Als die Stämme einen Namen fanden
Die Menschenreiche beginnen nicht mit sieben Kronen, sondern mit der Angst vieler zerstreuter Stämme. Die Amani griffen aus dem Norden an, und Thoradin erkannte, dass kein einzelner Stamm dem Trollimperium lange standhalten konnte. Sechs Jahre lang gewann er Verbündete durch Versprechen, Heiraten und Verhandlungen, andere durch offenen Sieg. Aus diesen sehr verschiedenen Wegen entstand Arathor, das erste große Reich der Menschen, mit Strom als befestigtem Herzen.
Im Trollkrieg verband sich Arathor mit den Hochelfen von Quel'Thalas. Menschliche Magier lernten arkane Künste, Armeen kämpften unter einer gemeinsamen Krone, und die Amani wurden zurückgeschlagen. Doch ein Reich, das aus äußerer Gefahr geboren wird, muss nach dem Sieg eine neue Antwort auf die Frage finden, was es zusammenhält. Thoradins Tod ließ diese Antwort offen.
Sieben Erben eines Reiches
Jüngere Generationen zogen fort von Strom. Händler, Adlige, Soldaten und Magier gründeten oder stärkten eigene Zentren, bis aus Arathors Stadtstaaten selbstständige Mächte geworden waren. Strom blieb als Stromgarde die kriegerische Hüterin des alten Kernlandes. Dalaran machte aus der Magie eine Staatsordnung. Gilneas wandte sich seiner Halbinsel und einem ausgeprägten Stolz zu, Kul Tiras dem Meer, den Werften und dem Handel.
Lordaeron wuchs im fruchtbaren Norden zu einem politischen Schwergewicht. Alterac behauptete sich in seinen Gebirgspässen, klein, aber strategisch bedeutsam. Weit im Süden entwickelte sich Sturmwind, auch Azeroth genannt, mit seinen eigenen Adelslinien und einer Entfernung, die es lange aus den Streitigkeiten des Nordens heraushielt. Die sieben Reiche erbten eine gemeinsame Herkunft, aber keinen gemeinsamen Charakter. Gerade ihre Landschaften formten verschiedene Vorstellungen von Sicherheit: Mauern, Flotten, Magie, Pässe, Ackerland oder offene Bündnisse.
Die Allianz von Lordaeron
Vor dem Ersten Krieg stritten die Reiche untereinander um Grenzen, Einfluss und Ehre. Erst der Fall Sturmwinds zeigte, dass die aus dem Dunklen Portal gekommene Horde nicht an einer Landesgrenze haltmachen würde. König Terenas von Lordaeron rief die Herrscher zusammen, und aus alter Verwandtschaft wurde wieder politische Notwendigkeit. Die Allianz von Lordaeron vereinte Menschen mit Hochelfen, Zwergen und Gnomen gegen einen Feind, den keines der Reiche allein besiegen konnte.
Selbst in dieser Stunde blieb die Einheit brüchig. Alteracs König Perenolde verriet die Allianz aus Furcht vor der Vernichtung seines kleinen Reiches. Gilneas und Stromgarde trugen nach dem Sieg nicht jede Entscheidung Lordaerons mit. Streit über die gefangenen Orcs, Kosten und Souveränität ließ das Bündnis erodieren. Die Menschen hatten gemeinsam überlebt, doch der Frieden weckte sofort wieder jene Interessen, die im Krieg nur überdeckt worden waren.
Reiche, die anders untergingen
Der Dritte Krieg traf jedes Reich auf eigene Weise. Lordaeron wurde durch Arthas, die Seuche und die Geißel von innen heraus vernichtet. Dalaran fiel unter Archimondes Magie und kehrte später als wandernde Stadt zurück. Gilneas schloss seine Tore, nur um hinter der Mauer an Worgenfluch und Bürgerkrieg zu zerbrechen. Kul Tiras entfernte sich nach Daelin Prachtmeers Tod verbittert von der Allianz. Stromgarde verfiel unter Angriffen und innerem Verrat; Alterac war schon zuvor als Königreich zerschlagen worden.
Sturmwind dagegen wurde nach seiner Zerstörung wiederaufgebaut und nahm schließlich jene Stellung ein, die einst Lordaeron gehalten hatte. Flüchtlinge, Soldaten und Adlige aus den verlorenen Reichen trugen ihre Herkunft in die südliche Hauptstadt. So lebten die alten Grenzen selbst dort weiter, wo auf Karten längst andere Farben standen. Die Verlassenen beanspruchten Lordaerons Ruinen als Heimat, Gilneer suchten Schutz bei Nachtelfen und Allianz, und Kul Tiras musste erst durch Jaina Prachtmeers Rückkehr wieder zu seinen Verbündeten finden.
Das gefährliche Erbe Arathors
Die Erinnerung an das erste Reich kann verbinden, aber auch verführen. Thoradins Einigung beweist, was Menschen gemeinsam erreichen können; zugleich lädt sie dazu ein, vergangene Größe über die Rechte der Gegenwart zu stellen. In Stromgarde beruft sich Marran Trollbane auf Arathor, um ein ausschließlich menschliches Herrschaftsrecht zu begründen. Damit wird aus Herkunft ein Werkzeug der Ausgrenzung.
Die Menschenreiche sind daher keine bloße Reihe von Namen. Jedes ist eine andere Antwort auf dieselbe alte Erfahrung: Menschen sind kurzlebig, politisch unruhig und allein verletzlich. Ihre größte Kraft entsteht, wenn sie Unterschiede in Bündnisse verwandeln. Ihre wiederkehrende Schwäche beginnt dort, wo eine Krone glaubt, gemeinsame Abstammung müsse auch Gehorsam bedeuten.