Ein Berg aus einem Fehler
Wo heute der Schwarzfels über den Östlichen Königreichen hängt, lag einst das Reich der Dunkeleisenzwerge. Im Krieg der Drei Hämmer wurden ihre Heere von Bronzebärten und Wildhämmern zurückgedrängt. Zauberthan Thaurissan suchte in seiner Verzweiflung nach einer Macht, vor der selbst zwei siegreiche Armeen weichen würden. Sein Zauber griff tiefer, als seine Beherrschung reichte.
Ragnaros brach aus den Feuerlanden in die Welt. Berge barsten, Feuerstürme verwüsteten das Rotkammgebirge, und aus der Wunde erhob sich ein Vulkan. Die gegnerischen Könige zogen sich zurück, doch Thaurissans Volk war nicht gerettet. Der Feuerfürst zwang die überlebenden Dunkeleisenzwerge in seinen Dienst. Der Schwarzfels erfüllte den Wunsch nach einer uneinnehmbaren Heimat, indem er seine Bewohner zu Gefangenen ihres vermeintlichen Retters machte.
Die Horde findet eine Festung
Jahrhunderte später kamen Orcs durch das Dunkle Portal. Der Schwarzfelsklan machte den Berg zu einem Zentrum der ersten Horde; die Schwarzfelsspitze wurde zum Sitz von Schattenrat und Kriegshäuptlingen. Der Name des Klans gab dem Berg nicht seinen Namen, aber beide wurden so eng verbunden, dass spätere Generationen Ursache und Ankunft leicht miteinander verwechseln konnten.
Im Zweiten Krieg führte der Weg der Allianz erneut zum Schwarzfels. Orgrim Schicksalshammer und Anduin Lothar trafen dort aufeinander, und Lothar fiel. Turalyon hob das zerbrochene Schwert seines Befehlshabers auf und verwandelte den Schock in einen Gegenangriff. In diesen Pässen wurde der Berg zu mehr als einer Stellung: Für die eine Seite bewahrte er Erinnerung an die alte Horde, für die andere den Tod jenes Mannes, der ihre jungen Königreiche zusammengeführt hatte.
Zwei Herren unter einem Dach
Nach dem Krieg blieb Rend Schwarzfaust mit Teilen der alten Horde in der Spitze. Tief darunter lagen die Schwarzfelstiefen und die Schattenschmiede, Hauptstadt der Dunkeleisenzwerge. Nominell gehörte alles zu einem Berg; tatsächlich verlief eine unsichtbare Front durch seine Schächte. Ragnaros herrschte von unten, während Nefarian und der schwarze Drachenschwarm sich in den oberen Hallen festsetzten.
Nefarian verbündete sich mit Rends Dunkler Horde und experimentierte im Pechschwingenhort an Drachenblut. Ragnaros duldete über sich keinen ebenbürtigen Anspruch. Zwischen Feuerlord und Drachenprinz wurden Zwerge, Orcs und Drachenbrut zu Soldaten eines Krieges, dessen Herren selten selbst die engen Gänge betreten mussten. Der Schwarzfels war eine Festung voller Armeen und zugleich ein Haus, in dem jede Etage den Bewohnern der anderen den Tod wünschte.
Siege ohne leeren Berg
Streiter aus Allianz und Horde drangen in beide Reiche ein. Imperator Dagran Thaurissan fiel, Ragnaros wurde aus dem Geschmolzenen Kern vertrieben und Nefarian im Pechschwingenhort bezwungen. Keiner dieser Siege machte den Berg still. Moira Thaurissan trat mit ihrem Sohn als Erbin der Dunkeleisen hervor, während Splitter alter Orcverbände und neue Kultisten weiterhin Schutz in den Gängen suchten.
Während des Kataklysmus kehrte Nefarian im Pechschwingenabstieg zurück. Über den alten Laboren setzte er Versuche fort, in denen Leben als Material für einen vollkommeneren Drachenschwarm behandelt wurde. Der Berg bewahrte seine älteren Gewalten nicht nur wie eine Ruine. Er bot jeder neuen Besessenheit Werkstätten, Kerker und bereits vorhandene Feinde, an denen sie sich erproben konnte.
Ein Gebirge voller übereinanderliegender Kriege
Später fanden die Dunkeleisenzwerge einen Platz in der Allianz, ohne dass ihre Herkunft aus dem Schwarzfels verschwand. Die Schattenschmiede blieb Hauptstadt und Last zugleich. Die Befreiung von Ragnaros bedeutete nicht, dass Jahrhunderte von Zwang aus Familien, Politik und Erinnerung gelöscht waren. Ein Volk kann seinen Herrn stürzen und dennoch lange in den Räumen weiterleben, die dieser Herr nach seinen Bedürfnissen geformt hat.
Der Schwarzfels wirkt deshalb wie ein Querschnitt durch Azeroths Gewaltgeschichte. Eine verzweifelte Beschwörung schuf den Berg; Eroberer machten seine Höhlen zu Burgen; Ragnaros und Nefarian verwandelten Bewohner in Werkzeuge. Nichts davon liegt sauber hintereinander. Unter der erkalteten Kruste bleiben die Schichten gleichzeitig spürbar. Wer den dunklen Ring über der Lava durchquert, betritt keinen einzelnen Kriegsschauplatz, sondern einen Ort, an dem jeder Sieg auf den Fundamenten einer älteren Niederlage errichtet wurde.