Ein Name für den Neubeginn
Nach dem Sieg am Hyjal führte Thrall die Orcs an die Ostküste Kalimdors. Er nannte das Land Durotar, nach seinem Vater Durotan, der Gul'dans Verrat erkannt und dafür mit dem Leben bezahlt hatte. Die Hauptstadt erhielt den Namen Orgrimmar, zur Erinnerung an Orgrim Schicksalshammer. Schon die Karte des neuen Reiches wurde so zu einem Familiengedächtnis für einen Sohn, der beide Männer kaum in Frieden hatte kennenlernen dürfen.
Thrall wählte ein karges Gebiet. Der Neubeginn sollte nicht auf den reichen Ruinen eines eroberten Königreichs beruhen. In der Trockenheit lag Buße für die Kriege der alten Horde, aber auch Hoffnung auf eine Gesellschaft, die durch Arbeit statt Plünderung bestehen würde. Diese Entscheidung war ehrenhaft gemeint und legte zugleich eine schwere Last auf alle, die später Wasser und Nahrung beschaffen mussten.
Ein Land war nicht leer
Durotar war keine unbewohnte Fläche, die nur auf einen neuen Namen wartete. Stacheleber, Harpyien und andere Bewohner lebten dort lange vor der Horde. Thralls Truppen drängten besonders die Klingenmähnen zurück. Aus Sicht der Siedler war es ein Kampf ums Überleben; aus Sicht der Verdrängten begann eine weitere Geschichte verlorenen Landes.
Auch Dunkelspeertrolle fanden an der Küste und auf den Echoinseln eine Heimat. Tauren halfen beim Aufbau, und aus Orgrimmar wurde das Zentrum einer Horde, die mehrere Völker verband. Durotar war damit von Anfang an mehr als orcisch. Seine Dörfer, Wege und knappen Quellen mussten ein Bündnis tragen, dessen Mitglieder sehr verschiedene Vorstellungen von Besitz und Zukunft mitbrachten.
Daelins Invasion
Großadmiral Daelin Prachtmeer verfolgte die Horde nach Kalimdor. Für ihn blieben Orcs die Feinde des Zweiten Krieges, unabhängig davon, was Thrall verändert hatte. Seine Truppen besetzten Theramore und griffen Durotar an. Jaina versuchte vergeblich, ihren Vater vom neuen Krieg abzubringen.
Rexxar vereinte im Auftrag Thralls Verbündete und schlug die Invasion zurück. Daelin starb. Durotars erster großer Verteidigungskrieg bewies, dass die neue Horde gemeinsam bestehen konnte, hinterließ aber eine Wunde zwischen Jaina und ihrem Vaterland. Frieden war nicht allein davon abhängig, ob die Orcs sich ändern wollten. Er verlangte auch, dass ihre früheren Feinde diese Veränderung für möglich hielten.
Orgrimmars Hunger
Die Kargheit des Landes verschwand nicht. Handelswege, Holz aus Eschental und Wasser wurden politische Fragen. Unter Garrosh Höllschrei verwandelte sich die Sorge um Versorgung in aggressive Expansion. Orgrimmar wurde mit dunklem Eisen befestigt, und die Hauptstadt, die einen Neuanfang verkörpern sollte, entwickelte sich zum Zentrum einer Herrschaft, die andere Völker der Horde herabsetzte.
Die Belagerung Orgrimmars brachte Rebellen der Horde und die Allianz bis in die Tiefen der Stadt. Durotar sah eigene Tore gegen den eigenen Kriegshäuptling geöffnet. Später wurde die Region erneut von Legion, Krieg und inneren Machtwechseln berührt. Jeder Konflikt stellte dieselbe Frage: Ist Heimat nur etwas, das gegen äußere Feinde verteidigt wird, oder auch gegen jene, die ihren Namen für Unterdrückung benutzen?
Heimat in roter Erde
Heute stehen zwischen roten Canyons Orgrimmar, Klingenhügel und Sen'jin. Junge Kämpfer lernen dort jagen und kämpfen, Händler ziehen über staubige Straßen, Schamanen hören auf Elemente, die unter der Hitze nicht verstummt sind. Für Generationen, die Draenor nie sahen, ist Durotar keine Ersatzheimat mehr. Es ist der Ort ihrer Kindheit.
Der Name erinnert dennoch an Durotan, dessen Größe im Widerspruch bestand. Er liebte sein Volk und widersprach seiner Führung, als Gehorsam es vernichtet hätte. Durotar wird diesem Erbe nicht dadurch gerecht, dass jede Entscheidung der Horde richtig war. Es wird ihm gerecht, wenn seine Bewohner das Land als Auftrag begreifen: eine Heimat zu bauen, die stark genug ist, Schuld zu erinnern, und offen genug, nicht immer neue Nachbarn für den eigenen Neubeginn zahlen zu lassen.