Der Kelch am Thron
Dämonenblut bezeichnet in der Geschichte der Orcs vor allem das Teufelsblut eines Grubenlords. Kil'jaeden ließ Mannoroth nach Draenor rufen, und Gul'dan bot dessen Blut den Klanführern am Thron von Kil'jaeden an. Der Kelch versprach Kraft für den Krieg gegen die Draenei. Er verschwieg, dass jede Ader, die ihn aufnahm, zugleich an die Brennende Legion gebunden wurde.
Grommash Höllschrei trank als Erster, die Kriegshymnen folgten, dann viele weitere Häuptlinge. Durotan verweigerte den Trank für die Frostwölfe, Orgrim Schicksalshammer trank ebenfalls nicht. Doch die Verderbnis blieb kein privates Zeichen derjenigen, die den Kelch an die Lippen setzten. Teufelsenergie durchdrang die Horde und ihre Welt; selbst Orcs, die nicht getrunken hatten, trugen bald die grüne Haut eines Volkes, dessen Umgebung und Schicksal vergiftet worden waren.
Kraft, die den Willen verengt
Mannoroths Blut machte die Orcs stärker und füllte sie mit einem Hunger nach Gewalt. Es erfand ihren Zorn nicht. Gul'dan und Kil'jaeden hatten zuvor Angst vor den Draenei geschürt, Schamanen getäuscht und alte Rivalitäten in einen gemeinsamen Krieg gelenkt. Das Blut griff in diese Wunden und ließ neben dem Töten kaum noch einen Gedanken laut genug werden.
Darin lag die Wirksamkeit des Fluchs. Wer unter ihm handelte, konnte sich weiterhin stark und entschlossen fühlen. Knechtschaft erschien als Entfesselung. Die Legion brauchte nicht jeden Schritt zu befehlen, solange Raserei, Scham und der Wunsch nach immer neuer Bewährung dieselbe Richtung vorgaben.
Der Hunger nach dem Krieg
Die verdorbene Horde zog durch das Dunkle Portal und führte ihren Krieg auf Azeroth weiter. Nach Niederlage und Zerfall ließ die dämonische Kraft nach. Viele gefangene Orcs verfielen in Lethargie. Für ihre menschlichen Bewacher sah dies wie angeborene Trägheit aus; tatsächlich blieb nach dem ausgebrannten Blutrausch ein Volk zurück, dessen Körper und Sinn jahrelang auf Krieg zugerichtet worden waren.
Thralls neue Horde suchte einen Weg zu Schamanismus, Klanbindung und eigener Entscheidung zurück. Doch ein Fluch endet nicht vollständig, sobald sein unmittelbarer Herr schweigt. Schuld, erlernte Gewalt und das Misstrauen anderer blieben. Freiheit musste sich nicht nur gegen Dämonen beweisen, sondern gegen die Versuchung, jede frühere Tat allein dem Blut zuzuschreiben.
Der zweite Trunk in Eschental
Auf Kalimdor lockten Tichondrius und Mannoroth die Kriegshymnen erneut. Cenarius war ihren Waffen überlegen, und Grom sah in einem verdorbenen Brunnen die Kraft, ihn zu töten. Seine Hexendoktoren warnten ihn. Grom trank trotzdem. Diesmal kannte er den Geschmack der Abhängigkeit, auch wenn er die ganze Falle nicht sah. Die Krieger erschlugen Cenarius und fielen wieder unter Mannoroths Willen.
Thrall und Jaina halfen, Grom aus der Raserei zu lösen. Danach stellte er sich gemeinsam mit Thrall dem Grubenlord. Groms letzter Hieb tötete Mannoroth und brach dessen Blutpakt über den Orcs. Sein Opfer machte die Entscheidung am Brunnen nicht richtig und Cenarius nicht lebendig. Es gab seinem Volk jedoch die Möglichkeit zurück, künftige Taten nicht mehr unter dem Willen dieses Dämons zu begehen.
Ein Fluch, der Entscheidungen sucht
Später wurde Grubenlordblut erneut eingesetzt. Magtheridons Blut schuf rote Teufelsorcs in der Scherbenwelt. Auf einem anderen Draenor verweigerte Grommash Mannoroths Gabe zunächst und gründete die Eiserne Horde; nach ihrer Niederlage führte Gul'dan den Blutkelch dennoch wieder vor, und Kilrogg Totauge nahm ihn an. Die Umstände änderten sich, das Angebot blieb ähnlich: sofortige Stärke gegen eine Zukunft, die danach jemand anderem gehört.
Dämonenblut ist darum keine allgemeine Bezeichnung für dunkle Magie. Es ist ein Vertrag, der körperlich wird. Seine Tragik liegt weder in einer völligen Entschuldigung noch in der Behauptung, jeder Orc habe frei und nüchtern gewählt. Gul'dan baute die Lage, Mannoroth lieferte die Fessel, und einzelne Häuptlinge öffneten die Tür. Wer den Fluch verstehen will, muss alle drei Ebenen zusammenhalten. Erst dann wird sichtbar, warum die spätere Horde Stärke nicht dadurch zurückgewinnt, dass sie den alten Rausch leugnet, sondern indem sie Macht ablehnt, die keinen Platz für ein Morgen nach dem Sieg lässt.