Der Magier vor der verschlossenen Tür
Kel'Thuzad gehörte zu den angesehenen Magiern des Kirin Tor. Arkanes Wissen genügte ihm jedoch nicht. Er erforschte Nekromantie, führte verbotene Versuche durch und betrachtete die Warnungen seiner Kollegen als Furcht vor Erkenntnis. Antonidas ließ seine Arbeiten zerstören und verbannte ihn aus Dalaran.
In der Einsamkeit erreichte ihn der Ruf Ner'zhuls aus Nordend. Kel'Thuzad gab Besitz und Stellung auf und folgte der Stimme. Der Weg führte nicht zur Freiheit eines Forschers, sondern vor den Frostthron. Entsetzt von der Macht des Lichkönigs wollte er fliehen, doch Ner'zhul brach seinen Widerstand und gewann schließlich seine Hingabe. Kel'Thuzad machte aus der eigenen Unterwerfung eine neue Überzeugung: Wenn Macht unvermeidlich war, wollte er ihr gelehrtester Diener sein.
Der Kult der Verdammten
Kel'Thuzad kehrte nach Lordaeron zurück und gründete den Kult der Verdammten. Er versprach Ausgestoßenen Wissen, Gleichheit und ein Ende der Furcht vor dem Tod. Hinter diesen Worten bereitete er die Seuche des Untodes vor. Verseuchtes Getreide gelangte in Städte und Dörfer, während die späteren Opfer noch glaubten, eine alltägliche Lieferung zu erhalten.
Arthas stellte Kel'Thuzad bei Andorhal und tötete ihn. Der Nekromant starb jedoch in dem Wissen, dass der Prinz bereits in die Richtung getrieben wurde, die Ner'zhul vorgesehen hatte. Die Seuche, Stratholme und Mal'Ganis führten Arthas nach Nordend. Kel'Thuzads erste Niederlage war damit Teil eines Sieges, dessen wichtigste Waffe nicht der Kult, sondern der wachsende Zwang im künftigen Lichkönig war.
Wiedergeburt am Sonnenbrunnen
Als Todesritter brachte Arthas Kel'Thuzads Überreste nach Quel'Thalas. Im Sonnenbrunnen erweckte er ihn als Lich. Die heilige Quelle wurde verdorben, und aus dem einstigen Magier entstand Ner'zhuls mächtigster Zauberer. Kel'Thuzad beschwor Archimonde nach Azeroth und erhielt später Naxxramas als fliegende Festung.
Zwischen ihm und Arthas bestand eine ungewöhnliche Nähe. Kel'Thuzad beriet ihn, warnte vor den Nathrezim und blieb loyal, als andere Diener eigene Ziele verfolgten. Diese Treue war nicht warmherzige Freundschaft im gewöhnlichen Sinn. Sie war die Bindung zweier Wesen, die ihre frühere Welt für dieselbe Macht geopfert hatten und einander gerade deshalb besser verstanden als viele Gefolgsleute, die nur aus Furcht gehorchten.
Das Phylakterium
Streiter drangen in Naxxramas ein und zerstörten Kel'Thuzads Körper. Seine Seele blieb im Phylakterium gebunden. Statt es selbst zu vernichten, übergaben sie es einem vermeintlichen Verbündeten am Hoffnungsvollen Licht. Inigo Montoy brachte den Behälter fort und ermöglichte dem Lich die Rückkehr.
Naxxramas erschien später über der Drachenöde. Wieder fiel Kel'Thuzad, und irgendwann wurde auch sein Phylakterium zerstört. Seine wiederholten Rückkehrten machten ihn zum Sinnbild eines Feindes, bei dem der sichtbare Sieg nicht genügt. Doch sie beruhten nicht auf Unsterblichkeit ohne Bedingungen. Immer brauchte es ein verborgenes Gefäß, einen Verräter oder eine Organisation, die den vermeintlich erledigten Rest nicht ernst genug nahm.
Der Baron von Maldraxxus
In den Schattenlanden stieg Kel'Thuzad im Haus der Rituale ungewöhnlich schnell auf. Heimlich erhielt er Anima von Verbündeten Zovaals und schürte den Krieg zwischen den Häusern von Maldraxxus. Die Zerstörung des Hauses der Seuchen und die Schwächung des Reiches waren keine Unfälle, sondern Schritte im Plan des Kerkermeisters.
Die Nekrolords entlarvten ihn, doch Kel'Thuzad entkam in das Sanktum der Herrschaft. Dort wurde er erneut besiegt, nun als Seele im Reich des Todes und ohne ein weiteres verborgenes Phylakterium, das ihn in die Welt zurücktrug. Sein Ende enthüllt die Linie hinter allen früheren Wandlungen. Kel'Thuzad suchte Wissen, aber nie um den Preis, selbst klein oder unsicher zu bleiben. Jeder neue Herr versprach ihm Zugang zur nächsten verschlossenen Tür. Dafür machte er erst Lebende, dann Tote und schließlich ein ganzes Totenreich zu Versuchen, deren Scheitern immer jemand anderes bezahlen sollte.