Ehre und StärkeBlackmoore
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Tirisfal und Medivh: Der Wächter wird zum Tor

Aus dem Versuch, Dämonen heimlich zu bekämpfen, entsteht eine Linie von Wächtern, deren letzter Erbe Sargeras nach Azeroth zurückführt.

Magie zieht Blicke aus dem Nether an

Mit dem Aufstieg Dalarans wird arkane Magie zu einem festen Bestandteil der menschlichen Welt. Sie heilt, schützt, erleichtert Reisen und gibt einem jungen Reich Einfluss, den Schwerter allein nicht schaffen könnten. Doch Magie hinterlässt Spuren. Dämonen aus dem Wirbelnden Nether erkennen diese Spuren und suchen nach Wegen, Azeroth zu betreten. Zunächst sind es vereinzelte Erscheinungen. Bald wird deutlich, dass jeder unbedachte Zauber eine Tür öffnen kann, deren andere Seite niemand kontrolliert.

Die führenden Magier wollen keine öffentliche Panik und keine Könige, die aus Angst jede arkane Kunst verbieten. Gemeinsam mit den Hochelfen gründen sie den Rat von Tirisfal. Statt ein großes sichtbares Heer zu schaffen, bündeln sie ihre Kraft in einer einzigen Person: dem Wächter. Dieser soll Dämonen aufspüren und vernichten, ohne dass die Welt erfährt, wie nahe manche Gefahren bereits gekommen sind.

Alodi und die Last eines geheimen Amtes

Alodi wird der erste Wächter. Er ist ein Halbelf, der zwischen menschlicher und elfischer Welt lebt und keiner von beiden vollständig angehört. Vielleicht macht ihn gerade das geeignet für ein Amt, das Abstand von gewöhnlicher Politik verlangt. Er erhält gewaltige Macht, aber keine Krone, kein offenes Reich und kaum jemanden, mit dem er seine Erfahrungen teilen kann.

Das System funktioniert, trägt jedoch einen gefährlichen Fehler in sich. Der Rat entscheidet, wer würdig ist, und der Wächter entscheidet oft allein, was notwendig ist. Kontrolle und Vertrauen hängen von wenigen Personen ab. Solange alle Beteiligten vorsichtig handeln, schützt diese Geheimhaltung Azeroth. Sobald Stolz, Misstrauen oder fremder Einfluss hinzukommen, kann dieselbe Macht zu einer unbemerkten Bedrohung werden.

Alodi, der erste Wächter von Tirisfal
Bildmoment

Der erste Wächter hatte keinen Vorgänger

Alodi stand nicht am Ende einer stolzen Tradition. Er stand an ihrem unsicheren Anfang. Was später als Amt, Rat und Ritual erschien, musste an ihm zum ersten Mal erprobt werden.

Gerade diese Leerstelle macht ihn wichtig: Jede spätere Wächterin und jeder spätere Wächter erbte nicht nur Macht, sondern auch das ungelöste Problem, wie ein Einzelner vor der Legion schützen kann, ohne über der Welt zu stehen, die er schützen soll.

Bildquelle: Warcraft Wiki: Alodi

Aegwynn verwechselt Unabhängigkeit mit Sicherheit

Aegwynn wird zur Wächterin von Tirisfal, weil sie entschlossen, begabt und bereit ist, gegen Dämonen zu kämpfen, wo andere noch beraten. Über Jahrhunderte schützt sie die Menschenreiche. Je länger sie im Amt bleibt, desto weniger vertraut sie jedoch dem Rat, der ihr die Macht übertragen hat. Die Magier erscheinen ihr langsam, politisch und zu sehr mit den Interessen ihrer eigenen Städte beschäftigt. Aegwynn beginnt, Entscheidungen allein zu treffen, weil ihre Erfolge ihr beweisen, dass sie Gefahren schneller erkennt als ihre Auftraggeber.

Als der Avatar des Sargeras in Nordend erscheint, nimmt Aegwynn den Kampf an. Sie besiegt den gewaltigen Körper und bringt die Überreste zum Grabmal des Sargeras. Was sie nicht erkennt: Sargeras wollte diesen Sieg. Ein Teil seines Geistes verbirgt sich in ihr und wartet. Aegwynn hält den besiegten Avatar für den Beweis, dass ihre Unabhängigkeit richtig war. Gerade dieser Stolz hindert sie daran, nach einer Gefahr zu suchen, die nicht wie ein geschlagener Feind vor ihr liegt.

Später entscheidet sie, die Macht des Wächters nicht an den Kandidaten des Rates weiterzugeben. Sie bringt einen Sohn zur Welt, Medivh, und überträgt ihm das Erbe. In ihren Augen schützt sie das Amt vor politischer Kontrolle. Sargeras erhält dadurch jedoch den Zugang, auf den er gewartet hat. Aegwynn handelt nicht aus Bosheit und Medivh wird nicht als Verräter geboren. Die Katastrophe entsteht, weil eine Beschützerin nach Jahrhunderten richtiger Entscheidungen glaubt, allein überblicken zu können, wem Macht anvertraut werden darf.

Medivhs Freunde erkennen ihn immer weniger wieder

Llane Wrynn, Anduin Lothar und Medivh wachsen als Freunde auf, obwohl ihre Zukunft sehr verschieden ist. Llane soll König werden, Lothar Soldat und Beschützer, Medivh Erbe einer Macht, deren wahre Größe ihm lange verborgen bleibt. Diese Nähe macht Medivhs späteren Verrat schwerer zu erkennen. Llane sucht Erklärungen für sein Verhalten, weil er sich an den Freund erinnert. Lothar wird misstrauischer, hält aber selbst dann noch an der Hoffnung fest, Medivh könne gerettet werden.

In Karazhan lebt Medivh zunehmend abgeschottet. Moroes und andere Diener erleben seine wechselnden Stimmungen aus der Nähe, besitzen jedoch weder das Wissen noch die Macht, Sargeras' Einfluss zu benennen. Khadgar kommt als junger Gesandter Dalarans in den Turm und soll eigentlich beobachten, ob der Wächter noch im Interesse des Rates handelt. Statt eines klaren Beweises findet er einen Mann, der zugleich Lehrer, Gefangener und Gefahr ist.

Garona bringt eine weitere Verbindung nach Draenor. Sie wurde unter Gul'dans Herrschaft zur Übersetzerin und Spionin gemacht und trägt selbst die Gewalt der Horde in ihrer Herkunft. Zwischen ihr und Medivh entsteht Nähe, obwohl beide nicht frei über das eigene Leben verfügen. Ihr Sohn Med'an wird später eine Erinnerung daran, dass selbst in einem Plan aus Dämonen, Portalen und Kontrolle Beziehungen entstehen, die niemand vollständig vorausberechnen kann.

Als Khadgar und Lothar Medivh stellen, töten sie deshalb nicht einfach einen unbekannten Verräter. Sie beenden das Leben eines Freundes und Lehrers, dessen eigener Wille seit seiner Geburt angegriffen wurde. Das Dunkle Portal bleibt dennoch geöffnet, und der Krieg ist bereits in Bewegung. Der Sieg in Karazhan kommt zu spät, um Stormwind den Frieden zurückzugeben.

Der Blick nach Draenor

Während Medivh auf Azeroth heranwächst, sucht Kil'jaeden nach Wegen, Velen und die Draenei zu vernichten. Die Geschichte nähert sich von zwei Seiten dem Dunklen Portal. Auf Azeroth trägt Medivh den Schatten Sargeras'. Auf Draenor werden die Orcs durch Täuschung und Blut in eine Horde verwandelt.

Als diese beiden Linien einander erreichen, ist Jahr 0 nicht einfach der Beginn eines Krieges. Es ist die Stelle, an der Jahrtausende alter Kosmos, Elfenmagie, Menschenpolitik, Draenei-Flucht und orkische Verderbnis aufeinandertreffen. Das Dunkle Portal öffnet sich nicht aus dem Nichts. Es ist das Ergebnis einer sehr langen Vorgeschichte.

Darum endet die Vorgeschichte Azeroths nicht friedlich. Sie endet mit einem Tor.