Ehre und StärkeBlackmoore
Velen
Charakter

Velen

Der Prophet der Draenei, der Sargeras' Angebot durchschaute, sein Volk über Jahrtausende auf der Flucht bewahrte und erst auf Argus lernte, Vision nicht mit Gewissheit zu verwechseln.

Drei Herrscher auf Argus

Bevor er Prophet der Exilierten wurde, gehörte Velen zu den größten Anführern der Eredar auf Argus. Mit Kil'jaeden, den er wie einen Bruder liebte, und Archimonde lenkte er eine Zivilisation von außergewöhnlicher Magie und Wissenschaft. Als Sargeras erschien und Wissen, Macht und einen Platz in einer angeblich vollkommenen Ordnung versprach, sahen viele Eredar die Erfüllung ihrer Größe.

Velen sah etwas anderes. In einer Vision erkannte er, dass Sargeras' Gabe sein Volk in Dämonen verwandeln und zahllose Welten vernichten würde. Der Naaru K'ure nahm Kontakt zu ihm auf und bot einen Fluchtweg. Velen versuchte nicht, ganz Argus zu retten; dafür blieb keine Zeit und keine Macht. Er sammelte jene, die ihm glaubten, und ließ Heimat, Freunde und zahllose Angehörige zurück, die nie eine Wahl erhielten.

Die Exilierten

Die Flüchtenden nannten sich Draenei, die Verbannten. Kil'jaeden empfand Velens Fortgang als persönlichen Verrat und jagte sie im Namen der Brennenden Legion durch den Großen Dunklen Raum. Über Jahrtausende fanden sie Welten, errichteten Zufluchten und flohen weiter, sobald die Legion ihre Spur aufnahm. Velens Gabe der Voraussicht bewahrte Leben, aber jede Rettung hatte die Form eines Abschieds.

Auf Draenor glaubten die Draenei endlich eine Heimat gefunden zu haben. Sie lebten neben den Orcs, handelten vorsichtig und bauten Städte wie Shattrath und Karabor. Kil'jaeden entdeckte sie dennoch. Er täuschte die Orcs, machte aus Nachbarn Feinde und ließ Gul'dans Horde einen Vernichtungskrieg führen. Velen versuchte zu warnen und Frieden anzubieten, musste aber erneut erleben, wie ein Volk seinetwegen in den Krieg der Legion hineingezogen wurde.

Die Exodar und Azeroth

Mit der Exodar entkamen Draenei aus der Scherbenwelt, doch sabotierte Blutelfen die Dimensionsfestung. Das Schiff stürzte auf der Azurmythosinsel ab. Velen führte die Überlebenden in die Allianz und fand auf Azeroth erstmals Verbündete, die der Legion nicht nur entkommen, sondern ihr gemeinsam entgegentreten wollten.

Seine Ruhe wirkte auf andere wie unerschütterliche Gewissheit. Tatsächlich trug Velen Zweifel und Trauer, die seine Visionen nicht auflösten. Besonders grausam wurde dies, als die Legion die Exodar unter Führung von Hochgeneral Rakeesh angriff. Unter der dämonischen Rüstung erkannte Velen seinen eigenen Sohn, den er bei der Flucht von Argus zurückgelassen und für tot gehalten hatte. Rakeesh starb voller Hass auf den Vater, dessen große Rettung ihn nicht umfasst hatte.

Die Rückkehr nach Argus

Der Tod seines Sohnes beendete Velens Bereitschaft, nur zu fliehen und auf einen vorhergesehenen Sieg des Lichts zu warten. Er zog mit Khadgar, Illidan und Azeroths Streitern gegen Kil'jaeden. Auf dessen sterbendem Schiff begegneten sich die einstigen Freunde ein letztes Mal. Kil'jaeden gestand seinen Neid auf Velens Glauben und fragte, ob Sargeras wirklich besiegt werden könne. Velen antwortete nicht mit Triumph; er legte ihm schweigend die Hand an die Stirn.

Auf Argus traf Velen auch jene Krokul, die nicht hatten fliehen können. Hatuun empfing ihn nicht als Retter, sondern als Mann, der sein Volk zurückgelassen hatte. Velen musste anerkennen, dass seine Vision vom notwendigen Exodus für die Verlassenen wie Aufgabe aussah. Im zerstörten Eredath sammelte er die Krone des Triumvirats und stellte sich der Welt, die er fünfundzwanzigtausend Jahre lang nur in Erinnerung getragen hatte.

Glaube nach der Gewissheit

Velen blieb ein Diener des Lichts, doch sein Glaube wurde weniger passiv. Illidan zwang ihn zu der unbequemen Frage, wie oft er Leid als Teil eines vorhergesehenen Plans hingenommen hatte. Seitdem bedeutet Prophetie für Velen nicht mehr, dass jede Zukunft feststeht. Eine Vision zeigt Möglichkeiten; die Betroffenen müssen dennoch handeln und tragen die Verantwortung für ihre Wahl.

Seine Geschichte ist daher nicht die eines weisen Mannes, der immer recht hatte. Velen rettete die Draenei durch den Mut, einer ganzen Welt zu widersprechen. Er verlor zugleich Angehörige, die seine Entscheidung nicht retten konnte, und brauchte Jahrtausende, um deren Zorn nicht als bloßes Unverständnis abzutun. Seine größte Gabe ist am Ende weniger das Sehen ferner Wege als die Fähigkeit, nach all den Irrtümern noch zuzuhören, wenn jemand erzählt, wen seine Rettung zurückließ.