Ehre und StärkeBlackmoore
Jahr 20

Der Fall Lordaerons: Arthas und die Geißel

Eine Seuche verwandelt Arthas' Pflichtgefühl in Besessenheit. Lordaeron und Quel'Thalas fallen, während der Prinz seinem Feind bis nach Nordend folgt.

Ner'zhul wird zum Lichkönig

Als Draenor zerbricht, entkommt Ner'zhul durch eines seiner Portale. Kil'jaeden wartet auf ihn. Der Eredar bestraft den früheren Schamanen für Flucht und Versagen, zerreißt seinen Körper und bindet seinen Geist an den Helm der Herrschaft und die Klinge Frostgram. In einem Block aus Eis wird Ner'zhul nach Nordend geschleudert. Dort soll er als Lichkönig eine Armee der Toten erschaffen, die Azeroth für die nächste Invasion der Legion schwächt.

Ner'zhul gehorcht, sucht aber zugleich nach einem Weg, sich von Kil'jaeden zu lösen. Er breitet seinen Geist über Nordend aus, unterwirft die Neruber und entwickelt die Seuche des Untodes. Dafür braucht er Diener unter den Lebenden. Der Magier Kel'Thuzad hört seinen Ruf, reist nach Nordend und wird zum Gründer des Kults der Verdammten. Die Geißel beginnt nicht mit offen marschierenden Armeen, sondern mit Getreide, Versprechen und Menschen, die glauben, im Tod Macht oder Erlösung zu finden.

Lordaerons langsamer Untergang

Der Dritte Krieg beginnt anders als die beiden Kriege davor. Keine Horde marschiert durch ein Portal, kein fremdes Heer steht zuerst vor den Mauern. Die Gefahr kommt als Krankheit, als verdorbenes Korn, als Nachricht aus Dörfern, die gestern noch gewöhnliche Orte waren. Lordaeron, das im Zweiten Krieg Zuflucht und Sammelpunkt der Allianz gewesen war, wird nun von innen her geprüft.

Gerade deshalb ist dieser Krieg so grausam. Er zwingt die Lebenden, nicht nur gegen Feinde zu kämpfen, sondern gegen die Angst vor dem, was aus den eigenen Nachbarn, Familien und Soldaten werden kann. Arthas Menethil tritt zunächst als Prinz und Beschützer in diese Krise. Sein Fall wird nicht erschütternd, weil er von Anfang an finster wäre, sondern weil sein Wunsch zu retten immer weniger Raum für Demut lässt.

Während Lordaeron zerbricht, werden auch die anderen Völker auf Wege gestoßen, die sie nicht geplant haben. Thralls junge Horde sucht im Westen eine Zukunft, Jaina Prachtmeer folgt einer Warnung, die Nachtelfen müssen ihre lange Absonderung verlassen, und die Brennende Legion kehrt als Macht zurück, die hinter vielen älteren Wunden bereits lauerte. Der Dritte Krieg macht aus regionalen Tragödien eine Weltentscheidung.

Kel'Thuzad bereitet den Krieg in Küchen und Kornkammern vor

Ner'zhul braucht keine Armee an Lordaerons Grenze, um das Reich zu Fall zu bringen. Durch Kel'Thuzad gründet er den Kult der Verdammten. Kel'Thuzad war einst Mitglied der Kirin Tor, wurde aber verstoßen, weil er sich trotz aller Warnungen mit verbotener Totenmagie beschäftigte. In Nordend begegnet er dem Lichkönig und unterwirft sich ihm. Zurück in Lordaeron verspricht er Menschen, die sich von Krone, Kirche oder ihrem eigenen Leben verlassen fühlen, nicht nur Macht. Er verspricht ihnen einen Platz in einer kommenden Ordnung, in der Tod, Stand und Herkunft keine Grenzen mehr setzen sollen.

Der Kult verbreitet verseuchtes Getreide. Das ist mehr als eine heimliche Waffe. Die Seuche nutzt die Wege, die ein Königreich am Leben erhalten: Bauernhöfe, Mühlen, Händler und Vorratsspeicher. Arthas begegnet der Katastrophe deshalb nicht auf einem Schlachtfeld. Er sieht, wie Dörfer erkranken, während Berichte zu langsam eintreffen und jeder Wagen bereits den nächsten Ort gefährden kann. Uther versucht, Recht und Mitgefühl zu bewahren; Jaina sucht nach einer Möglichkeit, die Verwandlung aufzuhalten; Arthas erlebt jedes Zögern als weitere Zahl von Toten.

In Stratholme entscheidet Arthas, die Bewohner zu töten, bevor sie zu Untoten werden. Die Entscheidung entsteht aus einer wirklichen Gefahr, aber sie verändert seinen Maßstab. Menschen erscheinen ihm nicht mehr als Einzelne, sondern als mögliche Feinde einer nahen Zukunft. Als Uther den Befehl verweigert und Jaina ihn verlässt, deutet Arthas ihren Widerspruch nicht als Warnung, sondern als Beweis, dass nur er bereit sei, den notwendigen Preis zu zahlen. Mal'Ganis lockt ihn nach Nordend, weil die Geißel genau diese Überzeugung braucht. Frostgram erschafft seinen Fanatismus nicht; die Klinge findet einen Prinzen, der bereits gelernt hat, jeden Einwand als Schwäche zu behandeln.

Die Seuche macht den Alltag zur Waffe

Anfangs wirkt die Katastrophe klein genug, um sie zu übersehen: Ein Sack Korn erreicht sein Ziel, ein Dorf verstummt, wenig später stehen die Verstorbenen wieder auf. Mit jeder Station nimmt die Geißel Lordaeron etwas Vertrautes und kehrt es gegen die Lebenden. Nahrung wird zum Übertragungsweg, Nachbarschaft zur Quelle der Angst und Fürsorge zum Wettlauf gegen eine Verwandlung, die kaum jemand versteht.

Arthas Menethil tritt in diese Krise als Prinz, Paladin und Erbe Lordaerons. Sein Anfang ist nicht finster. Er will schützen. Er liebt sein Volk, und gerade diese Liebe wird gefährlich, weil sie keine Ohnmacht erträgt. Uther steht für Maß, Tradition und moralische Grenze. Jaina steht für kluge Vorsicht und die Hoffnung, dass Erkenntnis Rettung ermöglichen kann. Arthas dagegen bewegt sich immer stärker auf die Frage zu, was er tun darf, wenn jede Verzögerung Menschenleben kostet.

Stratholme ist der Bruch. Arthas sieht dort nicht mehr Bürger, sondern künftige Untote. Er entscheidet über Menschen nach dem, was aus ihnen werden könnte. Das ist die gleiche kalte Logik, die Sargeras im Kosmos anwendete: Eine mögliche Verderbnis wird behandelt, als sei sie bereits endgültig. Arthas glaubt, notwendig zu handeln. Doch in diesem Augenblick beginnt er, Rettung von Mitgefühl zu trennen.

Drei Wege verlassen Stratholme

Vor den Toren Stratholmes stehen Arthas, Jaina und Uther noch auf derselben Seite. Sie wissen, dass verseuchtes Getreide die Stadt erreicht hat, aber sie wissen nicht, wie viele Menschen bereits verloren sind oder ob Rettung möglich bleibt. Arthas sieht nur die Zeit, die ihm davonläuft. Uther sieht eine Grenze, die ein Paladin nicht überschreiten darf. Jaina sieht beides und findet keinen Weg, die Männer aufzuhalten, die einander längst nicht mehr zuhören. In diesem Augenblick zerbricht keine Freundschaft an Feigheit. Sie zerbricht daran, dass jeder eine andere Art von Verantwortung für unantastbar hält.

Arthas verlässt die Stadt mit der Gewissheit, allein den notwendigen Entschluss gefasst zu haben. Diese Gewissheit macht ihn für Mal'Ganis leichter lenkbar als jede offene Verführung. Uther zieht mit dem Schmerz davon, seinem Prinzen nicht gefolgt zu sein und ihn doch nicht gerettet zu haben. Jaina trägt die Erkenntnis nach Kalimdor, dass ein Reich sterben kann, während seine Anführer noch darüber streiten, welche Antwort ehrenhaft genug ist. Ihre Flucht ist keine Abkehr von Lordaeron, sondern der Versuch, wenigstens jene Zukunft zu bewahren, die Arthas in seinem Jagdtrieb nicht mehr sehen kann.

Von diesen drei Wegen führt einer zu Frostgram und zur Eiskrone, einer zum Grab Uthers und einer nach Theramore und Hyjal. Dort muss Jaina später mit Thrall und den Nachtelfen genau das tun, was in Stratholme unmöglich geworden war: handeln, bevor alle Seiten dieselbe Erinnerung und dieselbe Sprache besitzen. Der Dritte Krieg wird deshalb nicht nur am Weltenbaum entschieden. Seine tiefste Frage wurde bereits vor einer verschlossenen Stadt gestellt: Kann jemand das Notwendige tun, ohne sich selbst zum einzigen Richter über alle anderen zu machen?

Frostgram und der Prinz, der kein Ende mehr kennt

Die Jagd nach Mal'Ganis führt Arthas nach Nordend. Dort wird seine Absicht immer enger. Er will nicht mehr nur Lordaeron retten, sondern beweisen, dass sein Weg richtig war. Frostgram verspricht Macht in einer Form, die zu seinem Zustand passt: klar, endgültig, ohne Zweifel. Muradins Warnung erreicht ihn nicht mehr, weil Arthas die Welt bereits in eine Rechnung verwandelt hat. Wenn der Preis seine Seele ist, erscheint ihm selbst das als Opfer für das größere Ziel.

Doch Frostgram nimmt nicht nur etwas von ihm. Es bestätigt, was in ihm gewachsen ist. Arthas kehrt nicht als besiegter Prinz zurück, sondern als Werkzeug des Lichkönigs. Er tötet seinen Vater Terenas und stürzt Lordaeron in das, wovor er es retten wollte. Diese Szene ist deshalb so erschütternd, weil sie die Sprache der Pflicht verkehrt: Der Sohn, der Erbe, der Beschützer wird zum Mörder des Reiches.

Mit Lordaerons Fall entsteht eine neue Art von Verwüstung. Stormwind konnte wieder aufgebaut werden, weil seine Überlebenden fliehen konnten. Lordaeron wird zu einem Land, in dem Tote bleiben. Die Hauptstadt wird Grab, Thron und Wunde zugleich. Die Geißel zerstört nicht nur Mauern. Sie verkehrt Zugehörigkeit: Familie, Nachbarschaft und Heer werden zu Werkzeugen gegen die Lebenden.

Arthas lässt Uther und sein früheres Leben hinter sich
Als Arthas den Weg nach Nordend und zu Frostgram einschlägt, trennt er sich nicht nur von seinem Lehrer Uther. Er verwirft jene Grenzen, an die ihn Freundschaft, Pflicht und Mitgefühl bislang gebunden haben.Bildquelle: Warcraft Wiki: Arthas Menethil

Quel'Thalas fällt, und Sylvanas bleibt

Noch bevor die Überlebenden Lordaerons begreifen, wie vollständig ihr Reich zerbrochen ist, führt Arthas die Geißel nach Norden. Sein Ziel ist der Sonnenbrunnen, dessen Macht Kel'Thuzad als Lich zurückbringen soll. Zwischen ihm und dieser Quelle steht Sylvanas Windläufer, Waldläufergeneral von Silbermond. Sie kann den Vormarsch verzögern, aber nicht aufhalten.

Arthas tötet Sylvanas nicht nur. Er entreißt ihr die Freiheit über den Tod hinaus und zwingt sie als Banshee, den Untergang ihrer Heimat mitzuerleben. Dadurch erhält der Krieg eine Stimme, die nicht verstummt, als die Mauern fallen. Sylvanas trägt Quel'Thalas, ihre eigene Ermordung und den Hass auf Arthas in jede spätere Entscheidung hinein.

Der Sonnenbrunnen wird entweiht, die Überlebenden nennen sich Sin'dorei, Kinder des Blutes, und Kael'thas Sonnenwanderer sucht einen Ausweg aus dem magischen Hunger seines Volkes. Damit beginnt innerhalb des Dritten Krieges bereits die Geschichte, die später durch die Scherbenwelt bis zum Sonnenbrunnen zurückführen wird.

Kel'Thuzads Rückkehr öffnet Archimonde den Weg

Arthas marschiert nicht unmittelbar von Quel'Thalas nach Kalimdor. Am entweihten Sonnenbrunnen lässt er Kel'Thuzad als Lich auferstehen. Der ehemalige Magier der Kirin Tor ist nun nicht mehr nur der geheime Organisator der Seuche, sondern Ner'zhuls sichtbarer Berater. Er erklärt Arthas, dass die Geißel von Anfang an eine größere Aufgabe erfüllen sollte: Sie soll Lordaeron brechen und der Brennenden Legion die Rückkehr ermöglichen.

Dafür braucht Kel'Thuzad Medivhs Zauberbuch, das in Dalaran verwahrt wird. Die Kirin Tor verteidigen ihre Stadt unter Antonidas, Jainas früherem Lehrer und einem der angesehensten Magier Lordaerons. Arthas durchbricht die Schutzlinien, tötet Antonidas und bringt das Buch zu Kel'Thuzad. Mit dessen Macht beschwört der Lich Archimonde nach Azeroth.

Archimonde ist einer der beiden großen Eredar-Fürsten, die Sargeras auf Argus in seinen Dienst nahm. Anders als die verborgene Geißel benötigt er keine Seuche und keine Täuschung mehr. Er zerstört Dalaran als sichtbare Erklärung dafür, dass die Zeit sterblicher Verteidigung vorbei sein soll. Erst nach diesem Fall zieht die Legion nach Kalimdor, wo der Weltenbaum Nordrassil ihr nächstes Ziel wird.