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Untote
Volk

Untote

Durch Nekromantie zwischen Tod und Dasein gehaltene Wesen, deren Körper verfallen mögen, während Erinnerung, Zwang und freier Wille über ihre wirkliche Identität entscheiden.

Wenn der Tod nicht endet

Untote sind keine einzige Nation und keine einheitliche Armee. Der Begriff umfasst Körper und Geister, die nach dem Tod durch Nekromantie, einen Fluch oder andere Mächte weiterbestehen. Manche sind kaum mehr als bewegte Gebeine. Andere erinnern sich an Namen, Lieben und den Augenblick ihres Sterbens so deutlich, dass das neue Dasein gerade durch diese Erinnerung schmerzt.

Ein untoter Körper gehorcht anderen Regeln als ein lebender. Er kann ohne Atem marschieren, Wunden überstehen und doch langsam verfallen. Sinne verändern sich, Wärme und Geschmack werden zu fernen Erinnerungen. Aber Verwesung entscheidet nicht über Persönlichkeit. Die entscheidende Grenze verläuft zwischen einem Wesen, das wählen kann, und einem Körper, den ein fremder Wille wie eine Waffe führt.

Die Geißel und der geraubte Wille

Während des Dritten Krieges verbreiteten der Kult der Verdammten und die Geißel verseuchtes Getreide in Lordaeron. Die Toten erhoben sich und wurden Teil einer Armee, deren Gedanken der Lichkönig lenkte. Bauern, Soldaten und Bürger verloren nicht nur ihr Leben. Ihre Körper griffen Nachbarn an, und manche Seelen blieben nahe genug, um das Geschehen als Gefangene mitzuerleben.

Die Geißel machte Untod zum Herrschaftssystem. Nekromanten, Todesritter und Val'kyr formten aus Leichen spezialisierte Diener; der Helm der Herrschaft verband unzählige von ihnen. Darum ist „untot“ nicht gleichbedeutend mit „Geißel“. Die Geißel war eine Macht, die Untote versklavte. Der Zustand allein verrät noch nicht, wem ein Wesen dient oder ob es überhaupt dienen will.

Die Geburt der Verlassenen

Als die Macht des Lichkönigs schwächer wurde, rissen sich in Lordaeron Untote aus seiner Kontrolle. Sylvanas Windläufer sammelte sie, eroberte die Ruinen der Hauptstadt und gab ihnen einen Namen: die Verlassenen. Viele hatten Erinnerungen an ein menschliches Leben, fanden bei den Lebenden aber Furcht, Hass oder verschlossene Türen. Aus Befreiung entstand daher keine Heimkehr, sondern eine neue Gesellschaft unter der Erde.

Freier Wille wurde zu ihrem wichtigsten Ideal und zugleich zu ihrer schmerzhaftesten Prüfung. Ein Befreiter konnte helfen, sich rächen, fortgehen oder Grausamkeit wählen. Die Verlassenen waren Opfer der Geißel, aber Opfersein machte jede spätere Tat nicht automatisch gerecht. Gerade weil sie wieder entscheiden konnten, trugen ihre Entscheidungen Gewicht.

Mehr als ein Volk

Auch außerhalb der Verlassenen bewahrten Untote einen eigenen Willen. Die Ritter der Schwarzen Klinge lösten sich vom Lichkönig und wandten ihre dunklen Fähigkeiten gegen ihn. Leonid Barthalomäus diente dem Argentumkreuzzug. Geister blieben aus Liebe, Zorn oder unerledigter Pflicht an Orten gebunden, ohne je Teil einer Armee gewesen zu sein.

Andere Untote blieben gefährlich, selbst wenn keine Krone sie lenkte. Hunger, Wahnsinn und die Gewalt des Erwachens konnten Erinnerung verzerren. Ein frisch erhobenes Wesen wusste manchmal weder, wer vor ihm stand, noch ob die Wut im eigenen Inneren wirklich die eigene war. Freiheit musste dann erst gelernt werden, und nicht jeder erhielt die Zeit oder das Mitgefühl dafür.

Ein Dasein nach dem Verlust

Die lebenden Völker sehen in Untoten häufig zuerst den Körper, der nicht mehr sein dürfte. Für die Betroffenen beginnt die Frage anders: Was bleibt von einem Leben, wenn Herzschlag, Gesicht und Zukunft verloren sind? Manche halten an alten Namen fest, andere wählen neue. Manche suchen noch immer das Licht, obwohl seine Berührung brennt; andere finden Halt im Vergessenen Schatten, in Forschung, Kameradschaft oder Pflicht.

Untod ist in Azeroth deshalb weder eine bloße Krankheit noch ein eindeutiges Urteil über eine Seele. Er ist ein gewaltsam veränderter Zustand, in dem Herrschaft und Selbstbestimmung besonders sichtbar werden. Ein Skelett kann ein Werkzeug sein, eine Banshee eine Königin, ein verfallener Soldat ein Freund. Nicht der Tod beantwortet, wer vor einem steht. Erst die Stimme, die aus dem toten Körper spricht, und die Freiheit, mit der sie ihre nächsten Worte wählt, tun es.