Ein hohes Heim im Land der Amani
Dath'Remar Sonnenwanderer führte die verbannten Hochgeborenen über das Meer, weil sie auf arkane Magie nicht verzichten wollten. Im Norden der Östlichen Königreiche fanden sie einen Knoten aus Leylinien. Dort goss Dath'Remar eine gestohlene Phiole aus dem Brunnen der Ewigkeit in einen See und erschuf den Sonnenbrunnen. Um ihn erhob sich Quel'Thalas, das Hohe Heim.
Die Gründung war für die Elfen ein Neubeginn, für die Amani ein Eindringen in ihr angestammtes Land. Runensteine, Ban'dinoriel und die Mauern Silbermonds schützten ein Reich, dessen Wälder durch Magie im ewigen Frühling lagen. Schönheit und Konflikt wuchsen aus demselben Boden. Quel'Thalas verstand sich als Zuflucht vor kaldoreischer Einschränkung, während die Waldtrolle darin den Verlust heiliger Gebiete sahen.
Der Preis menschlicher Hilfe
Über Jahrhunderte kämpften Amani und Hochelfen um die Region. Als das Trollreich beinahe siegte, wandte sich Quel'Thalas an das junge Arathor. Elfen lehrten ausgewählte Menschen die arkane Kunst; menschliche Heere halfen, die Amani zu brechen. Aus der Not entstand eine Schuld, die später den Beitritt zur Allianz von Lordaeron mitbegründete.
Doch Quel'Thalas blieb ein zurückhaltender Verbündeter. Im Zweiten Krieg brannten Horde und Amani Teile der Wälder, ohne das Reich zu erobern. Nach dem Sieg zog sich König Anasterian aus der Allianz zurück und rechnete alte Verpflichtungen enger, als die Überlebenden Sturmwinds es erwartet hatten. Die magischen Grenzen vermittelten lange den Eindruck, das Land könne sich aussuchen, welche Geschichte außerhalb seiner Tore wichtig war.
Die Todesnarbe
Arthas Menethil bewies, wie zerbrechlich diese Sicherheit war. Dar'Khans Verrat half der Geißel, die Schutzmagie zu überwinden. Untote zogen vom Süden bis Quel'Danas, töteten König Anasterian, Sylvanas und einen großen Teil des Volkes. Ihr Weg brannte als Todesnarbe durch das Land, eine Wunde, die selbst mächtige Magister lange nicht heilen konnten.
Am Sonnenbrunnen erweckte Arthas Kel'Thuzad als Lich. Die verseuchte Quelle bedrohte jeden überlebenden Elfen, der mit ihr verbunden war, weshalb Kael'thas ihre Reste zerstören ließ. Er nannte sein Volk Sin'dorei, Blutelfen, zum Gedenken an die Toten. Quel'Thalas hatte nicht nur Bewohner und Dynastie verloren. Sein gesamter Alltag war auf eine Kraft gebaut gewesen, die nun Hunger statt Nahrung hinterließ.
Die Rückkehr des Lichts
Unter Lor'themar eroberten die Blutelfen Silbermond und große Teile des Landes zurück. Kael'thas jedoch kehrte als Diener der Legion heim und wollte Kil'jaeden durch den wieder geöffneten Brunnen führen. Die Offensive der Zerschmetterten Sonne schlug ihn und seine Verbündeten. Anveena opferte sich, das Portal brach zusammen, und Quel'Danas war erneut vor jener Macht gerettet, die aus dem Herzen des Reiches ein Tor machen wollte.
Velen legte M'urus geläutertes Herz in den Brunnen. Arkane Energie und Licht verbanden sich, linderten den Hunger der Elfen und gaben auch den Blutrittern einen Weg, das Licht nicht länger zu erzwingen. Dennoch blieb Quel'Thalas politisch und kulturell geteilt. Hochelfen lebten außerhalb, Leerenelfen wurden aus Sorge um die Quelle verbannt, und Amani erinnerten daran, dass Wiederaufbau nicht alle älteren Ansprüche auslöschte.
Vom Düsterbrunnen zum Morgenbrunnen
Während des Angriffs der Leere riss Xal'atath die dunkle Naaru L'ura aus Alleria und verdarb den Sonnenbrunnen zum Düsterbrunnen. Silbermond musste ausgerechnet jene um Hilfe bitten, von denen es sich über Jahrtausende getrennt hatte. Blutelfen, Hochelfen, Nachtgeborene, Nachtelfen und Leerenelfen marschierten gemeinsam nach Quel'Danas; auch weitere Verbündete stärkten ihren Angriff.
Der Düsterbrunnen wurde gereinigt und als Morgenbrunnen neu geweiht. Der neue Name verspricht keinen einfachen Rückweg in den ewigen Frühling. Shandris stellte offen die Frage, ob ein Volk sein ganzes Leben erneut an eine einzige Quelle binden sollte. Quel'Thalas hat seine Identität immer um Licht, Magie und eine geschützte Heimat gebaut. Seine jüngste Rettung kam jedoch durch jene, die außerhalb seiner alten Mauern standen. Vielleicht liegt sein kommender Morgen deshalb weniger in einer wiederhergestellten Abgeschlossenheit als in der Erkenntnis, dass ein hohes Heim nicht kleiner wird, wenn es seine Tore rechtzeitig öffnet.