Einer der ersten fünf
Alonsus Faol wählte Saidan Dathrohan gemeinsam mit Uther, Turalyon, Tirion Fordring und Gavinrad aus, als aus Rittern die ersten Paladine der Silbernen Hand wurden. Saidan verband Waffendienst mit dem Licht und kämpfte im Zweiten Krieg für die Allianz von Lordaeron. Sein Rang entstand nicht aus einem späteren scharlachroten Titel, sondern aus Jahren glaubwürdiger Verteidigung.
Später wurde er Lordkommandant des Ordens. Andere Paladine kannten seine Stimme, vertrauten seinem Urteil und sahen in ihm einen Mann, der auch unter Druck an der gemeinsamen Aufgabe festhielt. Genau dieses angesammelte Vertrauen sollte nach seinem Tod zur gefährlichsten Waffe werden. Ein unbekannter Betrüger hätte Befehle erklären müssen; Saidans Gesicht brauchte nur zurückzukehren.
Als die Silberne Hand zerbrach
Mit der Seuche des Untodes kam ein Krieg, in dem jeder gerettete Ort bereits infiziert sein konnte. Nach dem Streit um Stratholme löste Arthas die Silberne Hand auf. Saidan folgte dem Prinzen nicht auf dessen Weg. Er kämpfte mit Abbendis, Isillien und anderen weiter gegen die Geißel, während Lordaerons staatliche und religiöse Ordnung ringsum zusammenbrach.
Nach Uthers und Terenas' Tod sammelte er mit Alexandros Mograine Überlebende. In Herdweiler berieten sie, wie der Widerstand fortgesetzt werden konnte. Saidan sprach Menschen wie Sir Thomas Mut zu und erinnerte daran, für wen sie kämpften. Seine Worte über Liebe und heiligen Zorn waren noch die eines echten Paladins. Später klangen ähnliche Sätze aus seinem Mund weiter, doch der Mensch, der sie gemeint hatte, war nicht mehr dort.
Der Tod in Stratholme
Bei einem Angriff auf das von der Geißel gehaltene Stratholme wurde Saidan von seinen Gefährten getrennt. Balnazzar nahm ihn gefangen, tötete ihn und besetzte seinen Körper. Dämonische Magie bewahrte die Hülle vor dem Verfall. Als der Paladin wieder unter die Überlebenden trat, sah sein Körper vertraut genug aus, um die unmögliche Wahrheit fernzuhalten.
Hier endet Saidans eigenes Handeln. Alles, was die Gestalt später als Großkreuzfahrer befahl, tat Balnazzar. Saidan gründete nicht aus eigenem Entschluss einen fanatischen Orden, verdarb Renault nicht und ließ keine Unschuldigen ermorden. Sein Körper wurde zur Puppe, sein Rang zur Beglaubigung und seine frühere Güte zum Material einer Täuschung.
Ein guter Name als Maske
Unter Saidans Gesicht formte Balnazzar den Scharlachroten Kreuzzug. Er nährte Renaults Neid, bis dieser Alexandros mit dem Aschenbringer tötete, beseitigte Zweifler wie Fairbanks und erhob Isillien sowie Abbendis in ein System wachsender Härte. Jeder grausame Schritt schien durch die Zustimmung eines Gründers der Silbernen Hand geheiligt.
Das macht Saidans Schicksal besonders bitter. Balnazzar stahl nicht nur die Zukunft eines Menschen. Er griff rückwirkend nach dessen Vergangenheit. Je glaubwürdiger Saidan als Paladin gewesen war, desto wirksamer konnte der Dämon Vertrauen gegen seine Freunde verwenden. Für Außenstehende verschmolzen Opfer und Täter über Jahre zu einem einzigen Namen.
Was nach der Enthüllung bleibt
Als Kämpfer in der Scharlachroten Bastion die besessene Gestalt stellten, brach Balnazzars wahre Form hervor. Saidans sterbliche Überreste wurden dabei endgültig zerstört. Die Enthüllung zeigte, dass der Kreuzzug von einem Nathrezim gelenkt worden war, doch sie löste seine Ideologie nicht auf. Zu viele Menschen hatten gelernt, Verfolgung auch ohne den Mann an der Spitze für heilig zu halten.
Saidan erhielt dadurch keine einfache Wiederherstellung seines Rufes. In Chroniken steht sein Name weiterhin zwischen Silberner Hand und Scharlachrotem Kreuzzug. Eine gerechte Erinnerung muss die Grenze sichtbar halten: Der echte Saidan verteidigte Lordaeron und starb in Stratholme; der Großkreuzfahrer danach war der Mörder in seinem Körper. Diese Unterscheidung entschuldigt nicht die lebenden Kreuzfahrer, die Balnazzar folgten. Sie gibt aber einem Toten zurück, was ein Dämon ihm am gründlichsten nehmen wollte: die Urheberschaft über sein eigenes Leben.