Ehre und StärkeBlackmoore
Arthas Menethil
Charakter

Arthas Menethil

Arthas Menethil wollte Lordaeron um jeden Preis retten und machte dabei jedes Opfer zum Beweis für das nächste. Frostgram machte ihn zum Todesritter; mit dem Helm der Herrschaft wurde er später zum Lichkönig. Im Schlund verging schließlich selbst der letzte Rest seiner Seele.

Der Prinz, der genügen wollte

Arthas wuchs als Sohn von Terenas und Lianne Menethil im Palast Lordaerons auf. Uther lehrte ihn den Weg des Paladins, Muradin den Kampf, Jaina kannte seine Zärtlichkeit und seinen Stolz. Er liebte sein Pferd Unbesiegbar so sehr, dass dessen tödlicher Unfall ihm früh zeigte, was er am wenigsten ertragen konnte: eine Grenze, die sich nicht durch Entschlossenheit überwinden ließ.

Als junger Ritter wollte Arthas ein guter König werden, aber er brauchte die Gewissheit, der Aufgabe gewachsen zu sein. Widerspruch fühlte sich ihm schnell wie mangelndes Vertrauen an. Diese Schwäche war noch keine Bosheit. Sie wurde gefährlich, als Mal'Ganis ihm eine Krise gab, in der jede Verzögerung tatsächlich weitere Tote bedeutete und jede übertretene Grenze wie notwendige Stärke aussehen konnte.

Die Straße nach Stratholme

Der Kult der Verdammten verteilte verseuchtes Getreide. Arthas sah Dörfer sterben und als Geißel zurückkehren. Er jagte Kel'Thuzad, erfuhr von Mal'Ganis und erreichte Stratholme, nachdem die Bewohner bereits infiziert waren. In seinem Blick blieb nur eine Rechnung: Wer jetzt lebte, würde bald als Untoter töten.

Arthas befahl die Säuberung der Stadt. Uther verweigerte sich, Jaina ging fort. Beide ließen ihn nicht aus Gleichgültigkeit allein, sondern weil sein Befehl jede Person in Stratholme auf einen künftigen Feind reduzierte. Arthas deutete ihren Widerspruch als Versagen. Von da an prüfte er Entscheidungen kaum noch daran, was sie aus ihm machten. Dass er bereit war, den höchsten Preis zu zahlen, genügte ihm als Beweis ihrer Richtigkeit, obwohl andere diesen Preis trugen.

Frostgram

In Nordend verbrannte Arthas die eigenen Schiffe und ließ Söldner für die Tat verantwortlich machen, damit seine Soldaten nicht umkehren konnten. Muradin führte ihn zur Runenklinge Frostgram und warnte vor dem Fluch. Arthas erklärte, er würde jeden Fluch tragen, wenn die Klinge sein Volk rette. Als das Eis barst, traf es Muradin, und Arthas ging weiter.

Frostgram nahm seine Seele. Arthas besiegte Mal'Ganis, aber der vermeintliche Sieg führte ihn nicht heim. Er gehorchte dem Lichkönig, ließ gefallene Soldaten zurück und kehrte als Todesritter nach Lordaeron. Vor dem Thron kniete er bei seinem Vater, erhob sich und stieß die Klinge in Terenas. Das Reich, für dessen Rettung er jede Grenze überschritten hatte, fiel durch seine eigene Hand.

Ein König aus geraubten Leben

Arthas tötete Uther, zerstörte Quel'Thalas, erhob Sylvanas zur Banshee und ermöglichte Kel'Thuzads Rückkehr. Später setzte er auf Eiskrone den Helm der Dominanz auf und machte sich zur beherrschenden Stimme des Lichkönigs. Sein Reich bestand aus geraubten Körpern, Seelen und Erinnerungen. Selbst Nähe wurde zur Folter: Er zwang die, die ihn gekannt hatten, das Gesicht des Prinzen in ihrem Unterdrücker wiederzusehen.

Beim Angriff auf die Eiskronenzitadelle wollte Arthas die stärksten Kämpfer Azeroths töten und erheben. Er brachte sie tatsächlich um. Erst Tirions Ausbruch aus dem Eis und der Aschenbringer zerbrachen Frostgram. Die befreiten Seelen hielten den Lichkönig fest, Terenas gab den Gefallenen das Leben zurück, und Arthas starb in den Armen des Vaters, den er ermordet hatte. Seine letzte Wahrnehmung war Dunkelheit, nicht eine nachträgliche Vergebung.

Frostgram spricht in den Hallen der Reflexion

Als der verborgene Angriff Arthas' private Kammer erreichte, lag Frostgram scheinbar ohne seinen Herrn auf dem Sockel. Jaina hoffte, in der Klinge einen Rest des Prinzen oder eine Möglichkeit zu finden, ihn von seiner Macht zu trennen. Sylvanas suchte weniger nach Rettung als nach Gewissheit über die Schwäche ihres Peinigers. Uthers Geist antwortete beiden aus dem Gefängnis der Runenklinge.

Die Botschaft war zugleich Hoffnung und Warnung. Arthas hielt die Geißel mit seinem Willen zusammen; fiel er ohne Nachfolger, würden die Untoten ungebunden über Azeroth hereinbrechen. Es müsse stets einen Lichkönig geben. Noch bevor dieses Wissen vollständig begriffen werden konnte, betrat Arthas die Kammer und machte aus der Untersuchung eine unmittelbare Begegnung mit der Macht, über die sie gesprochen hatten.

Die Flucht durch den verborgenen Gang

Jaina oder Sylvanas stellte sich Arthas entgegen und erkannte rasch, dass selbst ihre ganze Macht für einen Zweikampf nicht genügte. Der einzige Weg führte in einen verborgenen Gang hinter der Kammer. Arthas folgte langsam. Er musste nicht laufen. Sein erbarmungsloser Winter fraß an jedem, der ihm zu nahe kam, und seine Gewissheit bestand darin, dass der Fluchtweg irgendwann enden würde.

Viermal hob der Lichkönig eine Wand aus Eis vor den Flüchtenden. Während Jaina oder Sylvanas die Barriere brach, rief Arthas rasende Ghoule, auferstandene Hexendoktoren und schwerfällige Monstrositäten zwischen sich und seine Beute. Jede Welle wurde größer, jeder Aufenthalt kürzer und der Abstand zum Mann mit Frostgram geringer. Die Begegnung ließ sich nicht durch Schaden gewinnen. Ihr Ziel war, gemeinsam lange genug am Leben zu bleiben, um weiterlaufen zu können.

Ein Sieg, der nur aus Entkommen besteht

Am Ende des Ganges wartete kein sicherer Boden, sondern der Rand der Zitadelle. Ein Luftschiff der Allianz oder Horde erreichte die Gruppe im letzten Augenblick und nahm die Flüchtenden auf. Arthas blieb zurück, nicht besiegt und nicht ernsthaft verwundet. Hätte er sie eingeholt, hätte Frostgrams Zorn jede Verteidigung beendet.

Gerade deshalb gehört die Flucht zu Arthas' Geschichte. In Stratholme hatte er geglaubt, Entschlossenheit bedeute immer, vorwärtszugehen und jeden Widerstand zu brechen. In seinen eigenen Hallen zwang er nun andere zu der reiferen Entscheidung, einen unmöglichen Kampf nicht mit sinnlosem Tod zu verwechseln. Sie entkamen mit Wissen, das später den Ausgang auf dem Frostthron bestimmen sollte. Arthas behielt seine Kammer, verlor aber das Geheimnis, auf dem die Zukunft der Geißel ruhte.

Der Rest in einer fremden Klinge

Uther und Devos warfen Arthas' Seele ohne Urteil in den Schlund. Zovaal ließ den verbliebenen Rest zu einem Kristall pressen und in Königsgram einsetzen, um Anduin zu beherrschen. Der frühere Prinz, der andere zu Werkzeugen gemacht hatte, wurde selbst zum Bestandteil einer Waffe. Als Anduin die Klinge zerbrach, blieb nur ein schwaches Flackern.

Jaina, Uther und Sylvanas sahen zu, wie dieser letzte Rest verging. Es war nicht genug Seele für Reue, Erklärung oder Urteil vorhanden. Arthas' Ende beantwortet daher nicht jede Frage nach Schuld und Einfluss. Frostgram raubte ihm die Seele, doch er nahm die Klinge nach einer langen Folge eigener Entscheidungen. Seine Geschichte bleibt tragisch, weil ein Beschützer zum Vernichter wurde; sie wird nicht unschuldig, nur weil auch er benutzt worden war. Von ihm bleibt kein Geist, wohl aber eine Welt, die weiter mit den Folgen seiner Gewissheit lebt.