Ein Reich auf fremden Ruinen
Lange bevor Quel'Thalas entstand, beherrschten die Amani große Teile des nördlichen Kontinents. Zul'Aman war nicht der letzte Zufluchtsort eines kleinen Stammes, sondern das Herz eines Waldtrollreichs. Als die verbannten Hochgeborenen aus Kalimdor kamen, suchten sie einen Knoten arkaner Kraft und errichteten ihr neues Königreich auf Gebieten, die den Amani heilig waren.
Elfenmagie schlug die ersten Trollangriffe zurück. Runensteine schirmten das Land ab, und Jahrtausende der Abwehr ließen die Siedler ihren Besitz als selbstverständlich betrachten. Für die Amani blieb Quel'Thalas eine Wunde. Die Trollkriege entstanden deshalb nicht aus grundloser Wildheit. Sie waren der gewaltige Versuch eines alten Reiches, Land zurückzunehmen, das eine andere Zivilisation längst Heimat nannte.
Der Sturm auf Quel'Thalas
Mit zandalariischen Ratgebern prüften kleine Kriegsgruppen zunächst die Grenzen. Dann kamen Zehntausende Amani aus den Wäldern, begleitet von Loa und Hexendoktoren. Außenposten fielen, Felder brannten, und die Verteidiger wichen bis in die inneren Gebiete zurück. Aus dieser Not entstand der Orden der Waldläufer unter Talanas Windläufer.
König Anasterian erkannte, dass die Elfen den Krieg allein verlieren würden. Er sandte Boten nach Strom, der Hauptstadt des menschlichen Reiches Arathor. Thoradin wollte seine Soldaten zunächst nicht für die abgeschotteten Elfen opfern. Erst als klar wurde, dass ein siegreiches Amaniheer danach auch die Menschenreiche erreichen würde, verwandelte sich fremde Gefahr in gemeinsame Zukunft.
Der Preis menschlicher Hilfe
Thoradin verlangte mehr als Dank. Die Elfen sollten Menschen in arkaner Magie unterrichten. Genau einhundert Schüler erhielten das Wissen, das Quel'Thalas so lange gehütet hatte. Unter ihnen waren Menschen, deren Namen später mit Dalaran, Tirisfal und der gesamten magischen Geschichte ihres Volkes verbunden wurden.
Während die Hundert lernten, errichteten Thoradins Generäle eine Festung am Alteracgebirge und bereiteten das Schlachtfeld vor. Die Vereinbarung war ein Wagnis für beide Seiten. Anasterian gab ein Geheimnis preis, das neue Konkurrenten schaffen konnte. Thoradin führte sein junges Reich in den blutigsten Krieg seiner bisherigen Geschichte. Beide taten es, weil Untätigkeit nur die Reihenfolge ihrer Niederlagen bestimmt hätte.
Feuer am Alteracgebirge
Menschenheere lockten die Amani nach Süden, während elfische Truppen ihre Flanke bedrängten. Die Trolle glaubten, ihre erschöpften Gegner endlich gestellt zu haben. Am Fuß des Gebirges vereinten die hundert Magier ihre Kräfte. Ein gewaltiger Feuersturm brach über das Amaniheer herein und nahm selbst seiner Regeneration die Möglichkeit, den Verlust auszugleichen.
Nur ein kleiner Teil der Trollstreitmacht entkam. Der Sieg von Arathor und Quel'Thalas war vollständig, aber nicht sauber. Unzählige Menschen und viele Elfen waren gefallen, während das Amanireich als politische Großmacht zerbrach. Für die Sieger begann eine Feier; für die Waldtrolle begann eine Erinnerung, in der Feuer, gestohlenes Land und das Bündnis zweier Eindringlinge untrennbar wurden.
Das lange Nachleben des Krieges
Arathor und Quel'Thalas schlossen Freundschaft. Die Hochelfen versprachen Thoradins Linie Beistand, ein Eid, auf den Anduin Lothar im Zweiten Krieg zurückgreifen würde. Menschliche Magie verbreitete sich, Dalaran wuchs, und mit ihr entstanden neue Gefahren, die später den Rat von Tirisfal notwendig machten. Auch die Kirche des Heiligen Lichts führt einen Teil ihrer frühen Geschichte auf Verwundete und Visionen aus diesem Krieg zurück.
Das Amanireich zerfiel in verstreute Stämme, ohne seinen Anspruch auf Quel'Thalas zu vergessen. Jahrtausende später verband Zul'jin seine Trolle mit der Horde, um den alten Krieg fortzusetzen. So besitzen die Trollkriege keinen einfachen Schluss. Sie retteten zwei junge Reiche und begründeten deren lange Verbindung; zugleich zementierten sie eine Vertreibung, die für die Amani nie zur bloßen Vergangenheit wurde. Jede spätere Schlacht an den Toren Silbermonds trug noch Asche von Alterac im Wind.