Bevor das Licht dunkel wurde
Der Düsterbrunnen kann nicht verstanden werden, ohne den Sonnenbrunnen zu kennen. Als Dath'Remar Sonnenwanderer und seine Gefolgsleute nach ihrer Verbannung den Norden der Östlichen Königreiche erreichten, goss er eine Phiole aus dem Brunnen der Ewigkeit in einen Knoten arkaner Leylinien. Daraus entstand die Quelle, um die Quel'Thalas wachsen sollte. Ihre Kraft floss durch Runensteine, Magie und Alltag der Hochelfen, bis sie weniger wie ein Besitz als wie ein gemeinsamer Herzschlag erschien.
Diese Nähe machte den Brunnen zur Lebensader und zur verwundbarsten Stelle des Reiches. Arthas Menethil brach mit der Geißel nach Quel'Danas durch und warf Kel'Thuzads Gebeine in die Quelle. Die Wiedergeburt des Lichs verdarb das Wasser. Kael'thas ließ den Brunnen zerstören, damit seine Verseuchung nicht das ganze Volk vernichtete. Was er damit rettete, trug fortan einen neuen Hunger in sich.
Eine zweite Geburt
Jahre später kehrte Kael'thas als Diener Kil'jaedens zurück und benutzte den Sonnenbrunnen für eine Beschwörung, die dem Eredarlord den Eintritt nach Azeroth öffnen sollte. M'uru, von den Blutelfen gefangen und ausgesogen, war inzwischen in einen dunklen Zustand gefallen. Nach dem Sieg über Kil'jaeden nahm Velen das Herz des Naaru und legte es in die Quelle. Der Sonnenbrunnen wurde neu geboren, nun von arkaner Kraft und heiligem Licht zugleich erfüllt.
Für die Blutelfen war dies mehr als die Wiederherstellung eines magischen Vorrats. Der erneuerte Brunnen verband ihr ältestes Erbe mit der Möglichkeit von Vergebung. Blutritter mussten das Licht nicht länger rauben; ein Volk, das sich nach dem Fall umbenannt hatte, konnte wieder nach vorn blicken. Gerade weil diese Hoffnung aus so vielen Toten und Irrtümern erwachsen war, wurde der Sonnenbrunnen zum heiligsten Zeichen ihrer Fortdauer.
Xal'ataths Angriff
In Midnight greift Xal'ataths Verschlingendes Heer Quel'Thalas an. Der Leerensturm hängt über dem Immersangwald, während Horde und Allianz Silbermond und Quel'Danas gemeinsam verteidigen. Die Leere sucht nicht irgendeine starke Energiequelle. Sie zielt auf einen Brunnen, der arkanes Erbe und Licht in sich vereint, und auf ein Volk, dessen größte historische Wunde genau an diesem Ort liegt.
Die Verteidiger schlagen die unmittelbare Invasion zurück und tragen den Kampf bis in den Leerensturm. Doch nach der Schlacht im Voidspire wendet Xal'atath den Ausgang zu ihren Gunsten. Sie reißt den dunklen Naaru L'ura aus Alleria Windläufers Körper und benutzt dessen Macht, um den Sonnenbrunnen zu verderben. Aus goldenem Licht wird ein Quell der Leere: der Düsterbrunnen.
Die Umkehrung eines Symbols
Sein Schrecken liegt nicht allein in der Menge der freigesetzten Macht. Der Düsterbrunnen kehrt die Bedeutung des Sonnenbrunnens gegen Quel'Thalas. Was Zugehörigkeit schuf, droht Entfremdung zu bringen. Was den Blutelfen half, ihren magischen Hunger zu überwinden, wird selbst zu einem Hunger, der nach Wirklichkeit greift. Und was nach M'urus Opfer für Versöhnung stand, trägt nun die verdorbene Essenz eines Naaru, der lange in der Leere gelitten hat.
Für Liadrin, Lor'themar und die Bewohner Silbermonds ist dies daher eine dritte Prüfung derselben Lebensader. Die erste Verderbnis kam durch Tod und Nekromantie, die zweite Bedrohung durch Kael'thas' Bündnis mit der Legion, die dritte aus der Leere selbst. Jedes Mal versucht eine fremde Macht, die Quelle nicht nur zu erobern, sondern ihre Bedeutung umzuschreiben.
Der Name Düsterbrunnen bezeichnet somit keinen beliebigen dunklen Teich und kein loses Gegenstück zum Licht. Er ist der Sonnenbrunnen im Zustand der Entweihung, beladen mit jeder Erinnerung, die in ihm fortbesteht. Solange diese Erinnerungen nicht ausgelöscht sind, bleibt seine Dunkelheit allerdings auch kein endgültiges Urteil. Ein Symbol kann verdorben werden; ob ein Volk seine Bedeutung kampflos preisgibt, ist eine andere Frage.