Schüler der alten Stimmen
Drek'Thar lernte bei Mutter Kashur, lange bevor die Orcs das Wort Horde mit Eroberung verbanden. Als Schamane der Frostwölfe hörte er auf Elemente und Ahnen, und seine Blindheit hinderte ihn nicht daran, eine Welt wahrzunehmen, die anderen verborgen blieb. Nach Kashurs Tod wurde er zum ältesten Schamanen des Klans. Damit fiel ihm genau in jener Stunde Verantwortung zu, in der Kil'jaedens Täuschung die vertrauten Stimmen gegen die Draenei zu wenden schien.
Als Ner'zhul verkündete, die Draenei planten den Untergang der Orcs, glaubte Drek'Thar ihm. Eine Erscheinung, die er für Kashurs Geist hielt, bestätigte die Lüge. Drek'Thar drängte zum Kampf und beteiligte sich an Angriffen auf Wehrlose. Durotan hielt ihn bei einer Begegnung sogar davon ab, Velen anzugreifen. Der spätere weise Seher stand nicht außerhalb des Falls seines Volkes; er ging einen Teil des Weges aus eigenem Entschluss mit.
Das Schweigen der Elemente
Die Elemente verstummten, als die Orcs ihren Vernichtungskrieg fortsetzten. Drek'Thar deutete ihr Schweigen nicht sofort als Urteil. Wie viele andere Schamanen nahm er Gul'dans Angebot an und wandte sich der Hexerei zu. Dämonische Kraft füllte die Lücke, die zerrissene Beziehungen hinterlassen hatten. Sie gehorchte schneller als Wind und Stein, verlangte aber keinen Respekt vor dem Leben, das sie verbrannte.
Erst in der Verbannung der Frostwölfe in die Alteracberge kehrte Drek'Thar um. Der Klan hatte Mannoroths Blut verweigert und war für Durotans Widerspruch aus der Horde gestoßen worden. In Schnee und Hunger gab die Hexerei keine Heimat. Drek'Thar legte sie ab, suchte geduldig erneut den Kontakt zu den Elementen und gewann die weißen Wölfe der Berge als Verbündete. Seine Rückkehr zum Schamanismus löschte die früheren Taten nicht. Sie begann mit dem Eingeständnis, dass Macht ohne Beziehung ihn zum Werkzeug einer Lüge gemacht hatte.
Hüter der Frostwölfe
Nach Durotans und Drakas Ermordung übernahm Drek'Thar die Führung des Klans. Er hielt die Frostwölfe in einem fremden, feindlichen Land zusammen und bewahrte Geschichten, die der Rest der Horde beinahe verloren hatte. Als Durotans Sohn zurückkehrte, erzählte er Thrall von Draenor, seinen Eltern und dem Verrat Gul'dans. Dabei gab er ihm keine makellose Vergangenheit. Er weinte über das, woran er selbst beteiligt gewesen war.
Drek'Thar wurde Thralls Lehrer im Schamanismus. Er zeigte ihm, dass die Elemente nicht befohlen werden wie Dämonen und dass ein Schamane zuerst hören muss. Diese Lehre prägte die neue Horde tiefer als jede Schlacht. Thralls politische Erneuerung erhielt durch Drek'Thar eine spirituelle Wurzel: Die Orcs sollten nicht so tun, als hätte es den Fall nie gegeben, sondern Beziehungen wiederaufbauen, die sie selbst gebrochen hatten.
Ein Alter, der widersprechen kann
Im Alteractal führte Drek'Thar die Frostwölfe gegen die Sturmlanzengarde, deren Suche nach Relikten in das Land des Klans eindrang. Der langdauernde Krieg zeigt, dass Weisheit ihn nicht über jeden Konflikt erhob. Doch als die Verlassenen später Unterstützung in Lordaeron verlangten, verweigerte er sie. Er verglich ihre bedenkenlose Grausamkeit mit der eigenen Vergangenheit und wollte nicht noch einmal aus Bündnistreue Handlungen decken, die Reue erst später erzwingen würden.
Sein Körper wurde schwach, seine Visionen unsicher, zeitweise musste er getragen werden oder einen Rollstuhl benutzen. Trotzdem blieb er ein Seher des Irdenen Rings und warnte vor dem Kataklysmus. Viel später half er, das Kosh'harg-Fest wiederzubeleben und die gefährliche Om'riggor-Prüfung durch die gemeinschaftlichere Om'gora zu ersetzen. Schließlich ernannte er Aggralan zur neuen Seherin der Frostwölfe. Auch das war eine Form von Führung: zu erkennen, wann Bewahren nur gelingt, indem Verantwortung weitergegeben wird.
Drek'Thar verkörpert kein bequemes Bild vom reinen alten Schamanismus. Er kannte die Elemente, verließ sie, diente der Hexerei und fand erst durch Schuld zurück. Seine Würde liegt nicht in Fehlerlosigkeit, sondern darin, dass er die Erinnerung an seine Fehler nicht glättete. Wenn er Thrall das Zuhören lehrte, sprach darin ein Mann, der wusste, was geschieht, wenn man nur noch die Stimme hört, die den eigenen Zorn bestätigt.