Ein neuer Brunnen nach dem Untergang
Als der erste Brunnen der Ewigkeit zusammenbrach und Kalimdor zerriss, führte der Weg der Überlebenden zum Hyjal. Dort entdeckten sie, dass Illidan drei Phiolen des alten Wassers in einen Bergsee gegossen hatte. Vor ihnen lag wieder jene arkane Macht, deren Missbrauch gerade eine Welt zerstört hatte. Illidan sah eine notwendige Waffe für die Rückkehr der Legion; Malfurion sah die Wiederholung einer Versuchung, deren Preis noch im Meer versank.
Alexstrasza pflanzte Nordrassil über dem neuen Brunnen, damit seine Wurzeln die Macht binden und vor Missbrauch schützen konnten. Ysera verband den Baum mit dem Smaragdgrünen Traum, Nozdormu segnete die Nachtelfen mit einem Leben ohne Altern und Krankheit. Der Hyjal wurde damit Zuflucht und Verpflichtung zugleich. Die Kaldorei erhielten eine neue Mitte, aber nur unter der Bedingung, den Quell nicht wieder zum Werkzeug grenzenloser Herrschaft zu machen.
Die lange Wache Nordrassils
Über Jahrtausende ordnete sich ein großer Teil der nachtelfischen Gesellschaft um den Schutz des Berges. Druiden schliefen im Traum und wachten dort über die Natur, während Priesterinnen und Wächterinnen die wache Welt verteidigten. Die Hochgeborenen, die nicht auf arkane Magie verzichten wollten, wurden verbannt. Hyjal bewahrte die Überlebenden, doch seine Ordnung war streng genug, um alte Freunde und Verwandte aus der Heimat zu treiben.
Unter Nordrassil blieb der zweite Brunnen rein. Seine Macht floss durch Wurzeln tief in die Erde, während der Baum für die Nachtelfen zum sichtbaren Beweis ihrer Verbindung mit Drachen, Traum und Wildnis wurde. Gerade diese Konzentration machte den Berg zum Ziel. Wer den Brunnen beherrschte, gewann nicht nur Energie, sondern einen Weg, die mühsam versiegelte Wunde der Welt erneut zu öffnen.
Die Schlacht am Weltenbaum
Im Dritten Krieg stieg Archimonde mit Legion und Geißel die Hänge des Hyjal hinauf. Menschen unter Jaina Prachtmeer, Orcs unter Thrall und Nachtelfen hielten nacheinander die Zugänge. Sie waren nicht plötzlich Freunde geworden. Jede Stellung kaufte lediglich Zeit für die nächste, während Malfurion einen Plan vorbereitete, der nur im richtigen Augenblick wirken konnte.
Als Archimonde nach Nordrassil griff, rief Malfurion die Irrwische des Waldes. Unzählige Geister sammelten sich um den Dämon und entluden die in dem Baum gebundene Macht. Archimonde wurde vernichtet, Nordrassil schwer verwundet und der Segen Nozdormus gebrochen. Azeroth überlebte, doch die Nachtelfen verloren ihre Unsterblichkeit. Der Berg wurde gerettet, indem sein Volk aufgab, was es lange für den natürlichen Lohn seiner Wache gehalten hatte.
Feuer auf den geheilten Hängen
Nordrassil begann langsam zu genesen. Nicht alle wollten ihm die nötige Zeit lassen. Fandral Hirschhaupt drängte auf eine rasche Erneuerung der alten Segnungen und pflanzte später Teldrassil ohne Zustimmung der Aspekte. Hyjal erinnerte währenddessen daran, dass Heilung keine Rückkehr zum vorherigen Zustand verspricht. Der Baum lebte, aber seine Wunde und die Sterblichkeit der Kaldorei gehörten fortan zu seiner Geschichte.
Während des Kataklysmus griff Ragnaros aus den Feuerlanden an. Der Schattenhammer und Druiden der Flamme wollten Nordrassil verbrennen und die Ordnung der Wildnis brechen. Malfurion, Hamuul Runentotem, der Zirkel des Cenarius und viele Verbündete sammelten die Wächter des Hyjal. Sie erweckten gefallene Uralte erneut und trugen den Kampf schließlich in Ragnaros' eigenes Reich, wo der Feuerfürst endgültig vernichtet wurde.
Der Berg als Versprechen
Auch bei der dritten Invasion der Legion blieb der Brunnen ein Ziel. Dämonen beschädigten Teile seiner Macht, doch Druiden und Kämpfer beider Fraktionen hielten sie auf. Jede Rückkehr eines alten Feindes bestätigte, dass Hyjals Frieden nie selbstverständlich war. Der Berg wird nicht geschützt, weil er unberührte Natur darstellt, sondern weil an ihm sichtbar bleibt, wie oft Natur verwundet und dennoch bewahrt werden kann.
Hyjal verbindet die Große Teilung, den Dritten Krieg und den Kataklysmus in demselben Wurzelwerk. Illidans trotzige Vorsorge, die Segen der Aspekte, der gemeinsame Widerstand gegen Archimonde und der Kampf gegen Ragnaros widersprechen einander nicht. Sie erzählen, wie jede Generation eine geerbte Macht neu verantworten muss. Nordrassil steht noch immer über dem Wasser. Sein Überleben verspricht keine Unverletzlichkeit, aber es beweist, dass Opfer und Pflege länger wirken können als das Feuer, das sie notwendig machte.