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Grabmal des Sargeras
Welt

Grabmal des Sargeras

Der versunkene Tempel der Elune, den Aegwynn zum Gefängnis von Sargeras' Avatar machte und den Gul'dan zweimal öffnete, bis er zum Tor der größten Legionsinvasion wurde.

Als hier noch Mondblumen wuchsen

Das Grabmal des Sargeras war nicht als Grabmal erbaut worden. Vor dem Krieg der Ahnen stand es bei Suramar als großer Tempel der Elune. In seiner offenen Mondkammer zeichneten Mosaike den Lauf des Jahres nach, und Blumen blühten unter freiem Himmel. Priesterinnen kamen an einen Ort des Glaubens, nicht in eine Festung gegen Dämonen.

Als die Brennende Legion Azeroth überfiel, versuchte sie im Tempel ein zweites Portal neben dem Brunnen der Ewigkeit zu öffnen. Die Hochgeborenen schlossen es mit den Säulen der Schöpfung und legten Siegel über die Hallen. Dann zerriss die Große Teilung die Welt. Meerwasser verschlang den Tempel, und Jahrtausende lang lag die Mondkammer dort unten, während Korallen über Steine wuchsen, die einst Nachtelfen berührt hatten.

Aegwynns Sieg und Sargeras' Geduld

Jahrhunderte vor dem Ersten Krieg stellte sich die Wächterin Aegwynn dem Avatar des Sargeras entgegen. Sie besiegte den Körper, den der gefallene Titan nach Azeroth gesandt hatte, und suchte für seine Überreste ein Gefängnis. Der versunkene Tempel schien mit seinen alten Schutzzeichen gegen Felmagie geeignet. Aegwynn legte weitere Bannungen darüber und verbarg den Avatar in den tiefsten Kammern.

Doch Sargeras hatte seine Niederlage vorausgesehen. Ein Teil seines Geistes verbarg sich in Aegwynn und ging später auf ihren Sohn Medivh über. Das Grab bewahrte seinen Körper, während sein Wille an anderer Stelle handelte. Aegwynns Schutz verwehrte den Völkern Azeroths den Zutritt; die Orcs Draenors waren darin nicht vorgesehen. So wurde gerade die Stärke des Siegels zu einem Grund, warum Sargeras durch Medivh das Dunkle Portal öffnen und eine fremde Armee nach Azeroth holen ließ.

Gul'dans erster Abstieg

Im Zweiten Krieg verließ Gul'dan die Horde auf dem Höhepunkt ihres Feldzuges. Macht war ihm stets wichtiger gewesen als der Sieg eines Volkes, das er selbst verdorben hatte. Er hob die Verheerten Inseln aus dem Meer und suchte im Grabmal nach dem versprochenen Geheimnis des Titanen. Seine Anhänger folgten ihm durch Hallen, deren Siegel und Wächter nicht für Ehrgeizige gemacht waren.

Dämonen zerrissen Gul'dan, bevor er die ersehnte Macht beanspruchen konnte. Sein Verrat schwächte zugleich die Horde und trug zu ihrer Niederlage bei. Im Grabmal blieben Knochen, felverseuchte Kammern und die Erinnerung an einen Mann zurück, der glaubte, jede Warnung bedeute nur, dass der Preis größer sein müsse.

Das Auge und die zweite Öffnung

Während des Dritten Krieges betrat Illidan Sturmgrimm die Ruine. Er suchte das Auge des Sargeras, ein Überbleibsel des Avatars, und barg es für einen Zauber gegen den Frostthron. Maiev Schattensang verfolgte ihn durch die einstürzenden Gänge. Das Grabmal wurde erneut zum Ort, an dem ein Krieg fernab seiner Insel entschieden werden sollte.

Später kam ein anderer Gul'dan aus einem anderen Draenor. Von Kil'jaeden geführt, öffnete er die versiegelten Tiefen und ließ die Legion in einer bis dahin ungekannten Stärke nach Azeroth strömen. Über dem alten Elunetempel wuchs ein Felsturm. Was einst ein Seitenportal gewesen war, wurde zum Mittelpunkt der Invasion, und die Verheerte Küste füllte sich mit den Armeen des Sargeras.

Die Säulen kehren heim

Die Orden Azeroths sammelten die Säulen der Schöpfung und trugen sie an jenen Ort zurück, an dem sie vor zehntausend Jahren das erste Tor geschlossen hatten. Ein Echo Aegwynns führte die Kämpfer durch die Bannungen. Tief im Grabmal besiegten sie Kil'jaeden und unterbrachen den Felsturm. Der Kampf endete nicht dort, sondern öffnete den Weg nach Argus und zum letzten Feldzug gegen die Legion.

Im Grabmal liegen daher mehrere Geschichten übereinander, ohne einander auszulöschen: ein Tempel des Mondes, das Gefängnis eines Avatars, Gul'dans Grab, Illidans Fundort und das Tor einer Invasion. Sein Name erinnert nur an Sargeras und verschweigt beinahe alles, was vorher dort lebte. Wer durch seine Hallen geht, betritt keinen Ort, den das Böse aus dem Nichts geschaffen hat. Er sieht, wie ein Heiligtum durch Krieg, gute Absichten und fremden Hunger immer wieder umgedeutet wurde, bis selbst Mondblumen nur noch als Erinnerung unter Fellicht blühten.