Kinder einer harten Welt
Die fernsten Ahnen der Orcs reichen zu den steinernen Geschöpfen zurück, die auf dem uralten Draenor gegen ein alles überwucherndes Pflanzenleben kämpften. Über viele Wandlungen wurden aus gewaltigen Kolossen sterbliche Völker und schließlich Orcs. In ihren Körpern blieb die Kraft einer Welt, in der Berge, Sporen, Gronn und Elemente nie bloße Kulisse waren.
Die Orcs bildeten keine einzige Nation. Sie lebten in Klans, deren Sitten aus ihrer jeweiligen Heimat erwuchsen. Frostwölfe teilten den Schnee mit ihren Wölfen, Kriegshymnen sangen im Kampf, Schattenmondschamanen deuteten Sterne und Ahnen, während Schwarzfelsen Erz und Stein meisterten. Beim Kosh'harg kamen die Klans zusammen, handelten, ehrten die Geister und gingen danach wieder eigene Wege. Streit gehörte zu diesem Leben, aber kein Kriegshäuptling befahl dauerhaft über alle.
Die Lüge über die Draenei
Kil'jaeden fand in den Orcs ein Werkzeug gegen die Draenei, die ihm seit ihrer Flucht von Argus entgangen waren. Er erschien Ner'zhul in vertrauter Gestalt und nährte den Verdacht, die Draenei planten den Untergang der Klans. Als Ner'zhul die Täuschung erkannte und zurückwich, erhob sich sein Schüler Gul'dan. Ihm bedeutete die Wahrheit weniger als die Macht, die die Legion versprach.
Überfälle wurden zu einem Vernichtungskrieg. Weil die Elemente auf die Gewalt ihrer Schamanen nicht länger antworteten, bot Gul'dan Teufelsmagie als Ersatz an. Die Orcs wurden nicht nur Opfer einer fremden Intrige. Viele trafen Entscheidungen, folgten ehrgeizigen Häuptlingen, beraubten Nachbarn und machten sich an den Draenei schuldig. Täuschung erklärt, wie der Abgrund geöffnet wurde; sie nimmt nicht jedem, der hinabstieg, die Verantwortung.
Blut, Portal und Eroberung
Gul'dan formte die Klans zur alten Horde und setzte Schwarzfaust als Kriegshäuptling ein. Viele Häuptlinge tranken Mannoroths Blut. Die rote Raserei band sie an die Legion und färbte ihre Haut, die bereits durch Teufelsenergie grün geworden war. Durotan verweigerte den Trank, doch auch sein Frostwolfklan war zuvor in den Krieg hineingezogen worden. Reinheit lag nicht einfach bei einem unbefleckten Klan, Schuld nicht allein in einem Becher.
Als Draenor unter Teufelsmagie verdorrte, führte das Dunkle Portal nach Azeroth. Sturmwind fiel im Ersten Krieg. Im Zweiten Krieg marschierte die Horde bis in den Norden, ehe innere Machtkämpfe und der Widerstand der Allianz sie brachen. Viele Orcs starben, andere kamen in Internierungslager. Ohne den dämonischen Antrieb verfielen Gefangene in eine tiefe Lethargie, als hätte der Krieg selbst ihre Fähigkeit verzehrt, sich eine andere Lebensweise vorzustellen.
Thralls neuer Anfang
Thrall wuchs als Sklave unter Menschen auf und fand später den Frostwolfklan sowie die schamanische Tradition seines Volkes. Er befreite die Lager, vereinte Überlebende und führte sie nach Kalimdor. Dort gründeten die Orcs Durotar und bauten Orgrimmar. Gemeinsam mit Tauren und Dunkelspeertrollen entstand eine neue Horde, die nicht mehr nur aus Orcklans bestand.
Am Berg Hyjal kämpften Orcs neben Menschen und Nachtelfen gegen die Legion. Grommash Höllschrei tötete Mannoroth und brach damit den Blutfluch. Dieser Sieg war Befreiung, aber keine Auslöschung der Vergangenheit. Thralls Horde musste lernen, dass Ehre nicht durch ein heroisches Opfer zurückkehrt, solange die Opfer früherer Taten nur als Hindernis für den eigenen Frieden betrachtet werden.
Die Verantwortung der Freiheit
Unter Garrosh Höllschrei gewann die Vorstellung orcischer Vorherrschaft erneut Macht. Theramore fiel, Verbündete wurden erniedrigt, und Orgrimmar verwandelte sich in das Zentrum einer „wahren Horde“. Garroshs spätere Eiserne Horde auf einem alternativen Draenor zeigte noch deutlicher, dass Orcs auch ohne Dämonenblut einen Eroberungskrieg wählen konnten. Verderbnis war nie die einzige mögliche Erklärung für Gewalt.
Heute leben Orcs in Durotar, im Brachland und weit darüber hinaus. Manche bewahren Klannamen, andere wachsen in Familien auf, für die die Horde selbst zur Heimat geworden ist. Mag'har aus dem alternativen Draenor kamen hinzu und brachten verwandte, doch anders verlaufene Geschichten mit. Was Orcs verbindet, ist deshalb keine einfache Rückkehr zu einer verlorenen Reinheit. Es ist die fortdauernde Arbeit, Kraft von Herrschaft, Loyalität von Gehorsam und Erinnerung von Ausrede zu unterscheiden.