Der Admiral der Allianz
Daelin Prachtmeer herrschte über ein Inselreich, dessen Sicherheit, Handel und Selbstbild auf Schiffen ruhten. Als Flüchtlinge aus Sturmwind vor der Horde warnten, schloss er Kul Tiras der Allianz von Lordaeron an. Anduin Lothar erhielt den Oberbefehl an Land; Daelin führte als Großadmiral die vereinten Flotten.
Er transportierte Truppen, kämpfte gegen Orcschiffe und verteidigte Küsten, an denen ein verlorenes Gefecht ganze Städte geöffnet hätte. Für Daelin war die Horde nicht zuerst eine politische Idee. Sie war eine Armada aus einer fremden Welt, die Sturmwind verwüstet hatte und nun nach Norden drängte. Diese Erfahrung wurde zum Maßstab, an dem er später jeden Orc beurteilte.
Derek bleibt auf See
Im Zweiten Krieg verlor Daelin seinen ältesten Sohn Derek. Drachenreiter griffen dessen Flotte an, und der junge Kommandant kehrte nicht heim. Der Lordadmiral schrieb Katherine von diesem Tod, doch kein Sieg konnte die Stelle am Familientisch wieder besetzen. Krieg war für ihn fortan nicht nur staatliche Pflicht, sondern eine offene Rechnung.
Kul Tiras half, die alte Horde zu besiegen, und Daelin sah Internierung statt Vernichtung. Als später Berichte von einer neuen Horde sprachen, hörte er darin nicht Thralls Abkehr von Dämonenblut. Er hörte die Möglichkeit, dass dieselben Täter Zeit gewonnen hatten. Sein Misstrauen besaß Gründe; sein Fehler war, aus vergangenen Verbrechen eine unveränderliche Natur aller Orcs zu machen.
Die Suche nach Jaina
Nach dem Fall Lordaerons segelte Daelin über das Große Meer. Er suchte Jaina und die Menschen, die nach Kalimdor geflohen waren. In Theramore fand er seine Tochter lebend, aber in Frieden mit Thrall, Rexxar und ihren Verbündeten. Für Jaina war dieses Bündnis am Hyjal erprobt worden; für Daelin sah es aus wie Blindheit gegenüber einem Feind, den sie zu jung gewesen war, in seiner ersten Verwüstung zu erleben.
Er hörte ihre Erklärung nicht an. Daelin übernahm Theramore, ließ Hordenverbündete verfolgen und begann Angriffe auf Durotar. Die Stadt seiner Tochter wurde zur Basis eines Krieges, den sie ausdrücklich vermeiden wollte. Väterliche Sorge verwandelte sich in Entmündigung: Weil er glaubte, Jaina vor ihrem Irrtum retten zu müssen, nahm er ihr die Herrschaft über das, was sie selbst aufgebaut hatte.
Die Schlacht um Theramore
Rexxar vereinte Orcs, Tauren, Dunkelspeere und Oger gegen Daelins Flotte. Jaina half ihnen, die Blockade zu überwinden, zog sich aber vom Angriff auf die Stadt zurück. Sie wollte ihren Vater nicht töten und sah zugleich keinen anderen Weg, den Krieg zu beenden, den er aus ihrer Heimat führte.
Daelin weigerte sich auch in der Niederlage, Thralls Horde als etwas anderes als die frühere Invasionsarmee zu sehen. Rexxar tötete ihn in der Zitadelle. Der Admiral starb nicht, weil jede seiner Warnungen über Gewalt falsch gewesen wäre. Er starb, weil er der Möglichkeit von Veränderung keinen prüfbaren Raum ließ und dadurch selbst genau den Angriff begann, den sein Misstrauen angeblich verhindern sollte.
Die Tochter des Meeres
Kul Tiras trauerte um seinen Lordadmiral und gab Jaina die Schuld. Das Lied von der Tochter des Meeres machte aus ihrer Entscheidung einen Verrat am Vater und am ganzen Reich. Katherine hielt diese Wunde jahrelang fest. Jaina wiederum trug die Frage, ob Frieden den Tod ihres Vaters wert gewesen war, durch spätere Kriege und durch die Zerstörung Theramores.
Als sie nach Kul Tiras zurückkehrte, musste die Familie Daelins Erinnerung neu ansehen, ohne sie zu verwerfen. Er blieb ein Held des Zweiten Krieges, ein fähiger Admiral, Ehemann und Vater. Er blieb auch der Mann, der aus Trauer Gewissheit machte und eine fremde Stadt gegen ihren Willen besetzte. Seine Geschichte verliert an Würde nicht dadurch, dass beides ausgesprochen wird. Sie gewinnt Tragik: Daelin wollte verhindern, dass die Vergangenheit sich wiederholte, und wurde gerade durch dieses Verlangen unfähig, eine andere Zukunft zu erkennen.