Eine Allianz, die es vorher nicht gab
Vor dem Zweiten Krieg sind die sieben Menschenreiche durch gemeinsame Herkunft verbunden, aber politisch voneinander getrennt. Lordaeron ist groß und wohlhabend, Kul Tiras beherrscht wichtige Seewege, Stromgarde schützt das Hochland, Dalaran vertraut auf Magie, Gilneas auf seine Mauern und Alterac auf seine Gebirgspässe. Sturmwind liegt weit im Süden. Sein Fall zeigt, dass Entfernung keinen dauerhaften Schutz bietet.
Anduin Lothar bringt Überlebende und den jungen Varian Wrynn an den Hof von Terenas Menethil II. Seine Warnung ist unbequem: Die nördlichen Könige sollen Soldaten, Schiffe und Vorräte für einen Krieg bereitstellen, dessen erste Schlachten weit von ihren Grenzen entfernt stattfanden. Lothar kann jedoch auf die Ruinen eines ganzen Reiches verweisen.
Terenas, Lothar und das gemeinsame Heer
Terenas nutzt sein politisches Gewicht, um die Herrscher zusammenzurufen. Lothar erhält den Oberbefehl, weil er die Horde aus eigener Erfahrung kennt und als letzter Erbe der alten arathischen Linie über den einzelnen Königreichen steht, ohne ihren Thron zu beanspruchen. Seine Stellung verhindert, dass ein regierender König die Armeen aller anderen dauerhaft seiner eigenen Krone unterstellt.
Das Bündnis schafft gemeinsame Führung, beseitigt aber keine Rivalitäten. Genn Graumähne misstraut den Kosten des Kriegs, Aiden Perenolde zweifelt am Sieg, und selbst loyale Mitglieder achten auf ihre Grenzen. Die Allianz muss deshalb militärische Entscheidungen immer auch politisch zusammenhalten.
Mehr als sieben Menschenreiche
Im Verlauf des Kriegs wächst das Bündnis. Die Bronzebartzwerge von Eisenschmiede und die Gnome von Gnomeregan sind durch den Vormarsch der Horde unmittelbar bedroht. Die Wildhammerzwerge bringen Greifenreiter, die den roten Drachen der Horde entgegentreten können. Quel'Thalas schließt sich an, als Horde und Amani seine Grenzen angreifen.
Damit wird aus einem Rat menschlicher Könige eine Allianz mehrerer Völker. Ihre Stärke liegt gerade darin, dass die Mitglieder unterschiedliche Fähigkeiten besitzen: Kul Tiras kämpft auf See, Dalaran mit arkaner Magie, Zwerge und Gnome in Bergen und Werkstätten, Hochelfen an ihren eigenen nördlichen Grenzen.
Der Sieg und seine Spannungen
Die Allianz übersteht Alteracs Verrat, Lothars Tod und den langen Gegenangriff bis zum Dunklen Portal. Der Sieg bestätigt die Grundidee des Bündnisses: Nur gemeinsam konnten die Reiche eine Horde aufhalten, die Sturmwind allein vernichtet hatte. Doch nach Kriegsende wird der äußere Druck schwächer und alte Interessen kehren zurück.
Die Internierung der gefangenen Orcs kostet Geld und bindet Soldaten. Gilneas und Stromgarde stellen unterschiedliche Fragen nach Verantwortung, Alterac ist führungslos, und Sturmwind soll wiederaufgebaut werden. Die Allianz hat den Krieg gewonnen, aber keinen dauerhaften Konsens darüber, wie die Friedensordnung aussehen soll.
Das politische Erbe
Die Allianz von Lordaeron wird zum Vorbild späterer Bündnisse, ist aber nicht einfach mit jeder späteren Allianz identisch. Sie entstand unter bestimmten Königen und aus der unmittelbaren Bedrohung des Zweiten Kriegs. Mitglieder können austreten, Reiche können fallen, und neue Völker können an ihre Stelle treten.
Ihr bleibendes Vermächtnis ist die Erfahrung, dass Azeroths Reiche ihre Souveränität nicht verlieren müssen, um gemeinsam zu handeln. Gerade weil das Bündnis aus Streit, Kompromissen und geteiltem Risiko entstand, bleibt seine Geschichte für alle späteren Versuche wichtig, sehr verschiedene Völker unter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen.