Das Königreich auf der Halbinsel
Gilneas gehörte zu den sieben Menschenreichen der Östlichen Königreiche. Seine Städte, Wälder und Häfen lagen auf einer Halbinsel südlich des Silberwalds. Gilneer galten als stolz, eigensinnig und überzeugt, mit eigenen Kräften besser zu bestehen als in den Bündnissen anderer Könige. Unter Genn Graumähne wurde aus diesem Selbstbewusstsein eine Staatsdoktrin.
Nach dem Zweiten Krieg stritt Genn mit der Allianz über Kosten, Internierungslager und fremde Verpflichtungen. Er ließ die Graumähnenmauer errichten und schloss die Tore. Die Mauer bewahrte das Land später vor der Seuche der Geißel. Vor ihr starben jedoch Flüchtlinge aus Lordaeron, denen Gilneas Schutz verweigerte. Derselbe Stein war Rettung für die einen und Todesurteil für die anderen.
Der Krieg innerhalb der Mauer
Nicht alle akzeptierten die Abschottung. Darius Crowley widersetzte sich dem König, unterstützte fremde Feldzüge und führte schließlich die Nordtorrebellion. Gilneas geriet in einen Bürgerkrieg, während jenseits der Mauer Lordaeron unterging. Genn bewahrte die Grenzen und verlor das Vertrauen eines Teils seines Volkes.
Um die Geißel im Silberwald abzuwehren, hatte Erzmagier Arugal Worgen gerufen. Die Geschöpfe wandten sich gegen Gilneer außerhalb der Mauer, und infizierte Soldaten trugen den Fluch zurück. Der Wolfskult verbreitete ihn im Verborgenen. Genn selbst wurde gebissen und verschwieg die Verwandlung. Die Mauer hielt Armeen auf, nicht aber Angst, Geheimnisse und einen Biss im eigenen Blut.
Fluch, Kataklysmus und Invasion
Als Worgen offen durch Gilneas zogen, brach die Hauptstadt zusammen. Genn ließ Crowley und seine Rebellen frei, weil alte Feindschaften angesichts des Untergangs sinnlos geworden waren. Krennan Aranas entwickelte eine Behandlung für den Verstand; Nachtelfen führten die Betroffenen zum Ritual des Gleichgewichts. Menschen und Worgen mussten lernen, sich nicht länger als zwei getrennte Lager zu betrachten.
Dann erschütterte der Kataklysmus die Halbinsel und brach Schutzriffe und Mauer. Die Verlassenen griffen im Auftrag der Horde an. Sylvanas setzte trotz Garroshs Verbot die Seuche ein. Prinz Liam warf sich vor einen Pfeil, der Genn galt, und starb. Der König gewann seinen Sohn nicht durch eine falsche Entscheidung des Feindes verloren, sondern in einem Krieg, zu dem seine lange Isolation das Reich besonders verwundbar gemacht hatte.
Exil und Bündnis
Nachtelfische Schiffe brachten die Zivilbevölkerung nach Teldrassil. Gilneer lebten fortan im Exil und traten wieder der Allianz bei. Auf dem Baum wuchs die Heulende Eiche aus einem Samen ihrer Heimat. Sie war kein Ersatz für Gilneas, aber ein Ort, an dem Flüchtlinge ihre Kultur nicht nur in Erinnerungen tragen mussten.
Teile der Befreiungsfront kämpften weiter um das Land. Genn machte den Krieg gegen Sylvanas zu einem persönlichen Schwur und fand in Anduin beinahe einen zweiten Sohn. Seine Trauer gab ihm Entschlossenheit, verengte aber manchmal den Blick. Gilneas blieb dadurch zugleich nationale Hoffnung und Name für eine Wunde, die jeder neue Krieg wieder öffnete.
Die Heimkehr unter Tess
Jahre später besetzte der Scharlachrote Kreuzzug die verlassene Hauptstadt. Gilneer, Allianz und Mitglieder des Trostlosen Rats der Verlassenen kämpften gemeinsam, um die Fanatiker zu vertreiben. Diese Zusammenarbeit löschte die frühere Invasion nicht aus. Sie zeigte, dass die Lebenden nicht für immer an die Befehle Sylvanas' und die Toten nicht für immer an deren Verbrechen gebunden bleiben mussten.
Nach der Rückeroberung dankte Genn ab und übergab den Thron an Tess Graumähne. Häuser werden wieder aufgebaut, Bewohner kehren auf die Halbinsel zurück. Gilneas ist damit nicht zu dem verschlossenen Reich vor der Mauer geworden. Seine Zukunft beginnt gerade aus der Einsicht, dass kein Stein stark genug ist, um alle Gefahren auszusperren, und kein Volk heil bleibt, wenn Schutz nur bedeutet, draußen sterben stets die anderen.