Der erste Richter der Toten
Die Ersten schufen Zovaal mit den anderen Ewigen in Zereth Mortis. Ihm fiel die Aufgabe des Richters zu. In Oribos sah er jede sterbliche Seele, ihre Erinnerungen, Entscheidungen und die Umstände, unter denen Freiheit oft nur ein Wort gewesen war. Er wies sie jenen Nachleben zu, in denen ihre weitere Existenz einen Platz finden sollte. Kein anderer der Ewigen blickte so ununterbrochen auf die Widersprüche zwischen Schicksal, Schuld und Wahl.
Zovaal gelangte zu der Überzeugung, die Ordnung der Ersten sei fehlerhaft und ein geteilter Kosmos könne einer kommenden Gefahr nicht standhalten. Welche Macht er gesehen hatte und was er seinen Geschwistern darüber mitteilte, blieb selbst nach seinem Ende im Dunkeln. Sicher ist nur seine Entscheidung: Mit den Siegeln der Ewigen wollte er nach Zereth Mortis zurückkehren, verbotenes Wissen erlangen und die Wirklichkeit zu einer geeinten Macht unter seinem eigenen Willen umformen. Aus einer Warnung wurde damit ein Anspruch, für alle Wesen entscheiden zu dürfen, ohne ihre Zustimmung noch für notwendig zu halten.
Das Urteil über den Richter
Der Primus führte die Ewigen gegen ihn. Nach Zovaals Niederlage stellten sie ihn in Oribos vor Gericht, entrissen ihm Macht, Essenz und das Siegel in seiner Brust. Daraus schufen sie einen neuen, mechanischen Richter, der Seelen ohne Zovaals Zweifel zuweisen sollte. Den ehemaligen Bruder verbannten sie in den Schlund und machten aus dem Richter den Kerkermeister jenes Ortes, aus dem keine Seele entkommen durfte.
Der Primus entwickelte die Sprache der Herrschaft und ritzte ihre Runen in Zovaals Körper. Ardenwalds Herz hielt den Schlund geschlossen. Die Strafe sollte endgültig sein, lehrte ihren Gefangenen aber genau jene Magie, mit der Wille gebrochen werden konnte. Zovaal erzählte später von Freiheit und behandelte jede andere Stimme als Fehler, der seinem Entwurf untergeordnet werden musste. Was er an der Ordnung der Ersten verurteilte, steigerte er zur vollständigen Beherrschung.
Frostgram als Hand im Reich der Lebenden
Denathrius blieb heimlich auf Zovaals Seite. Seine Nathrezim trugen Pläne zwischen Legion, Geißel und Schattenlanden. Als der Primus die wachsende Gefahr untersuchte, bezwang Zovaal ihn, löschte seine Erinnerungen und zwang ihn als Runenmetz in Torghast zur Arbeit. Aus dessen Wissen entstanden Frostgram und der Helm der Herrschaft. Die Schreckenslords brachten beide zur Legion, die Ner'zhul zum Lichkönig machte.
Die Gefäße sollten Zovaals Einfluss auf Azeroth vorbereiten. Doch Ner'zhul, Arthas und Bolvar erfüllten seinen Willen nie vollständig. Jeder trug die Herrschaftsmagie und widersetzte sich ihr auf andere Weise. Dieser wiederholte Widerstand hätte Zovaal zeigen können, dass Wille nicht allein ein Fehler im System war. Stattdessen behandelte er jedes Scheitern wie den Defekt eines Werkzeugs und suchte nach einem neuen Hebel.
Sylvanas, Anduin und die geraubten Siegel
Nach Sylvanas' Sturz von der Eiskrone fing Zovaal ihre Seele im Schlund ab und zeigte ihr ein Jenseits, dessen starre Ordnung ihre tiefste Furcht vor Ketten bestätigte. Sie schloss einen Pakt. Kriege und Tod stärkten den Schlund; Denathrius leitete Anima um, und die von Nathrezim verdorbene Seele des Argus legte den mechanischen Richter lahm. Als Sylvanas den Helm über Bolvars Kopf zerbrach, riss der Himmel über der Eiskrone auf.
Zovaal ließ Anführer Azeroths entführen und suchte in Anduin eine Seele, die Bastions Siegel erreichen konnte. Mit Königsgram zwang er den König zum Dienst. Nachdem Anduin Kyrestias Siegel geraubt hatte, nahm der Kerkermeister auch die Macht der übrigen Ewigen und öffnete den Weg nach Zereth Mortis. Sylvanas erkannte zu spät, dass sein Versprechen von Freiheit in einer Welt enden sollte, in der nur Zovaals Wille übrig blieb. Er gab ihr den fehlenden Teil ihrer Seele zurück und ließ sie verwundet hinter sich.
Das Ende im Herzen der Ewigkeit
Im Mausoleum der Ersten verband Zovaal die Maschine der Schöpfung mit der Weltenseele Azeroths. Die Seelenschmiede unter der Eiskrone begann, ihre Kraft abzuziehen. Damit wollte er eine Kettenreaktion durch alle kosmischen Mächte senden, die Wirklichkeit auslöschen und unter Herrschaft neu entstehen lassen. Anduin zerbrach Königsgram; aus den Resten des Helms und den Erinnerungen früherer Opfer entstand die Krone des Willens, die Zovaals Gegner gegen seine Runen schützte.
Der Kerkermeister fiel und blieb als leere Konstruktion zurück. Der Riss über Nordend schloss sich. In seinen letzten Augenblicken warnte er erneut, ein geteilter Kosmos werde das Kommende nicht überleben. Ob seine Furcht auf eine wirkliche Gefahr verwies, ändert nichts an seiner Antwort. Zovaal sah unzählige Leben, die unter fremden Entscheidungen litten, und erklärte daraus jede Freiheit zur Lüge. Seine Tragödie liegt nicht darin, dass niemand auf ihn hörte. Sie liegt darin, dass der frühere Richter die Rettung aller nur noch als ein Urteil denken konnte, gegen das niemand Berufung einlegen durfte.