Ein Reich blickt in die falsche Richtung
Nach dem Zweiten Krieg ist Lordaeron das stärkste Menschenreich des Nordens. Es trägt die Kosten der Internierungslager, hilft beim Wiederaufbau Sturmwinds und versucht, die Allianz zusammenzuhalten. Als Medivh vor der kommenden Gefahr warnt, vertraut Terenas auf Armee, Paladine und die Größe seines Landes. Er kann sich nicht vorstellen, sein Volk ohne sichtbaren Feind nach Kalimdor zu führen.
Gleichzeitig verbreitet der Kult der Verdammten die Seuche. Lordaerons Stärke – Straßen, Kornhandel und dicht verbundene Siedlungen – beschleunigt nun den Untergang.
Der verlorene Prinz
Arthas zieht aus, um das Reich zu retten. Herdweiler, die Jagd auf Mal'Ganis und Frostgram verändern sein Ziel. Als er nach Lordaeron zurückkehrt, trägt er die Rüstung eines Todesritters und hört die Stimme des Lichkönigs. Die Hauptstadt empfängt den heimkehrenden Prinzen zunächst mit Hoffnung.
Im Thronsaal kniet Arthas vor Terenas und stößt Frostgram in den Vater. Der Mord vernichtet die dynastische Mitte des Reiches. Zugleich marschiert die Geißel durch ein Land, dessen Tote immer neue Soldaten liefern.
Widerstand ohne gemeinsamen Mittelpunkt
Uther und die Ritter der Silbernen Hand kämpfen weiter. Dörfer, Adlige und Garnisonen leisten getrennt Widerstand. Doch die Seuche hat Nachrichtenwege und Vertrauen zerstört. Wer einen Flüchtling aufnimmt, muss fürchten, dass er infiziert ist. Wer einen Toten begräbt, weiß nicht, ob er wieder aufsteht.
Arthas tötet Uther bei Andorhal und benutzt die Urne Terenas' für Kel'Thuzads Gebeine. Damit nimmt er dem alten Lordaeron nacheinander König, Paladin und heilige Erinnerung.
Die Hauptstadt der Verlassenen
Der Fall Lordaerons bedeutet nicht, dass alle Bewohner verschwinden. Überlebende fliehen, kämpfen in Restverbänden oder werden untot. Sylvanas und andere Untote lösen sich später von der Kontrolle des Lichkönigs. Sie erobern die Ruinen der Hauptstadt und gründen Unterstadt.
Diese Verlassenen betrachten Lordaeron nicht als fremdes Land. Viele haben dort gelebt und starben dort. Ihr Anspruch kollidiert mit den Erinnerungen menschlicher Flüchtlinge, die ebenfalls von einer verlorenen Heimat sprechen. So wird der Untergang zum Ursprung eines Konflikts, in dem beide Seiten dasselbe Land als ihr eigenes erinnern.
Was tatsächlich fällt
Mit Lordaeron fällt mehr als eine Hauptstadt. Die Allianz von Lordaeron verliert ihren politischen Mittelpunkt, die Silberne Hand zerbricht, und die nördlichen Menschenreiche können nicht mehr gemeinsam reagieren. Dalaran und Quel'Thalas werden kurz darauf ebenfalls getroffen.
Der Name Lordaeron bleibt dennoch bestehen: als Kontinent, Königreich, Erinnerung und Anspruch. Gerade weil das Volk nicht in einem einzigen Augenblick verschwindet, reicht der Fall weit über das Jahr 20 hinaus. Jede spätere Rückkehr in die Ruinen berührt die Frage, wem eine Heimat gehört, wenn ihre Bewohner in Lebende, Untote und Vertriebene geteilt wurden.