Eine offene Hand statt eines bloßen Schwertes
Nach der Vernichtung vieler Kleriker im Ersten Krieg suchte Erzbischof Alonsus Faol nach Verteidigern, die heilen und kämpfen konnten. Er verband die Ausbildung von Priestern und Rittern und gründete mit Unterstützung Anduin Lothars die Silberne Hand. Uther, Turalyon, Tirion, Saidan und Gavinrad wurden zu den ersten Paladinen.
Der Name erinnerte an Tyrs silberne Hand und sein Opfer. Faol gab den Schülern Librams für Schutz, Gerechtigkeit, Vergeltung, Heiligkeit und Mitgefühl. Keine dieser Tugenden sollte allein herrschen. Vergeltung ohne Mitgefühl wird Rache, Schutz ohne Gerechtigkeit verteidigt nur die Mächtigen. Der Orden wollte lebende Verkörperung des Gleichgewichts sein, nicht lediglich eine Truppe mit heiligen Waffen.
Uther und die Grenze des Gehorsams
Unter Uther kämpften die Paladine im Zweiten Krieg und hielten später Frieden in Lordaeron. Arthas Menethil wurde als junger Prinz in den Orden aufgenommen. Uther lehrte ihn, doch Rang, Angst vor Versagen und die wachsende Seuche trieben den Schüler immer weiter von der Geduld seines Lehrers fort.
In Stratholme verlangte Arthas, die infizierte Bevölkerung vor ihrer Verwandlung zu töten. Uther verweigerte den Befehl. Der Prinz enthob ihn des Kommandos und suspendierte die Paladine. Die Silberne Hand bewies in diesem Augenblick ihren tiefsten Sinn: Ein heiliger Ritter dient nicht jedem Befehl, nur weil er von einer rechtmäßigen Krone kommt. Doch die Weigerung rettete Stratholme nicht und hielt Arthas nicht auf. Moralische Standhaftigkeit kann notwendig sein und sich dennoch wie Ohnmacht anfühlen.
Der zerbrochene Orden Lordaerons
Arthas kehrte als Todesritter zurück, tötete seinen Vater und später Uther. Alexandros Mograine führte Überlebende mit dem Aschenbringer gegen die Geißel, wurde aber durch Verrat ermordet. Der Orden verlor Führung, Heimat und ein gemeinsames Bild davon, wie das Licht in einer verseuchten Welt handeln sollte.
Aus den Resten gingen Argentumdämmerung und Scharlachroter Kreuzzug hervor. Beide wollten die Untoten bekämpfen, doch der Kreuzzug machte Angst und Reinheitswahn zu seinem Gesetz. Damit zeigte sich, wie dieselben Wunden verschiedene Wege öffnen können. Die Silberne Hand war nicht einfach verschwunden; ihre Tugenden lagen in Splittern, und nicht jeder, der ihr Zeichen oder das Licht trug, bewahrte ihren ursprünglichen Geist.
Tirions Rückkehr und die Neugründung
Tirion Fordring vereinte später Teile des Erbes und führte mit der Argentumdämmerung den Argentumkreuzzug gegen den Lichkönig. Bei der dritten Legionsinvasion fiel er an der Verheerten Küste. Unter einem neuen Hochlord wurde die Silberne Hand im Heiligtum des Lichts wiedergegründet. Paladine aus Sturmwind und Eisenschmiede, Blutritter, Sonnenläufer, die Hand von Argus und Reste des Kreuzzugs stellten sich gemeinsam unter ihren Namen.
Diese Einheit war größer als Faols erster Menschenorden. Sie bewies, dass Licht unterschiedliche kulturelle Sprachen besitzen kann. Während der Legion kämpften die Paladine gemeinsam auf den Verheerten Inseln und Argus. Im Vierten Krieg brach die politische Einigkeit wieder auf; Mitglieder folgten ihren Fraktionen, und die Silberne Hand trat erneut deutlich an der Seite der Allianz auf. Ein gemeinsamer Glaube hatte den Krieg zwischen Bündnissen nicht dauerhaft überwunden.
Das Licht am Sonnenbrunnen
Nach weiteren Kämpfen nahm der Orden neue Paladine auf und ehrte Taten einer jüngeren Generation. Im Krieg von Licht und Schatten wurde die Silberne Hand zum Sonnenbrunnen gerufen. Dort kämpfte sie in der Vorhut des Lichts gegen das Verschlingende Heer. Paladine beteten gemeinsam, während die Leere den heiligen Ort Quel'Thalas' bedrohte.
Damit steht der Orden wieder vor seiner ältesten Aufgabe. Er kann das Licht als Waffe gegen einen klaren Feind führen, darf aber Schutz, Gerechtigkeit und Mitgefühl nicht voneinander trennen. Die Geschichte Arthas' und des Scharlachroten Kreuzzugs zeigt, wie leicht heilige Gewissheit jene verbrennt, die sie angeblich retten will. Die Silberne Hand ist am stärksten, wenn sie offen bleibt: nicht leer oder wehrlos, sondern bereit, Macht zu tragen, ohne jene unter ihr zu einer einzigen reinen Form zu zwingen.