Der Ruf der großen Bestien
Der Drachenmalklan entstand auf Draenor und nannte sich in der Sprache der Orcs Nelghor-shomash, der Schrei der Bestien. Schon dort suchten seine Angehörigen die Nähe zu Wesen, vor denen andere Klans Abstand hielten. Aus Mut, Jagd und dem Wunsch nach Herrschaft wuchs eine Kultur, die ihre Größe daran maß, welche Macht sie zu Boden zwingen und anschließend für sich reiten konnte.
Unter Zuluhed dem Geschlagenen schloss sich der Klan Schwarzfausts Horde an und zog durch das Dunkle Portal. Zuluhed war einst ein Schamane gewesen, doch die Horde hatte gelernt, Beziehungen zur Welt durch Befehle und Zwang zu ersetzen. Diese Veränderung traf den Drachenmalklan besonders tief. Aus dem alten Verständnis für große Flugwesen wurde die Überzeugung, dass Beherrschung ein Beweis von Stärke sei.
Die Schuld von Grim Batol
Todesschwinge führte Zuluhed zur Drachenseele. Dessen Hexenmeister Nekros Schädelberster lernte, mit dem Artefakt Alexstrasza zu quälen und den roten Drachenschwarm gefügig zu machen. In Grim Batol zwang der Klan die Lebensbinderin, Eier hervorzubringen, während ihre Kinder als Reittiere im Zweiten Krieg eingesetzt wurden. Selten wurde der Name eines Klans so eng mit einer einzigen, bewusst fortgesetzten Grausamkeit verbunden.
Die Orcs konnten Alexstrasza nicht deshalb halten, weil sie stärker als der ganze rote Schwarm waren. Sie hielten sie, weil jeder Befreiungsversuch neue Schmerzen über die Königin brachte. Der Drachenmalklan verwandelte Bindung in eine Fessel und Fürsorge in Erpressung. Als Rhonin die Dämonenseele zerstörte, fiel daher nicht nur eine Waffe aus ihren Händen. Die Vorstellung zerbrach, fremdes Leben werde durch lange genug ausgeübte Gewalt zum rechtmäßigen Besitz.
Zwei Wege nach der Niederlage
Nach Grim Batol zersplitterte der Klan. Ein Teil blieb in den Sumpfgebieten Khaz Modans und klammerte sich an die Erinnerung seiner verlorenen Macht. Der andere blieb mit Zuluhed in der Scherbenwelt. Dort trat er in Illidans Dienst und versklavte die Netherdrachen des Schattenmondtals. Selbst der Untergang Draenors und die Niederlage der Alten Horde hatten die alte Gewohnheit nicht gebrochen.
In der Scherbenwelt mussten die Netherdrachen in Minen und Festungen für ihre Peiniger dienen. Der Klan wiederholte damit die Schuld von Grim Batol an einer neuen Generation. Für seine Angehörigen mochte das Reiten eines Drachen wie die Bewahrung uralter Identität wirken. Für die Wesen unter ihren Sätteln bestand kein Unterschied zwischen Tradition und Knechtschaft. Erst der Sturz Zuluheds und seiner Führer beendete diese Herrschaft.
Zaelas Aufstieg und Fall
In den Schattenhochlanden herrschte später der Teufelsorc Mor'ghor mit brutaler Hand über die dortigen Drachenmal. Garrosh Höllenschrei half der Widerstandskämpferin Zaela, ihn zu stürzen, und gewann den Klan für die Horde. Zaela erschien zunächst als Anführerin, die ihr Volk von einem Tyrannen befreite. In Garrosh fand sie jedoch einen Kriegshäuptling, dessen Stolz und Härte ihrem eigenen Bild orcischer Stärke entsprachen.
Sie blieb ihm auch treu, als Orgrimmar sich gegen ihn erhob. Später verband sie ihre Krieger mit dem Vormarsch der Eisernen Horde und griff vom Schwarzfels aus erneut nach Macht. Ihre Proto-Drachen ersetzten die roten und schwarzen Drachen früherer Zeiten, doch das alte Muster blieb erkennbar: Der Klan suchte Anerkennung in der Nähe eines Herrschers, der Unterwerfung für Ordnung hielt. Zaelas Tod in der Oberen Schwarzfelsspitze beendete diesen Weg, aber nicht die Frage nach dem Platz ihres Volkes.
Gorfax und die Last des Namens
Nach Zaela übernahm Gorfax Angerfang die Führung. Unter ihm blieb das Verhältnis zur Horde angespannt, denn andere Orcs hatten Grim Batol und Zaelas Entscheidung nicht vergessen. Beim ersten Kosh'harg auf Azeroth wurde der Klan schließlich aufgenommen. Gorfax verband diese Rückkehr mit einem harten Versprechen: Die Drachenmal sollten ihr besudeltes Erbe erlösen oder bei dem Versuch untergehen.
Eine solche Erlösung liegt nicht im Vergessen. Der Klan züchtet Proto-Drachen und knüpft Bindungen zu ihnen, ohne ihren Willen brechen zu müssen. Darin liegt eine vorsichtige Antwort auf die eigene Geschichte. Der Ruf der Bestien muss nicht verstummen, doch er kann anders gehört werden. Ob Gorfax' Weg Bestand hat, wird sich daran zeigen, ob die Drachenmal Stärke als Verantwortung begreifen können, wenn ihnen gerade kein Feind und kein Kriegshäuptling befiehlt, in die vertraute Grausamkeit zurückzukehren.