Die Stadt unter Dun Morogh
Gnomeregan wurde tief in den Bergen Dun Moroghs gebaut, als hätte ein ganzes Volk beschlossen, die Erde selbst in eine Maschine zu verwandeln. Aufzüge verbanden Ebenen, Zahnräder bewegten Tore, Werkstätten lagen neben Wohnvierteln, und überall liefen Leitungen, deren Zweck ein Besucher oft erst verstand, wenn etwas zischte. Die Stadt war kein kaltes Denkmal der Technik. Sie war der lebendige Ausdruck gnomischer Neugier: Jede Frage durfte in Metall, Dampf oder Elektrizität beantwortet werden.
An ihrer Spitze stand der Hochtüftler Gelbin Mekkadrill, gewählt für seine Erfindungskraft. Neben ihm arbeitete Sicco Thermadraht, sein Berater und einstiger Freund. Sicco besaß selbst großes Talent, doch er ertrug es nicht, im Schatten Gelbins zu stehen. Wo die Bewohner Wettbewerb als Antrieb sahen, sah er eine Rangordnung, die ihn um die angeblich verdiente Krone betrog.
Der Krieg, den niemand erfahren sollte
Während der Dritte Krieg die Allianz erschütterte, drangen Troggs aus den Tiefen Uldamans in die unteren Bezirke Gnomeregans ein. Die Gnome hielten die Invasion geheim, weil Mekkadrill den Verbündeten keine Truppen aus ihrem Überlebenskampf abziehen wollte. Fünf Jahre lang verteidigten sie ihre Stadt allein. Diese Rücksicht wurde zur Isolation, und in der Isolation erhielt Thermadraht die Gelegenheit, seine Eifersucht als Rettungsplan zu verkleiden.
Als die Troggs gefährliche Werkstätten erreichten, schlug er vor, die unteren Hallen mit tödlicher Strahlung zu fluten. Gefälschte Berechnungen sollten beweisen, das Gas werde unten bleiben und die Filter der Wohnbereiche seien sicher. Tatsächlich plante Sicco mit gnomischen Opfern, die er Gelbin anlasten wollte. Nach dem erwarteten Zusammenbruch des Hochtüftlers wollte er als Retter auftreten und gewählt werden.
Achtzig Prozent
Die Bombe tat nicht, was Thermadraht öffentlich versprochen hatte, und weit mehr, als selbst sein geheimer Plan vorsah. Das Gas stieg durch die Stadt, drang durch die angeblich sicheren Filter und tötete innerhalb weniger Tage beinahe achtzig Prozent der Gnome. Viele Überlebende verwandelten sich in wahnsinnige Lepragnome. Die Troggs starben nicht in der erhofften Zahl; manche wurden durch die Strahlung nur wilder.
Mekkadrill führte die gesunden Überlebenden nach Eisenschmiede. Thermadraht blieb in der verseuchten Stadt zurück, mutierte selbst und erklärte sich zum König über Ruinen, Troggs und Lepragnome. Sein Verrat traf Gnomeregan tiefer als ein äußerer Angriff es vermocht hätte. Die Technik, auf die das Volk vertraute, hatte es nicht aus eigenem Versagen vernichtet, sondern weil ein Fachmann Daten, Freundschaft und Notlage bewusst missbrauchte.
Heimat ist mehr als ein sicherer Ort
Von Eisenschmiede und Neu-Tüftlerstadt aus versuchten die Gnome immer wieder, ihre Hauptstadt zurückzugewinnen. Operation Gnomeregan brachte Teile der oberen Ebenen unter ihre Kontrolle, doch die tieferen Hallen blieben verstrahlt. Rückeroberung bedeutet hier nicht, ein Banner auf einen Turm zu setzen. Luft, Wasser, Maschinen und Überlebende müssen gereinigt werden; jede geöffnete Tür kann in einen Raum führen, den jemand noch aus der Kindheit kennt und nun kaum wiedererkennt.
Trotzdem gaben die Gnome Gnomeregan nie auf. Diese Beharrlichkeit ist keine Weigerung, die Katastrophe anzuerkennen. Gerade weil sie wissen, was verlorenging, wollen sie die Stadt nicht Thermadrahts letzter Berechnung überlassen. Er hatte gnomische Leben in Prozentwerte verwandelt. Die Rückkehr macht aus jeder geretteten Werkstatt und jedem geheilten Lepragnom wieder eine einzelne Geschichte.
Gnomeregan steht deshalb für beide Seiten gnomischer Erfindungskraft. Wissen kann eine Welt heller, schneller und freier machen; ohne Gewissen kann dieselbe Präzision einen Massenmord planen. Die Stadt bleibt ein technisches Wunder, aber seit ihrem Fall trägt jedes ihrer Zahnräder eine zweite Frage: Nicht nur, ob etwas gebaut werden kann, sondern wem es dient, wenn es sich zu drehen beginnt.