Ehre und StärkeBlackmoore
Draka
Charakter

Draka

Draka verwandelte die Schwäche ihrer Jugend in den Willen einer Frostwolfkriegerin, stand mit Durotan gegen Gul'dans Verrat und starb für ihren Sohn Go'el. In Maldraxxus machte sie selbst der Tod nicht zur Nebenfigur: Aus der Spionin wurde die Markgräfin des Hauses der Auserwählten.

Das Kind, dem man kein langes Leben zutraute

Draka kam als Tochter Kelkar und Zuuras im Frostwolfclan zur Welt. Sie war häufig krank, zu schmal für die Erwartungen ihres Volkes und in den Augen vieler ungeeignet für ein Leben, das in Frostfeuer Ausdauer verlangte. Selbst ein gut gemeinter Blick konnte dort zum Urteil werden. Andere Kinder lernten früh zu jagen; Draka lernte zuerst, wie es sich anfühlt, wenn eine Gemeinschaft bereits über die Grenzen einer Person entschieden hat, bevor er sie selbst erproben darf.

Mutter Kashur zeigte ihr keinen leichten Ausweg. Die Schamanin schickte sie auf eine gefährliche Suche nach Zutaten für ein Heilmittel. Draka musste jagen, klettern und kämpfen, obwohl gerade ihre Schwäche als Beweis galt, dass sie all das nicht könne. Als sie zurückkehrte, hatte der Trank ihren Körper geheilt, doch die wichtigere Veränderung war bereits geschehen. Draka brauchte den Klan nicht mehr um Erlaubnis zu bitten, sich für stark zu halten. Sie hatte die Furcht kennengelernt und war dennoch weitergegangen.

Die Gefährtin des Häuptlings

Durotan hatte Draka schon als Säugling gesegnet, ohne zu ahnen, dass sie später an seiner Seite stehen würde. Als Erwachsene begegneten sie einander neu. Er sah nicht mehr das kranke Kind, sie in ihm nicht bloß den Erben Garads. Ihre Verbindung wuchs aus Achtung, und Draka wurde seine Gefährtin, ohne sich in seinem Rang aufzulösen. Wenn sie Durotan widersprach oder ihn stützte, tat sie es als Frostwölfin, deren Urteil aus demselben harten Land kam wie seines.

Dann verwandelten Kil'jaeden und Gul'dan die Ängste der Orcs in einen Krieg gegen die Draenei. Die Ahnen schwiegen, die Elemente zogen sich zurück, und neue Hexenmeister boten Macht als Ersatz für jedes verlorene Band an. Durotan erkannte zu spät, wie viele Lügen die Klans bereits gegeneinander und gegen ihre Nachbarn geführt hatten. Er verweigerte seinem Klan Mannoroths Blut. Draka stand bei ihm, als diese Entscheidung die Frostwölfe nicht zu gefeierten Bewahrern machte, sondern zu Verdächtigen in einer Horde, die Gehorsam mit Stärke verwechselte.

Ein Kind im Schnee

Auf Azeroth gebar Draka ihren Sohn Go'el. Während die Horde Sturmwind angriff, wurde die Familie aus den eigenen Reihen bedroht. Durotan warnte Orgrim Schicksalshammer vor Gul'dan und dem Schattenrat. Damit sprach er eine Wahrheit aus, die mächtiger werden konnte, sobald andere Orcs sie ebenfalls erkannten. Gul'dans Herrschaft beruhte nicht darauf, jeden Zweifler im offenen Kampf zu besiegen. Sie beruhte darauf, Zweifelnde verschwinden zu lassen, bevor ihr Mut ansteckend wurde.

Auf dem Rückweg überfielen gedungene Mörder Draka und Durotan. Beide kämpften, obwohl die Angreifer sie überraschten und zahlenmäßig überlegen waren. Draka tötete noch einen ihrer Feinde, ehe sie neben ihrem Gefährten starb. Go'el blieb im Schnee zurück. Dass Aedelas Schwarzmoor ihn fand und als Thrall zum Sklaven erzog, gehört zu den bittersten Wendungen dieser Nacht: Der Sohn zweier Orcs, die sich gegen Versklavung gestellt hatten, überlebte ausgerechnet als Eigentum eines Menschen. Doch er überlebte. Der Schattenrat konnte die Eltern töten, nicht die Möglichkeit, dass ihr Kind eines Tages nach seinem wirklichen Namen fragte.

Die Spionin der Toten

Drakas Seele gelangte nach Maldraxxus, wo die unbeugsamen Verteidiger der Schattenlande geprüft und neu geformt wurden. Auch dort schenkte ihr niemand einen Platz wegen Durotan oder Thrall. Im Haus der Augen lernte sie, Informationen aus feindlichen Welten zu holen und unter Masken zu leben, ohne den eigenen Zweck zu vergessen. Markgraf Akarek machte sie zu einer Baronin. Aus der Kriegerin, die man einst für zu schwach zum Jagen gehalten hatte, wurde eine der gefährlichsten Kundschafterinnen des Totenreichs.

Als Verrat Maldraxxus von innen zerriss, wurde das Haus der Augen vernichtet. Draka trug Akareks letzte Warnung zum Haus der Auserwählten und diente Markgraf Krexus. Auch er fiel einer Intrige zum Opfer. Diesmal blieb Draka nicht bei der Rolle der Überbringerin. Gemeinsam mit Thrall und den Verbündeten der Nekrolords stellte sie den verräterischen Vyraz. Mutter und Sohn kämpften nebeneinander, ohne dass ihre Begegnung die verlorenen Jahre in eine einfache Wiedervereinigung verwandelte. Go'el hatte sein Leben ohne sie getragen; Draka hatte nach ihrem Tod ein eigenes errungen.

Mehr als die Mutter Thralls

Nach Vyraz' Niederlage ernannte der Primus Draka zur Markgräfin des Hauses der Auserwählten. Sie führt damit jene Krieger, deren Aufgabe der Schutz der Schattenlande ist. Der Rang vollendet keinen vorherbestimmten Aufstieg. Er beantwortet vielmehr die Urteile ihrer Jugend: Nicht obwohl Draka Schwäche kannte, sondern weil sie gelernt hatte, auf verwundeten Beinen weiterzugehen, konnte sie andere durch eine zerfallende Ordnung führen.

Auf dem alternativen Draenor lebt eine andere Draka. Sie kämpfte dort mit Durotan gegen die Eiserne Horde, bekam die Tochter Geya'rah und blieb im Krieg gegen die Lichtgebundenen zurück. Dieses Leben ersetzt nicht die ermordete Mutter Go'els und ändert ihre Vergangenheit nicht; es gehört zu einer getrennten Zeitlinie. Beide Fassungen beleuchten jedoch dieselbe Möglichkeit. Draka ist keine bedeutende Frau, weil große Männer sie liebten oder von ihr abstammten. Durotan, Thrall und Geya'rah machen sichtbar, wie weit ihre Familie reicht. Ihre eigene Geschichte aber beginnt dort, wo ein krankes Mädchen eine Grenze nicht akzeptiert, und endet vorläufig bei einer Heerführerin, der selbst der Tod keine Grenze setzen konnte.