Sechs Jahre bis zu einem Königreich
Vor Arathor lebten die Menschenstämme der Östlichen Königreiche in wechselnden Bündnissen und Fehden. Die Amani wurden im Norden stärker, und einzelne Siedlungen hätten einem geeinten Trollheer wenig entgegensetzen können. Thoradin, Kriegsherr der Arathi, erkannte die Gefahr. Über sechs Jahre brachte er andere Stämme durch Verhandlung, Herausforderung und Krieg unter ein gemeinsames Banner.
Im Hochland gründete er Strom als befestigte Hauptstadt und erklärte sich zum ersten König des neuen Reiches. Menschen zogen aus vielen Gebieten dorthin, weil Mauern, Vorräte und ein gemeinsames Heer Sicherheit versprachen. Arathor entstand daher aus wirklicher Notwendigkeit. Doch jede Vereinigung bestimmte auch, wessen Gesetze, Namen und Erinnerungen künftig als die gemeinsame Geschichte gelten sollten.
Das Bündnis der Trollkriege
Als Gesandte aus Quel'Thalas um Hilfe baten, zögerte Thoradin zunächst. Er wollte seine junge Einheit nicht für ein fernes Elfenreich riskieren. Erst die Erkenntnis, dass ein Sieg der Amani auch Arathor bedrohen würde, führte zum Bündnis. Die Elfen versprachen im Gegenzug, einhundert Menschen in arkaner Magie zu unterrichten.
Am Fuß des Alteracgebirges trafen die vereinten Heere auf die Amani. Menschliche und elfische Magier riefen Feuer herab, das die Regeneration der Trolle verhinderte. Thoradins Soldaten verfolgten die geschlagenen Krieger. Der Sieg rettete Quel'Thalas und festigte Arathor, war für die Amani aber eine Katastrophe, die ihr altes Reich zerriss. Dieselbe Schlacht wurde zum Gründungsmythos zweier Sieger und zur ererbten Wunde der Besiegten.
Magie, Städte und neue Mittelpunkte
Die ersten menschlichen Magier gaben ihr Wissen weiter. In Strom begegnete man ihrer Macht mit Respekt und Misstrauen, weshalb viele nach Norden zogen und Dalaran gründeten. Andere Siedlungen wuchsen ebenfalls zu eigenen Mittelpunkten. Arathors Erfolg machte weite Wege sicherer und ließ Menschen glauben, die alte Stammeszeit endgültig überwunden zu haben.
Doch Größe verlagerte das Gewicht des Reiches. Handelsorte und magische Städte boten Möglichkeiten, die Stroms steinerne Wehrhaftigkeit nicht allein binden konnte. Nach Thoradins Tod fehlte eine Person, deren Ansehen alle Regionen zusammenhielt. Das Reich zerbrach nicht in einer einzigen Nacht. Es wurde langsam zu mehreren Heimaten, deren Bewohner den gemeinsamen Ursprung ehrten und dennoch immer weniger Gründe sahen, Befehle aus der alten Hauptstadt anzunehmen.
Aus einem Reich werden sieben
Aus den arathorischen Stadtstaaten entstanden Stromgarde, Lordaeron, Dalaran, Gilneas, Kul Tiras, Alterac und Sturmwind. Jedes Königreich entwickelte eigene Bräuche, Interessen und Herrscherhäuser. Die Nachkommen Arathors handelten, heirateten und kämpften miteinander. Einheit blieb als Ideal bestehen, während Grenzstreit, Ehrgeiz und alte Kränkungen die politische Wirklichkeit prägten.
Als die Orcs durch das Dunkle Portal kamen, schuf Lordaeron erneut ein Bündnis der sieben Königreiche. Es war nicht die Wiederkehr Arathors, sondern eine Zusammenarbeit souveräner Staaten. Alteracs Verrat und spätere Konflikte zeigten, dass gemeinsame Abstammung keine gemeinsame Entscheidung garantiert. Ein Name aus der Vergangenheit konnte Vertrauen erleichtern, aber er ersetzte nicht die mühsame Frage, welche Opfer jede Gegenwart tatsächlich zu tragen bereit war.
Das gefährliche Gold eines alten Zeitalters
Stromgarde bewahrt Arathors sichtbarstes Erbe, und der Name lebt auch in fernen Nachkommen und neueren Reichen weiter. Zugleich wird er politisch benutzt. Marran Trollbane wollte die frühere Größe wiederherstellen und erklärte das Hochland zum ausschließlichen Besitz der Menschheit. Aus ihrer Bewegung ging die Rote Dämmerung hervor, die Menschen unter einem alten Namen sammeln und andere Völker aus dieser Zukunft ausschließen will.
Arathor war tatsächlich eine große Leistung: Verfeindete Stämme schufen Schutz, Städte und ein Bündnis, das einer überwältigenden Armee widerstand. Doch das goldene Bild lässt leicht vergessen, dass sein Sieg auf erobertem Raum, verbrannten Gegnern und erzwungener Einordnung beruhte. Sein würdigstes Vermächtnis ist daher nicht die Forderung, alle Grenzen wieder unter eine Krone zu zwingen. Es ist die Einsicht, dass Gemeinschaft vor einer wirklichen Gefahr entstehen kann, ohne deshalb jede Verschiedenheit für immer abschaffen zu müssen.