Ein Priester unter Flüchtlingen
Alonsus Faol diente dem Heiligen Licht lange bevor sein Name über Kapellen und Orden stand. Im Ersten Krieg erlebte er, wie Sturmwind fiel und die Geistlichen von Nordhain mit den Flüchtlingen nach Lordaeron kamen. Gebete konnten Wunden schließen und Mut geben, doch auf dem Schlachtfeld waren viele Priester der Horde schutzlos ausgeliefert gewesen.
Faol zog daraus nicht den Schluss, das Licht habe versagt. Er fragte, welche Form sein Dienst in einer veränderten Welt annehmen musste. Als Erzbischof verband er geistliche Verantwortung mit praktischem Blick. Ein Verteidiger sollte heilen und kämpfen können, aber vor allem verstehen, weshalb er die Waffe hob. Macht ohne Barmherzigkeit wäre nur eine weitere Rüstung über demselben alten Hochmut gewesen.
Die ersten Paladine
Für den Zweiten Krieg vereinte Faol die Ausbildung von Priestern und Rittern. Uther, Turalyon, Tirion Fordring, Saidan Dathrohan und Gavinrad wurden seine ersten Schüler. Er lehrte sie, das Licht zur Heilung, zum Schutz und gegen die Feinde der Allianz zu führen. Aus dieser Arbeit entstand der Orden der Ritter der Silbernen Hand.
Faol gab seinen Schülern geweihte Librams, die Vergeltung, Heiligkeit, Schutz, Gerechtigkeit und Mitgefühl verkörperten. Diese Tugenden sollten einander begrenzen. Vergeltung ohne Mitgefühl wurde Rache; Schutz ohne Gerechtigkeit konnte Tyrannei bewahren. In der Alonsuskapelle empfingen die ersten Paladine ihren Auftrag, und Uther wurde ihr erster großer Anführer. Faol schuf damit nicht bloß eine neue Waffengattung, sondern ein Ideal, an dem jeder Träger scheitern konnte.
Ein Lehrer und die Fehler seiner Schüler
Die Silberne Hand wurde zu einem Symbol der Allianz, doch ihre Geschichte verlief nicht so rein wie die Gelübde. Arthas Menethil empfing später unter Faols Ritus die Weihe zum Paladin und führte das Licht schließlich in den Schatten Frostthrons. Saidan Dathrohan fiel und sein Körper wurde von Balnazzar benutzt, um die Scharlachroten zu lenken. Aus Glaubenseifer entstand ein Orden, der Untote ohne Urteil vernichten wollte.
Faol konnte nicht jede spätere Tat seiner Schüler vorhersehen, aber er nahm ihre Irrwege ernst. Besonders die Scharlachroten erinnerten ihn daran, dass ein heiliger Zweck niemals davor schützt, zum Werkzeug von Hass und Täuschung zu werden. Ein Lehrer lebt in dem weiter, was Schüler aus seinen Worten machen. Er muss dennoch widersprechen, wenn sie aus einem Licht, das allen offensteht, eine Fackel für die eigene Reinheit bauen.
Das Licht in einem toten Leib
Faol starb und wurde durch die Geißel als Untoter zurückgebracht. Später gewann er seinen freien Willen wieder. Sein verfallener Körper machte ihn für viele Gläubige zum Widerspruch: Wie konnte ein Wesen, das sie mit Seuche und Verdammnis verbanden, weiterhin das Licht führen? Faol antwortete nicht mit einer Abhandlung. Er betete, heilte und ließ das Licht durch sich wirken.
Er hielt sich lange verborgen und gehörte politisch nicht einfach der Horde an. Während der Legionsinvasion trat er dem Konklave im Netherlichttempel bei und diente erneut als Lehrer. Priester verschiedener Völker und Traditionen mussten dort eine gemeinsame Sprache finden. Faols Gegenwart zwang sie, Glauben an Haltung und Handlung zu messen, nicht am Atem eines Körpers oder am Urteil über dessen Aussehen.
Glaube nach dem eigenen Denkmal
Calia Menethil fand in Faol einen Mentor. Er begleitete ihren Weg als Priesterin und half gemeinsam mit Anduin und der Naaru Saa'ra, sie nach ihrem Tod als lichtberührte Untote zurückzurufen. Später stand er Verlassenen und Lebenden bei, ohne zu behaupten, alle Wunden zwischen ihnen seien durch ein Wunder geheilt. Auch nach dem Sieg über die Scharlachroten blieb sein Dienst praktisch: heilen, beraten, anwesend sein.
Faol hat die Zeit überlebt, in der sein Name nur noch auf Kapellen und Reliquien stand. Darin liegt eine seltene Prüfung. Er kann sehen, was aus seinem Ideal geworden ist, und sich nicht hinter Verehrung verbergen. Selbst als neue Bedrohungen Silbermond und das Licht herausfordern, bleibt seine wichtigste Lehre dieselbe: Heiligkeit zeigt sich nicht darin, unberührt durch die Finsternis zu gehen. Sie zeigt sich darin, nach Berührung, Irrtum und Tod noch immer das Wohl eines anderen über den eigenen Ruhm zu stellen.