Eine Festung wird zum Gefängnis
Durnholde liegt im Vorgebirge von Hillsbrad, umgeben von Bauernhöfen und Wegen nach Lordaeron, Alterac und Dalaran. Schon im Zweiten Krieg dient die Burg als Gefängnis; Zul'jin wird dort festgehalten, bis Orgrim Schicksalshammer ihn befreit. Nach dem Sieg der Allianz verändert sich ihre Aufgabe. Durnholde wird zum Verwaltungszentrum der Internierungslager und damit zu einem Ort, an dem der Frieden des Nordens bewacht werden soll.
Hinter Mauern, Wachtürmen und Kasernen liegen Zellen, Lagerhütten und eine Arena. Die Menschen in der Siedlung vor der Burg leben von den Bedürfnissen der Garnison. So entsteht um die Gefangenschaft eine eigene Ordnung, in der Sold, Handel und politische Macht voneinander abhängen.
Schwarzmoors Plan
Aedelas Schwarzmoor ist ehrgeizig, gewalttätig und überzeugt, dass ihm ein größerer Rang zusteht. Als er nach dem Mord an Durotan und Draka deren überlebenden Sohn findet, sieht er kein verlassenes Kind. Er sieht eine Gelegenheit. Er nennt den Jungen Thrall, lässt ihn von Menschen ernähren und unterrichten und bildet ihn zugleich als Gladiator aus. Thrall soll stark genug werden, die Orcs zu führen, aber abhängig genug bleiben, Schwarzmoors Befehlen zu gehorchen.
Der Plan verbindet militärische Berechnung mit persönlicher Grausamkeit. Jede Niederlage in der Arena wird bestraft, jeder Erfolg gehört dem Besitzer. Thrall lernt Strategie, Lesen und die Gewohnheiten menschlicher Soldaten. Schwarzmoor bemerkt nicht, dass Bildung kein unsichtbares Halsband ist: Wer Zusammenhänge versteht, kann auch erkennen, dass die ihm zugedachte Rolle nicht naturgegeben ist.
Taretha und die Möglichkeit eines anderen Lebens
Taretha Foxton wächst als Tochter einer Bediensteten Durnholdes in der Nähe des Gefangenen auf. Zwischen ihr und Thrall entsteht über heimliche Briefe eine Freundschaft. Für Thrall ist sie der Beweis, dass nicht alle Menschen Schwarzmoors Weltbild teilen. Für Taretha ist er kein Tier in der Arena, sondern ein Mensch mit Angst, Witz und Hoffnung. Diese Beziehung nimmt keiner Seite ihre Herkunft; sie macht nur sichtbar, dass Herkunft keine Grausamkeit erzwingt.
Taretha hilft Thrall bei der Flucht. Sie verschafft ihm Zeit, Vorräte und einen Weg aus den Mauern. Thrall verlässt Durnholde noch ohne Klan und ohne sicheren Namen. Was er mitnimmt, sind die Fähigkeiten seines Gefängnisses und die Erinnerung an jemanden, der ihm dort Freiheit zugetraut hat.
Die Rückkehr des Befreiers
Thrall findet Frostwölfe, Kriegshymnen und Orgrim. Gemeinsam befreien sie die kleineren Lager. Während dieses Feldzugs fällt Orgrim und übergibt Thrall Rüstung, Hammer und Verantwortung. Als die neue Horde Durnholde erreicht, kehrt Thrall daher nicht mehr als entlaufener Gladiator zurück. Er kommt als Kriegshäuptling eines Volkes, das Schwarzmoor für sein persönliches Heer reserviert hatte.
Schwarzmoor lässt Taretha töten und versucht mit ihrem Tod, Thrall zu brechen. Das Gegenteil geschieht. Thrall besiegt seinen früheren Herrn und ruft die Erde gegen die Festung. Durnholde wird zerstört. Der Sieg kann Taretha nicht zurückbringen, aber er beendet die Macht des Mannes, der ihre Menschlichkeit ebenso missbraucht hatte wie Thralls Stärke.
Ruinen mit widersprüchlicher Erinnerung
Die Ruinen Durnholdes werden später von neuen Gruppen benutzt und über die Höhlen der Zeit sogar zum Schauplatz eines Eingriffs in die Vergangenheit. Für die Horde bleibt der Ort ein Symbol der Befreiung. Für Lordaeron war er einst Teil einer Ordnung, die einen erneuten Krieg verhindern sollte. Beide Bedeutungen liegen in denselben Mauern.
Durnholde erklärt, warum Thralls Verhältnis zu Menschen nie einfach aus Hass oder Vertrauen bestand. Sein schlimmster Peiniger war ein Mensch, aber ebenso seine erste Freundin. Er lernte menschliche Kriegskunst in Gefangenschaft und benutzte sie später, um Orcs zu befreien. Die Burg formte ihn, ohne ihn behalten zu können.