Ehre und StärkeBlackmoore
Jaina Prachtmeer
Charakter

Jaina Prachtmeer

Jaina Prachtmeer suchte Frieden, verlor Arthas, ihren Vater und Theramore und musste lernen, dass Trauer weder Vergebung noch Rache einfach macht. Als Lordadmiralin führt sie Kul Tiras und kämpft nach Dalarans Fall weiter gegen Xal'atath.

Die Tochter des Meeres in Dalaran

Jaina Prachtmeer wurde in Kul Tiras geboren, wo der Name ihrer Familie nach Salz, Segeltuch und den Befehlen einer Flotte klang. Ihr Vater Daelin war Großadmiral und sah die Welt in Küsten, die zu schützen, und Feinden, die zu versenken waren. Ihr Bruder Derek fiel im Zweiten Krieg durch Orcs. Trotzdem empfand Jaina bei einem frühen Blick auf die Internierungslager Mitleid mit den Gefangenen. Schon als Mädchen trug sie damit einen Widerspruch, der ihr Leben bestimmen sollte: Sie vergaß den Schmerz ihres Volkes nicht, aber sie weigerte sich, aus ihm ein Urteil über jedes einzelne Wesen zu machen.

Ihre Begabung führte sie nach Dalaran. Katherine setzte sich dafür ein, dass die Tochter lernen durfte, und Antonidas nahm die hartnäckige Schülerin schließlich persönlich an. Dort begegnete Jaina Arthas Menethil. Aus jugendlicher Freundschaft wurde Liebe, doch beide stellten ihre Pflichten über eine gemeinsame Zukunft. Als sie später zusammen die Seuche des Untodes untersuchten, war die alte Nähe noch da. Gerade darum erkannte Jaina so schmerzhaft, wie Arthas' Wille zur Rettung in die Überzeugung kippte, allein er dürfe bestimmen, welcher Preis notwendig sei.

Stratholme und die Reise nach Westen

Vor Stratholme beschloss Arthas, die infizierten Bewohner zu töten, bevor sie sich in Untote verwandelten. Jaina sah die Gefahr und konnte dennoch nicht an seiner Seite bleiben. Sie ging fort, ohne die Stadt zu retten und ohne den Mann aufzuhalten, den sie liebte. Diese Ohnmacht begleitete sie durch den Untergang Lordaerons. Medivh überzeugte sie schließlich, Überlebende über das Meer nach Kalimdor zu führen, während Arthas mit Frostgram zurückkehrte und alles vernichtete, was einmal seine Heimat gewesen war.

Auf Kalimdor begegnete Jaina Thrall nicht als vertrautem Verbündeten, sondern als Anführer jener Orcs, deren alte Horde ihre Familie verwundet hatte. Beide erkannten jedoch, dass die Brennende Legion ihre Völker gleichermaßen benutzte. Menschen, Orcs und Nachtelfen kämpften am Hyjal gemeinsam. Nach dem Sieg gründete Jaina Theramore. Die Hafenstadt sollte mehr sein als ein Zufluchtsort: ein Beweis, dass Überlebende aus einem alten Krieg eine Ordnung bauen konnten, in der nicht jede Erinnerung sofort zur nächsten Schlacht führte.

Der Vater vor den Toren Theramores

Daelin folgte seiner Tochter nach Kalimdor und sah in Thralls Horde nur die Fortsetzung des Feindes, den er seit dem Zweiten Krieg bekämpfte. Er besetzte Theramore und begann einen Feldzug gegen Durotar. Jaina versuchte, ihn zum Einhalten zu bewegen. Als er sich weigerte, half sie der Horde, die Verteidigung zu durchbrechen, ohne selbst den tödlichen Schlag zu führen. Daelin fiel. Für Thralls Volk war damit eine Vernichtung abgewendet; für Kul Tiras hatte die Tochter des Meeres ihren Vater den Orcs ausgeliefert.

Jaina trug diese Entscheidung nicht als einfachen Sieg des Friedens. Sie blieb zwischen der Überzeugung, Tausende gerettet zu haben, und der Schuld, Daelins Ende ermöglicht zu haben. Theramore hielt dennoch an Verhandlungen fest, unterstützte die Allianz und suchte Grenzen für den Krieg. Jede neue Krise prüfte, ob Jaina aus Hoffnung handelte oder nur immer wieder versuchte, den einen Augenblick zu widerlegen, in dem sie Arthas nicht hatte zurückholen können.

Die Bombe und der Zorn von Dalaran

Garrosh Höllschrei zerstörte Theramore mit einer Manabombe. Jaina überlebte, während Freunde, Soldaten und ihre Schülerin Kinndy in arkaner Glut starben. Mit der Fokussierenden Iris wollte sie eine Flutwelle über Orgrimmar schicken. Thrall stellte sich ihr entgegen, und Kalec half ihr, vom Massenmord abzusehen. Der Verzicht heilte nichts. Jaina übernahm den Kirin Tor und versuchte, Dalarans Neutralität zu bewahren, doch der Krieg hatte aus jeder geheiligten Grenze eine mögliche Tarnung gemacht.

Als Anhänger Garroshs Dalaran für den Diebstahl der Götterglocke benutzten, ließ Jaina die Sonnenhäscher aus der Stadt entfernen. Unschuldige Blutelfen wurden mit den Schuldigen verhaftet, vertrieben oder im Widerstand getötet. Ihre Reaktion entstand aus einem wirklichen Verrat, weitete dessen Schuld aber auf eine Gemeinschaft aus. Später kämpfte sie wieder neben der Horde gegen größere Feinde, verließ Dalaran jedoch, als Khadgar die Stadt im Legionskrieg erneut für beide Fraktionen öffnete. Frieden war für sie nicht mehr der Ausgangspunkt. Er musste sich gegen die Toten Theramores rechtfertigen.

Heimkehr und eine weitere gefallene Stadt

Im Vierten Krieg kehrte Jaina nach Kul Tiras zurück. Katherine ließ sie wegen Daelins Tod anklagen, und in der Gefängnisinsel erkannte Jaina, wie vollständig sie jede Tragödie als Beweis eigenen Versagens trug. Ihre Mutter holte sie zurück, die Flotte nahm sie als Lordadmiralin an, und Jaina verteidigte Boralus. Später verweigerte sie Sylvanas den Plan, den wiedererweckten Derek als Waffe gegen seine Familie zu benutzen. Gemeinsam mit Baine und Thrall half sie, den Kreislauf aus Trauer und Vergeltung zu unterbrechen, ohne die Vergangenheit zu leugnen.

Der Kerkermeister ließ Jaina nach Torghast verschleppen; nach ihrer Befreiung kämpfte sie bis zu seinem Sturz. Jahre später begleitete sie Dalaran nach Khaz Algar. Xal'atath zerstörte die fliegende Stadt, und Jaina stand erneut zwischen Trümmern eines Ortes, an dem sie gelernt, geliebt und geführt hatte. Diesmal antwortete sie nicht allein. Sie rief mit Thrall die Völker zusammen und organisierte Verstärkung für den Krieg unter Azeroths Oberfläche. Darin liegt die lange Bewegung ihres Lebens: Jaina hat den Glauben an Frieden nicht unbeschädigt bewahrt. Sie hat gelernt, ihn nach jedem Verlust neu zu wählen, ohne sich einzureden, diese Wahl mache die Toten ungeschehen.