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Seuche
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Seuche

Die Seuche des Untodes kam als verseuchtes Korn nach Lordaeron und machte Tote zu Soldaten der Geißel. Aus ihrem Vorbild entwickelten die Verlassenen später eine neue Fäulnis, die Lebende wie Untote vernichten konnte.

Eine Waffe ohne sichtbare Front

Die Seuche des Untodes entstand im Willen Ner'zhuls, den Kil'jaeden als Lichkönig in die Eiskrone gebunden hatte. Sie war keine gewöhnliche Krankheit. Nekromantie drang in den Körper ein, tötete den Betroffenen und riss ihn als Diener der Geißel wieder empor. Ein gefallenes Heer ließ Tote auf einem Schlachtfeld zurück. Die Seuche verwandelte jeden Haushalt, jeden Speicher und jeden Trauernden in eine mögliche Verstärkung des Feindes.

Kel'Thuzad bereitete in Lordaeron den Boden. Sein Kult der Verdammten versprach Ausgestoßenen Macht und Kranken Erlösung, während in Scholomance an Leibern und Seelen erprobt wurde, wie Tod gelenkt werden konnte. Mal'Ganis überwachte den nächsten Schritt. Die Geißel musste keine Mauern stürmen, solange Händler und Fuhrwerke ihre Waffe freiwillig durch die Tore trugen.

Das Korn aus Andorhal

Andorhal versorgte weite Teile Lordaerons mit Getreide. Kultisten versetzten die Lieferungen mit der Seuche und schickten sie unter anderem nach Brill, Herdweiler und Stratholme. Niemand musste eine verdächtige Phiole trinken. Mehl wurde zu Brot, eine vertraute Mahlzeit zum Todesurteil. Die ersten Erkrankten sahen noch wie Nachbarn aus, während die Ursache längst auf weiteren Wagen über die Straßen rollte.

Arthas Menethil folgte den Spuren und begriff in Stratholme, dass die Einwohner bereits vom verseuchten Korn gegessen hatten. Er entschied, die Stadt vor ihrer Verwandlung zu töten. Uther und Jaina verweigerten sich. Die Seuche hatte damit mehr erreicht als die Erschaffung neuer Untoter: Sie zwang den Prinzen in eine Lage, in der er nur noch zwischen Formen des Grauens zu wählen glaubte. Mal'Ganis lockte ihn anschließend nach Nordend, wo Frostgram aus dem Wunsch, den Urheber zu bestrafen, endgültige Knechtschaft machte.

Ein Königreich, das den eigenen Toten begegnete

Nach Arthas' Rückkehr fiel Lordaeron von innen. Der Prinz ermordete Terenas, Kel'Thuzad erhob sich als Lich, und die Seuche fraß sich durch Dörfer, Felder und Städte. Familien begegneten den Körpern ihrer Angehörigen in den Reihen des Feindes. Selbst unversehrtes Land wurde verdächtig, weil die Verderbnis der Geißel Boden und Pflanzen zeichnete. Die Pestländer tragen diese Geschichte bis heute im Namen.

Die Seuche zerstörte damit nicht nur Leben, sondern Gewissheiten. Nahrung bedeutete Versorgung, ein Leichnam das Ende und ein Nachbar Zugehörigkeit. Nun konnte jedes dieser Dinge zum Werkzeug eines unsichtbaren Herrschers werden. Darum war die Geißel auch nach militärischen Niederlagen so schwer zu überwinden. Wer ihre Armeen schlug, musste immer noch Felder heilen, Ruinen reinigen und lernen, den eigenen Erinnerungen nicht wie einer bevorstehenden Falle zu misstrauen.

Die neue Fäulnis der Verlassenen

Die Verlassenen waren Opfer der ursprünglichen Seuche und begannen dennoch, an einer eigenen Variante zu arbeiten. Sylvanas gründete die Königliche Apothekergesellschaft mit dem Ziel, eine Waffe zu schaffen, die Geißel und Lebende gleichermaßen töten konnte. Die sogenannte Neue Seuche oder Fäulnis erhob ihre Opfer nicht zu Dienern. Sie zersetzte Fleisch und selbst Untote so vollständig, dass Beherrschung nicht mehr nötig war.

Großapotheker Putress setzte diese Waffe an der Pforte des Zorns gegen Arthas ein, traf aber ebenso Soldaten von Horde und Allianz. Später verwendeten die Verlassenen Fäulnis in Gilneas, Süderstade und anderen Feldzügen. Vor Lordaeron ließ Sylvanas schließlich selbst ihre Hauptstadt verseuchen, damit die Allianz nur eine unbewohnbare Ruine erobern konnte. Jede dieser Taten wiederholte die Grundidee der alten Seuche: Land und Alltag sollten dem Gegner nicht nur genommen, sondern für jede künftige Rückkehr verdorben werden.

Wenn Überleben die Sprache des Peinigers übernimmt

Beide Seuchen dürfen nicht gleichgesetzt werden. Ner'zhuls Werk machte seine Opfer zu Untoten der Geißel; die Fäulnis der Verlassenen wurde als vernichtende chemisch-magische Waffe aus diesem Vorbild entwickelt. Gerade die Unterscheidung macht ihre Verbindung bedeutsam. Ein Volk, das durch eine Todeswaffe versklavt worden war, suchte Sicherheit in einer noch endgültigeren Form derselben Logik.

Die Seuche ist deshalb nicht bloß grüner Nebel oder ein schneller Weg, eine Landschaft bedrohlich zu machen. Sie erzählt von Kontrolle über den letzten Bereich, der einem Wesen gehören sollte: den eigenen Tod. In Lordaeron nahm sie Körper und machte sie zu Soldaten; bei den Verlassenen wurde sie zur Antwort auf die Angst, erneut beherrscht oder ausgelöscht zu werden. Wo immer sie eingesetzt wird, gewinnt vielleicht eine Armee Gelände. Die Welt selbst verliert jedoch einen Ort, an dem Leben, Erinnerung und Heimkehr noch ohne Misstrauen möglich wären.