht auf Alexstraszas Gefangenschaft und nicht auf freiwilliger Treue.
Orgrim wendet sich anschließend wieder Lordaeron zu. König Aiden Perenolde von Alterac fürchtet, sein kleines Reich werde zwischen beiden Heeren zerrieben. Statt auf die Allianz zu vertrauen, lässt er der Horde heimlich Wege durch die Berge öffnen und verrät ihre Bewegungen. Der Verrat bringt Orgrims Heer näher an die Hauptstadt, zerstört aber zugleich das Vertrauen innerhalb des Bündnisses. Während Turalyon Alteracs Soldaten entwaffnet, steht Lordaeron unter dem größten Druck des Krieges.
Der Krieg ist damit kein gerader Marsch, sondern eine Folge von Umwegen, Belagerungen und Bündnissen mit widersprüchlichen Zielen. Zul'jin erwartet die Zerstörung der Hochelfen, die Goblins erwarten Gewinn, Gul'dan sucht Macht, und Orgrim verlangt Disziplin. Gerade als die Horde Lordaeron gefährlich nahekommt, zeigt sich, dass sie kein gemeinsames Ende des Krieges kennt.
Gul'dan verlässt die Horde im Augenblick ihres größten Sieges
Gul'dan erwacht aus jenem Koma, in das ihn Medivhs Tod stürzte, und findet den Schattenrat zerschlagen vor. Orgrim duldet ihn nur, weil die Horde seine Magie noch braucht. Gul'dan unterwirft sich äußerlich und erschafft die ersten Todesritter, sucht aber weiter nach dem Grabmal des Sargeras. Dort hofft er auf die Macht des gefallenen Titanen. Als Orgrims Armee Lordaeron bedroht, nimmt Gul'dan den Sturmreaver- und den Twilight's-Hammer-Clan und segelt nach Süden. Cho'gall folgt ihm. Ein beträchtlicher Teil der Horde verlässt damit die Front, nicht wegen einer Niederlage, sondern weil Gul'dans persönlicher Ehrgeiz wichtiger ist als der Krieg, den er selbst mit ausgelöst hat.
Orgrim schickt Truppen hinter den Verrätern her. Die Streitkräfte, die Lordaeron hätten brechen können, bekämpfen nun einander. Gul'dan erreicht das Grabmal, doch statt göttlicher Macht findet er Dämonen, die ihn töten. Cho'gall überlebt schwer verwundet. Für die Horde ist der Schaden nicht mehr rückgängig zu machen. Die Allianz gewinnt Zeit, ordnet ihre Armeen neu und drängt Orgrim nach Süden. Am Schwarzfels fällt Anduin Lothar. Sein Tod erschüttert die Soldaten, doch Turalyon nimmt das zerbrochene Schwert des Heerführers auf und führt den Gegenangriff.
Die Allianz treibt die Horde bis zum Dunklen Portal. Khadgar zerstört das Tor auf Azeroths Seite, während Turalyon Orgrim gefangen nimmt. Der Sieg beendet den Vormarsch, aber nicht seine Folgen. Orcs werden in Lager gesperrt, die Menschenreiche streiten über die Kosten ihrer Bewachung, und jenseits des Portals bereitet Ner'zhul einen neuen Plan vor. Der Zweite Krieg zeigt, warum ein militärischer Sieg keinen Frieden garantiert: Zu viele Völker haben Heimat, Angehörige oder Vertrauen verloren, und keine Seite besitzt bereits eine gemeinsame Vorstellung davon, wie mit den Besiegten weitergelebt werden soll.
Der Sieg schließt das Tor, nicht die Geschichte
Als die Allianz die Horde zurückdrängt, wirkt der Krieg auf den Karten entschieden. Doch Stormwind bleibt verwundet, Lordaeron trägt die Last des Bündnisses, und jenseits des Portals sammeln sich jene, die nicht mit der Niederlage verschwinden. Khadgar, Turalyon, Alleria, Danath und Kurdran verfolgen die Bedrohung nach Draenor, weil ein geschlossenes Tor nur so lange Sicherheit bedeutet, wie niemand auf der anderen Seite ein neues öffnet.
Der Zweite Krieg endet deshalb nicht mit einer sauberen Heimkehr. Er hinterlässt Vermisste, Internierungslager, politische Rechnungen und ein Draenor, das unter Ner'zhuls Fluchtversuch zerreißt. Aus dem Sieg wächst eine Zwischenzeit, in der kaum jemand erkennt, dass gerade in Gefangenschaft, Ruinen und abgelegenen Festungen die nächste Ordnung Azeroths vorbereitet wird.