Die Erbin, die einen eigenen Weg wollte
Alleria war die älteste Tochter Lireesa Windläufers und sollte ihr als Waldläufergeneral folgen. Doch sie sträubte sich gegen einen Lebensweg, den Tradition schon vor ihrer ersten eigenen Entscheidung festgelegt hatte. Sie wollte die Welt außerhalb Quel'Thalas sehen und die alten Verbindungen zu den Menschen nicht als erledigte Schuld behandeln.
Im Zweiten Krieg führte sie Waldläufer an der Seite der Allianz. Die Horde verwüstete die Grenzlande und tötete ihre Eltern sowie ihren Bruder Lirath. Trauer wurde in Alleria zu einem unerbittlichen Hass auf Orcs. Turalyon sah ihre Stärke und die Gefahr, dass Rache jede andere Bindung aus ihr verdrängte. Zwischen beiden wuchs dennoch Liebe, und ihr Sohn Arator wurde geboren, bevor der Krieg sie erneut fortführte.
Jenseits des Dunklen Portals
Alleria ging mit der Allianzexpedition nach Draenor. Als Ner'zhuls Portale die Welt zerrissen, blieb sie mit Turalyon jenseits des geschlossenen Weges zurück. Um Arator und Azeroth zu retten, ließen sie den Sohn bei anderen zurück. Für ihn wurden seine Eltern zu Statuen und Geschichten, während sie selbst durch den Wirbelnden Nether weiterkämpften.
Die Armee des Lichts fand sie. Durch den anderen Lauf der Zeit erlebten Alleria und Turalyon Jahrhunderte, während auf Azeroth Jahrzehnte vergingen. Turalyon wurde vom Licht erfüllt. Alleria erkannte dagegen, dass eine Armee, die nur das Licht verstand, gegen die Legion nicht jede mögliche Waffe sah.
Die Leere hinter der einen Wahrheit
Locus-Walker lehrte Alleria, die Stimmen der Leere zu hören, ohne jede ihrer Möglichkeiten für Wahrheit zu halten. Xe'ra verbot diesen Weg und sperrte sie ein, als sie nicht darauf verzichtete. Alleria lernte, dass das Licht einen Weg als wahr sieht, die Leere dagegen alle Wege zugleich. Freiheit lag für sie weder in blinder Gewissheit noch im Wahnsinn unendlicher Möglichkeiten, sondern in der eigenen Auswahl.
Auf Argus nahm sie die Macht der dunklen Naaru L'ura in sich auf und wurde zur ersten Leerenelfe. Die Berührung mit Turalyons Licht schmerzte beide, doch sie weigerten sich, kosmische Gegensätze über ihre Familie entscheiden zu lassen. Nach der Legion führte Alleria die verbannten Leerenelfen um Magister Umbric und lehrte sie dieselbe schwierige Disziplin.
Die Jagd auf Xal'atath
Xal'atath nutzte Alleria Ängste um Turalyon, Arator und die eigene Beherrschung. Nach Dalarans Zerstörung jagte Alleria die Vorbotin durch Khaz Algar und bis K'aresh. Sie arbeitete zeitweise mit ihr gegen Dimensius, verlor dabei das Vertrauen in Locus-Walker und sah ihn schließlich durch Xal'ataths Hand sterben.
Alleria schwor Rache und verfolgte die Feindin in den Leerensturm. Arator und Turalyon erreichten sie dort. Die Familie kämpfte endlich Seite an Seite, aber Alleria trug L'ura weiterhin wie einen Sturm in sich. Jede Entfesselung brachte Macht und erschöpfte die Grenze, an der sie die dunkle Naaru noch von der eigenen Stimme unterscheiden konnte.
Verschollen im Nichts
Beim Angriff auf den Leerenhort geriet Alleria in Xal'ataths Gewalt und verlor zeitweise die Kontrolle. Arator und Turalyon erreichten sie, doch Xal'atath manifestierte die Klinge des Schwarzen Imperiums und riss L'ura aus Allerias Körper. Mit der Naaru verdarb sie den Sonnenbrunnen zum Düsterbrunnen. Der Boden brach; Arator wurde fortgerissen und gerettet, während seine Eltern in der Leere verschwanden.
Der Düsterbrunnen wurde später gereinigt und als Morgenbrunnen neu geweiht. Alleria und Turalyon gelten weiterhin als verschollen. Ihre Geschichte besitzt daher noch keinen ehrlichen Schluss. Die Frau, die sich jeder vorgezeichneten Rolle widersetzte, ist an einem Ort verloren, an dem alle möglichen Wege zugleich locken. Doch sie hat die Leere nie deshalb gemeistert, weil ihre Stimmen verstummten. Sie meisterte sie, indem sie unter ihnen immer wieder die Beziehungen auswählte, die ihr wichtiger waren. Ob dieser Faden zurückführt, ist offen; dass er besteht, hat ihr ganzes Leben bewiesen.