Eine Hauptstadt unter Druck
Sturmwind ist am Ende des Ersten Kriegs nicht mehr die unberührte Hauptstadt, die den ersten Angriff der Horde abgewehrt hatte. Jahre der Kämpfe haben die Versorgung belastet, Außenposten sind gefallen, und aus dem Süden kommen immer neue Berichte über brennende Siedlungen. Dennoch bleibt die Stadt das Herz des Königreichs. Solange ihre Mauern stehen und König Llane lebt, können Soldaten und Bürger hoffen, dass der Krieg noch gewendet wird.
Orgrim Schicksalshammer weiß, dass ein weiterer unvorbereiteter Sturmangriff scheitern könnte. Er lässt die Horde das Umland kontrollieren und die Verteidiger isolieren. Anders als Schwarzfaust will er nicht bloß die Erwartungen Gul'dans erfüllen. Er will beweisen, dass die Horde unter einem Kriegshäuptling bestehen kann, der selbst entscheidet. Für Sturmwind macht dieser Wechsel den Gegner gefährlicher: An die Stelle einer gelenkten Marionette tritt ein Feldherr, der Niederlagen studiert hat.
Garona und der Befehl des Schattenrats
Während vor den Mauern die Belagerung beginnt, bleibt Garona in der Nähe des Königs. Llane hat ihr Vertrauen geschenkt, obwohl ihre Herkunft für viele am Hof ein Grund zum Misstrauen ist. Garona wiederum erlebt in Sturmwind zum ersten Mal, dass Zugehörigkeit mehr sein könnte als Gehorsam. Diese Nähe schützt den König jedoch nicht. Der Schattenrat hat ihren Willen durch Magie gebunden und kann sie zu einer Tat zwingen, die sie selbst verabscheut.
Garona tötet Llane, während die Stadt um ihr Überleben kämpft. Sein Tod ist militärisch und menschlich verheerend. Die Verteidiger verlieren nicht nur ihren Herrscher, sondern das sichtbare Zeichen dafür, dass Sturmwinds Ordnung den Angriff überdauern kann. Für Garona beginnt mit dem Mord keine Laufbahn als freiwillige Attentäterin, sondern ein Leben unter der Schuld einer Tat, deren Werkzeug sie war.
Der Zusammenbruch
Ohne Llane, mit erschöpften Truppen und einer Horde in den Straßen kann Lothar die Hauptstadt nicht mehr retten. Er entscheidet sich gegen einen letzten aussichtslosen Kampf, weil Sturmwinds Zukunft nun in seinen Bewohnern liegt. Der junge Prinz Varian muss überleben, wenn das Haus Wrynn fortbestehen soll. Soldaten halten Wege offen, während Zivilisten die Stadt verlassen; was nicht mitgenommen werden kann, fällt den Flammen und Plünderern zum Opfer.
Der Fall ist keine vollständige Auslöschung. Gerade Lothars Rückzug verhindert, dass das Königreich mit seiner Hauptstadt stirbt. Die Flüchtlinge erreichen die Küste und setzen nach Lordaeron über. Sie bringen wenig Besitz mit, aber genügend Zeugen, um den nördlichen Königen zu erklären, dass die Horde nicht nach der Eroberung einer einzelnen Stadt aufhören wird.
Eine Krone ohne Reich
Varian Wrynn ist nach der Flucht ein Königserbe ohne Thron. Er wächst am Hof von Terenas Menethil auf und erlebt, dass die Rettung seines Volkes von fremden Herrschern abhängt. Lothar wird zugleich zum Sprecher der Heimatlosen. Sein Name und seine Abstammung vom alten Arathor verschaffen ihm Gehör, doch überzeugen muss er mit dem, was er selbst gesehen hat: eine Armee, die durch ein Portal kam und nach ihrem ersten Sieg nicht verschwinden wird.
Sturmwind bleibt während des Zweiten Kriegs besetzt. Damit verändert sich das Ziel der Menschen. Es geht nicht mehr nur darum, Lordaeron zu verteidigen, sondern irgendwann auch die verlorene Heimat zurückzugewinnen. Die Ruinen werden zu einem politischen Versprechen, das die Flüchtlinge mit der neuen Allianz verbindet.
Erinnerung an den Untergang
Der Fall Sturmwinds erklärt, warum spätere Entscheidungen des Hauses Wrynn so oft von Verlustangst geprägt sind. Llane stirbt, weil ein vertrauter Mensch gegen seinen Willen zur Waffe gemacht wird; Varian verliert als Kind Vater und Heimat; Lothar trägt die Verantwortung für ein Volk, dessen Land er nicht halten konnte. Diese Erfahrungen enden nicht mit dem Wiederaufbau der Stadt.
Auch für die Horde bleibt der Sieg zwiespältig. Orgrim hat eine Hauptstadt erobert und den Schattenrat zerschlagen, doch seine Armee beruht weiterhin auf den Folgen von Gul'dans Verrat an den Orcs. Sturmwinds Fall beweist ihre Stärke, löst aber keine ihrer inneren Fragen. Diese begleiten sie auf dem Marsch nach Norden.