Ehre und StärkeBlackmoore
Zul
Charakter

Zul

Zul sah Katastrophen, bevor andere ihre Schatten bemerkten. Aus der Last wahrer Visionen wuchs der Anspruch, Zandalars Zukunft selbst zu erzwingen, bis der Prophet Rastakhan, die Loa und sein Reich an G'huun verriet.

Das Kind mit den schlechten Nachrichten

Zul sah kommende Unglücke seit seiner Jugend. Eine solche Gabe macht einen Hof nicht dankbar, sondern unruhig. Er sprach von Verlust, bevor andere einen Grund zur Sorge fanden, und musste erleben, wie Spott in Furcht umschlug, sobald eine Vorhersage eintraf. Im Zanchulirat stieg er zum engsten Propheten Rastakhans auf. Seine Hinweise halfen Landwirtschaft und Heer, doch jede bestätigte Vision gab auch seinem eigenen Urteil mehr Gewicht.

Zwischen König und Prophet bestand lange Vertrautheit. Rastakhan regierte seit Jahrhunderten und glaubte an Zandalars Dauer. Zul sah dagegen immer neue Enden. Als er den Kataklysmus und den Untergang der Insel ankündigte, hörte der König eine weitere düstere Mahnung eines Mannes, der Gefahr überall erwartete. Er gab Zul Schiffe, damit dieser mit seinen Anhängern eine Zuflucht suche und der Hof endlich Ruhe finde.

Eine Flotte für alle Trolle

Der Kataklysmus verwüstete Zandalar, versenkte die Insel aber nicht vollständig. Rastakhan hatte Zul zuvor seine größten Schiffe überlassen, damit der Prophet mit seinen Anhängern nach einer neuen Heimat suchen konnte. Als die Wellen die Küsten trafen, war Zul bereits unterwegs und glaubte, der von ihm gesehene Untergang habe begonnen und nur sein Plan könne das Volk retten. Er rief Amani, Gurubashi und andere Trollreiche zu einer neuen Einheit. Was als Schutz vor dem Untergang begann, verband sich mit dem Traum, frühere Größe durch Eroberung zurückzuholen.

Die Feldzüge scheiterten, doch Zul gab seine Richtung nicht auf. In Pandaria erneuerte er das Bündnis mit den Mogu und half, Lei Shen wiederzuerwecken. Der Donnerkönig sollte Macht und Ordnung liefern, die Rastakhans scheinbare Selbstzufriedenheit nicht mehr bot. Zul begann damit, Vision nicht nur als Warnung zu verstehen. Er behandelte sie als Erlaubnis, andere in die Zukunft zu zwingen, die er für unvermeidlich hielt.

Rückkehr an Rastakhans Hof

Zul kehrte nach Zandalar zurück und stand erneut nahe beim König. Während äußere Feinde und innere Aufstände das Reich belasteten, sammelte er Atal'zul, Yazma und weitere Anhänger. Er erklärte Rastakhans Herrschaft für erstarrt. Diese Kritik traf einen wahren Punkt: Der König hatte Warnungen überhört und sich zu lange auf vergangenen Ruhm verlassen. Doch Zul wollte die Krankheit mit einer Macht heilen, die das ganze Reich verzehren würde.

In Uldir lag G'huun, ein von den Titanen versehentlich geschaffenes Wesen aus Blut und Verfall. Zul schloss sich ihm an. Er suchte außerdem Absprachen mit Azshara und machte die Gräber von Atal'Dazar zu Werkzeugen. Der Prophet, der sein Volk vor Katastrophen hatte retten wollen, begann Loa, Ahnen und Lebende als Einsatz für einen erzwungenen Neubeginn zu betrachten.

Der Verrat an den Toten

Zuls Anhänger töteten Rezan und verdarben den Loa der Könige. Mit gestohlener Macht erweckte Zul Dazar, den ersten König, weil eine wiederbelebte Legende den gegenwärtigen Herrscher ersetzen sollte. Er griff damit nicht nur Rastakhan an. Er nahm Zandalars Erinnerung, löste sie aus ihrem Sinn und stellte sie als gehorsame Figur auf sein eigenes Spielbrett.

Beim Angriff auf Dazar'alor stach Zul den König nieder, doch Rastakhan überlebte durch Bwonsamdis Pakt. Im späteren Kampf besiegte er den Propheten und stieß den Sterbenden in die Flammen. Mythrax zerbrach dennoch das letzte Siegel Uldirs. Zul hatte verloren und sein Ziel zugleich erreicht: G'huun war frei, und Zandalar musste die Katastrophe bekämpfen, die sein Seher selbst herbeigeführt hatte.

Eine Zukunft, die ihn nicht kannte

G'huun erhob Zul als Untoten. Von der scharfen Persönlichkeit des Propheten blieb nur eine leere Hülle, die Blutmagie und Diener führte. In Uldir wurde er endgültig bezwungen. Seine letzten Worte beklagten, dass dies nicht die Zukunft sei, die ihm versprochen worden war. Ausgerechnet der große Seher starb an einem Ende, das seine Gewissheit nicht vorgesehen hatte.

Zuls Tragödie liegt nicht darin, dass niemand einem wahren Propheten glaubte. Viele seiner Warnungen wurden gehört, und manche trafen ein. Sein Fall begann, als er aus zutreffenden Bildern ein Recht auf jede Handlung ableitete. Zukunft wurde für ihn zum Besitz. Andere durften darin nur Rollen erfüllen. So verwandelte er die Gabe, Gefahren früh zu erkennen, in die gefährlichste Blindheit seines Lebens: Er konnte jedes kommende Reich sehen, nur nicht mehr die Personen, die er dafür opferte.