Der Sieg hinterlässt Gefangene und Misstrauen
Nach dem Zweiten Krieg ist die Horde geschlagen, doch ihre Krieger verschwinden nicht. Viele Orcs werden in Internierungslager gebracht. Die Menschen halten sie für gefährlich, wissen aber zugleich, dass nicht jeder Gefangene an Gul'dans Plänen beteiligt war. Die Kosten der Lager belasten die Allianz, und alte politische Spannungen kehren zurück. Gilneas zieht sich zurück, Quel'Thalas löst seine Bindung, und aus dem großen Kriegsbündnis wird wieder eine Gemeinschaft mit sehr unterschiedlichen Interessen.
In den Lagern verfallen viele Orcs in Teilnahmslosigkeit. Die dämonische Wut, die Mannoroths Blut in ihnen weckte, ist nach der Niederlage einer Leere gewichen. Menschen halten diesen Zustand für den Beweis einer natürlichen Schwäche. Tatsächlich erleben die Orcs die Folgen einer gewaltsam aufgezwungenen Abhängigkeit und den Verlust von Clan, Heimat und Schamanismus.
Jenseits des Dunklen Portals: Draenor zerreißt
Der Krieg endet nicht wirklich, solange Draenor offen bleibt. Ner'zhul, einst der getäuschte Schamane der Orcs, sucht nach Wegen, seinem Volk und sich selbst eine neue Zukunft zu erzwingen. Doch seine Antwort ist wieder Portal-Magie, wieder Flucht durch Gewalt, wieder die Hoffnung, dass irgendwo eine Welt wartet, die man betreten kann, ohne die eigene Schuld zu tragen. Damit wiederholt Draenor das alte Muster: Statt Heilung sucht eine verwundete Führung einen Ausgang.
Die Allianz-Expedition durch das Dunkle Portal ist deshalb mehr als eine militärische Nachhut. Turalyon, Alleria, Khadgar, Danath Trollbane und Kurdran Wildhammer gehen in eine Welt, die für Azeroth lange nur als Quelle des Angriffs sichtbar war. Dort sehen sie, dass Draenor selbst ein Opfer der Geschichte ist: zerrissene Länder, dämonische Spuren, Clans ohne sichere Zukunft, Magie, die nicht mehr ordnet, sondern auseinanderreißt.
Als Ner'zhuls Portale Draenor zerbrechen, wird aus der Welt die Scherbenwelt. Dieser Untergang ist ein Echo auf alles, was zuvor geschah. Die Orcs wollten neue Heimat durch Eroberung finden, Gul'dan wollte Macht durch Verrat, Ner'zhul wollte Auswege durch Magie. Am Ende bleibt eine Welt zurück, die buchstäblich auseinanderdriftet. Die Expedition schließt das Portal von der anderen Seite und wird zur Legende, während Azeroth glaubt, das Schlimmste sei überstanden.
Die rote Königin in Ketten
Während die Menschen ihren Sieg ordnen, bleibt im Grim Batol ein anderes Kriegsverbrechen verborgen. Der Drachenmalklan hält Alexstrasza gefangen und zwingt die Lebensbinderin, Eier hervorzubringen, deren junge Drachen als Reittiere und Waffen dienen sollen. Der Zweite Krieg ist für den roten Drachenschwarm deshalb nicht vorbei. Er setzt sich in Nestern, Ketten und jeder Brut fort, die ihren ersten Himmel unter Zwang sieht.
Nekros Schädelbrecher kontrolliert Alexstrasza mit der Dämonenseele, jenem Artefakt, das einst als gemeinsame Waffe der Drachenaspekte erschaffen und von Neltharion verraten wurde. So greift der Krieg der Ahnen in die Gegenwart. Eine uralte Tat des Erdwächters ermöglicht einem sterblichen Klan, die Hüterin des Lebens zum Werkzeug zu machen.
Rhonin wird in diese Festung geschickt, zunächst mit weit weniger Vertrauen, als eine Heldensage später vermuten ließe. Er ist begabt, ungeduldig und für viele Kirin Tor ein Risiko. Krasus begleitet und lenkt ihn in sterblicher Gestalt, weil hinter dem Auftrag die Verzweiflung Korialstrasz' steht: Er will nicht nur eine Königin befreien, sondern seine Gefährtin und die Zukunft ihres Schwarms.
Als Alexstrasza frei kommt, endet nicht einfach eine Gefangenschaft. Die Drachen werden wieder zu handelnden Verbündeten, und Rhonin lernt, dass arkane Macht Verantwortung nicht ersetzt. Zwischen ihm, Krasus und den Drachen entsteht eine Verbindung, die sie später noch durch Kriege und selbst durch die Zeit tragen wird.

Rhonin lernt, dass Rettung keine Solotat ist
Rhonin geht nach Grim Batol als Magier, dem viele misstrauen. Er kehrt aus der Geschichte der roten Drachen mit einer Aufgabe zurück, die größer ist als sein eigener Rang.
Krasus sieht in ihm keinen makellosen Helden. Er sieht einen Sterblichen, der Fehler macht, zuhören lernt und gerade deshalb eine Brücke zwischen Dalaran und den Drachenschwärmen werden kann.
Bildquelle: Warcraft Wiki: RhoninDurnholde: Ein Kind als künftige Waffe
Aedelas Blackmoore findet den verwaisten Sohn Durotans und Drakas nicht in einer Stunde des Mitgefühls. Er erkennt eine Möglichkeit. Der junge Orc soll die Sprache der Menschen, ihre Taktik und ihre Disziplin lernen, damit Blackmoore eines Tages mit ihm die Lager beherrschen und eine gefügige Horde gegen die eigenen Rivalen führen kann.
Thrall wächst deshalb zwischen Unterricht und Misshandlung auf. Er liest, plant und kämpft in Arenen, doch jede Fähigkeit wird ihm als Besitz seines Herrn ausgelegt. Blackmoore glaubt, einen Feldherrn zu formen, indem er einen Menschen im Orc vernichtet. Er begreift nicht, dass Thrall gerade durch den Blick auf menschliche Stärke und menschliche Grausamkeit lernt, Herrschaft von Würde zu unterscheiden.
Durnholde ist eine kleine Festung im Vergleich zu Stormwind oder Lordaeron. Trotzdem entscheidet sich hier, welche Sprache die spätere Horde für Freiheit finden wird. Thrall kennt die Menschen nicht nur als Feinde aus Erzählungen. Er kennt ihre Bücher, ihre Widersprüche und einen Mann, der Zivilisation sagte, wenn er Besitz meinte.

Taretha sieht eine Person, wo andere Besitz sehen
Taretha Foxton kann Blackmoores Macht nicht mit einem Heer brechen. Sie tut etwas Leiseres: Sie schreibt Thrall, hört ihm zu und behandelt ihn als jemanden, dessen Gedanken ihm selbst gehören.
Ihre Hilfe gibt seiner Flucht einen Weg, doch ihr Tod wird zum Preis, mit dem Blackmoore ihn zurück in die Rolle des gehorsamen Tieres zwingen will. Das Gegenteil geschieht. Taretha bleibt in Thralls Erinnerung als Beweis, dass Herkunft keine einfache Grenze zwischen Grausamkeit und Mitgefühl zieht.
Bildquelle: Warcraft Wiki: Taretha FoxtonAus Lagern wird eine Bewegung
In den Internierungslagern findet Thrall keine Armee, die nur auf einen Befehl gewartet hat. Er findet ein Volk im Entzug, beschämt durch seine Taten und abgeschnitten von den Elementen. Viele Menschen halten diese Teilnahmslosigkeit für das natürliche Ende orkischer Wildheit. Thrall erkennt darin den Zustand einer Gemeinschaft, der zuerst ihr Wille und dann ihre Geschichte genommen wurde.
Mit Drek'Thar entdeckt er den Schamanismus nicht als romantische Rückkehr in eine makellose Vergangenheit. Auch die alte Orc-Welt kannte Härte, Fehden und blinde Gewissheiten. Doch die Elemente verlangen Beziehung statt bloßen Verbrauch. Darin findet Thrall einen Gegenentwurf zu Gul'dans Hexerei und zu Blackmoores Besitzdenken.
Die neue Horde entsteht deshalb nicht in einem Triumphzug. Sie wächst aus Befreiungen, Zweifeln und der mühsamen Frage, welche Teile der alten Identität noch tragen dürfen. Als Medivh später vor der Legion warnt, zieht Thrall nicht nach Kalimdor, weil alle Rechnungen beglichen wären. Er zieht, weil ein Volk nach zwei Formen der Knechtschaft endlich eine Zukunft braucht, die nicht von seinen Herren geschrieben wurde.