Ehre und StärkeBlackmoore
Jahr 30

Donnerkönig und Orgrimmar: Herrschaft unter gestohlenem Himmel

Lei Shen kehrt mit geraubter Titanenmacht zurück. Garrosh erkennt in seinem Reich keine Warnung, sondern ein Vorbild und zwingt die Horde zur Entscheidung über sich selbst.

Landfall, Göttliche Glocke und der Donnerkönig

Mit Landfall wird der Fraktionskrieg schärfer. Garrosh sucht nach der Göttlichen Glocke, einem Mogu-Artefakt, das seine Truppen stärken und seinen Traum einer überlegenen Horde nähren soll. Anduin versucht, den Missbrauch dieser Macht zu verhindern, weil er erkennt, dass Pandarias alte Waffen den Krieg nicht beenden, sondern entmenschlichen würden. Seine Verletzung durch Garrosh zeigt, wie weit der Kriegshäuptling bereit ist zu gehen, wenn Macht seinen Willen bestätigt.

Der Thron des Donners führt die Geschichte zu Lei Shen, dem wiedererweckten Donnerkönig. Lei Shen ist kein zufälliger Tyrann, sondern der Mogu-Herrscher, der einst titanische Macht Ra-dens an sich riss und daraus ein Imperium baute. Die Zandalari unterstützen seine Rückkehr, weil sie in ihr die Möglichkeit sehen, alte trollische Größe neu zu ordnen. Jaina und Lor'themar verfolgen auf der Insel zugleich eigene politische Ziele, denn Mogu-Macht könnte im Fraktionskrieg entscheidend werden.

Der Fall Lei Shens beendet nicht nur eine Bedrohung, sondern nimmt Pandaria die Rückkehr seiner alten Tyrannei. Doch der Raid zeigt auch, dass Garrosh nicht der einzige ist, der alte Macht ausgräbt. Horde und Allianz lernen auf der Donnerinsel, dass jeder Versuch, Pandarias Vergangenheit für den eigenen Krieg zu benutzen, die Vergangenheit selbst zurückruft.

Die Säuberung Dalarans macht aus einem Verdacht eine neue Wunde

Jaina hatte nach Theramores Zerstörung versucht, Dalaran als neutrale Macht gegen Garrosh zu bewahren. Als Mitglieder der Sonnenhäscher der Horde helfen, die Göttliche Glocke aus Darnassus zu stehlen, wertet sie dies als Beweis, dass die Neutralität missbraucht wurde. Sie lässt die Sonnenhäscher verhaften und aus der Stadt vertreiben. Widerstand endet tödlich. Aethas Sonnenhäscher weiß von Teilen der Verschwörung, schweigt aber aus Angst vor Garrosh und verliert damit die Möglichkeit, rechtzeitig einzugreifen.

Für Jaina ist die Säuberung eine Sicherheitsmaßnahme nach einer Reihe von Verraten. Für viele Blutelfen ist sie die Wiederholung einer älteren Erfahrung: Wieder entscheidet eine menschlich geführte Macht, dass ihr ganzes Volk wegen des Handelns Einzelner nicht mehr vertrauenswürdig sei. Lor'themars vorsichtige Gespräche mit Varian über eine Annäherung an die Allianz brechen ab. Garrosh gewinnt ausgerechnet durch das Verbrechen, das seine Agenten begingen, neue Kontrolle über die Blutelfen.

Diese Wunde begleitet den Feldzug gegen Garrosh. Allianz und Rebellion kämpfen zwar am Ende gegen denselben Kriegshäuptling, aber nicht als versöhnte Partner. Die Belagerung Orgrimmars beseitigt einen Tyrannen. Sie löscht weder Theramore noch Dalaran, den Tod Cairnes oder die Demütigungen der anderen Hordenvölker aus. Der folgende Frieden ruht deshalb auf erschöpfter Einsicht, nicht auf wiederhergestelltem Vertrauen.

Ra-den, gefangener Titanenhüter unter dem Thron des Donners
Bildmoment

Unter Lei Shens Thron liegt der Hüter, dem er die Macht nahm

Ra-den wurde geschaffen, um über Teile der Titanenordnung zu wachen. Die Entdeckung, dass die Titanen gefallen sein könnten, nahm ihm jedoch nicht seine Macht, sondern seinen Sinn. Lei Shen fand keinen unbesiegbaren Gott. Er fand einen verzweifelten Hüter und stahl ihm jene Kraft, mit der er ein Reich errichtete.

Ra-dens Gefangenschaft macht den Donnerkönig verständlicher und erschreckender. Lei Shen beweist seine Größe nicht dadurch, dass er stärkere Wesen im offenen Kampf überwindet. Er erkennt den Augenblick, in dem Hoffnung zerbricht, und macht ihn zum Fundament seiner Herrschaft.

Bildquelle: Warcraft Wiki: Ra

Vol'jin widerspricht Garrosh lange, bevor er eine Rebellion anführt

Vol'jin trägt den Titel eines Häuptlings, aber seine politische Stärke liegt selten in offenen Befehlen. Er kennt die Horde seit ihrer Gründung in Durotar und weiß, wie viel Vertrauen zwischen Orcs, Trollen und Tauren nötig war, damit aus Flüchtlingen eine Gemeinschaft wurde. Garroshs Vorstellung einer Horde, in der orcische Stärke über den Wert anderer Völker entscheidet, bedroht deshalb nicht nur Vol'jins Stellung. Sie stellt den Gründungsgrund der Horde infrage.

Als Garrosh ihn beseitigen lassen will, überlebt Vol'jin schwer verwundet. Chen Sturmbräu hilft ihm, und die Ereignisse führen ihn durch alte Mogu-Gewölbe und zu einer genaueren Sicht auf Tyrannei. Vol'jin kehrt nicht sofort mit einem Heer nach Orgrimmar zurück. Er sammelt Verbündete unter den Dunkelspeertrollen, Tauren, Orcs, Blutelfen und Verlassenen, die aus unterschiedlichen Gründen genug von Garroshs Herrschaft haben.

Baine Bluthuf schließt sich an, obwohl sein Vater Cairne in einem Duell mit Garrosh starb. Lor'themar Theron erwägt zeitweise, die Horde zu verlassen, weil Garrosh die Blutelfen wie entbehrliche Werkzeuge behandelt. Selbst innerhalb der Orcs wächst Widerstand. Die Rebellion ist daher kein Aufstand eines einzelnen beleidigten Anführers. Sie ist die Antwort jener Völker, die erkennen, dass Garrosh den Namen Horde beibehält, während er den Bund dahinter durch Rangordnung und Angst ersetzt.

Garrosh hört dieselbe Versuchung

Garrosh sieht im Fall Lei Shens keine Warnung. Er sieht ein Lager ungenutzter Möglichkeiten. Die Göttliche Glocke, das Herz Y'Shaarjs und jede gefundene Waffe sollen beweisen, dass seine Horde nie wieder abhängig, gedemütigt oder schwach sein müsse. Dabei wird Stärke immer enger definiert, bis nur noch Gehorsam hineinpasst.

Vol'jin, Baine, Lor'themar und andere Anführer widersprechen nicht alle aus demselben Grund. Manche verteidigen ihre Völker, manche die Horde, manche eine Grenze, die längst überschritten wurde. Aus diesen verschiedenen Motiven wächst eine Rebellion, die nicht behaupten kann, das Bündnis sei plötzlich ohne Schuld. Sie behauptet etwas Schwierigeres: dass Zugehörigkeit nicht zum Schweigen verpflichtet, wenn die eigene Gemeinschaft andere verschlingt.

Von der Verwüstung des Tals zur Belagerung Orgrimmars

Garroshs Suche nach Macht endet im Tal der Ewigen Blüten. Er gräbt das Herz Y'Shaarjs aus, also den Rest eines Alten Gottes, dessen Schatten Pandarias Sha erst möglich machte. Das ist mehr als ein militärisches Verbrechen. Garrosh nimmt das verwundete Zentrum eines heiligen Ortes und macht es zum Werkzeug seiner Vorstellung von Reinheit, Stärke und Unterwerfung. Er will die Horde nicht befreien, sondern nach seinem engen Bild sortieren.

Die Belagerung Orgrimmars beginnt deshalb nicht in Orgrimmar, sondern im zerstörten Tal. Zuerst muss der Schaden an Pandaria verstanden werden, dann führt der Weg über die Küsten, die Tore und die Unterstadt in Garroshs Machtapparat. Die Kor'kron, die dunklen Schamanen, Malkorok, die Paragons der Klaxxi und schließlich Garrosh selbst zeigen, wie viele Kräfte er an sich bindet: Horde-Disziplin, Pandaria-Artefakte, alte Göttermacht und persönliche Kränkung.

Garroshs Fall ist der Moment, in dem Horde und Allianz gemeinsam handeln, aber nicht dasselbe wollen. Vol'jin wird Kriegshäuptling, weil der Widerstand gegen Garrosh aus der Horde selbst kommen musste. Varian verschont die Horde nicht aus Schwäche, sondern weil ein vollständiger Vernichtungskrieg die Allianz selbst verändern würde. Pandaria endet damit als Urteil: Nicht der Besitz eines Landes entscheidet über Stärke, sondern die Fähigkeit, Macht nicht zum einzigen Maßstab zu machen.

Orgrimmar entscheidet nicht nur über Garrosh

Die Belagerung bringt Horde und Allianz in eine Stadt, die für die einen Heimat und für die anderen das Zentrum des Feindes ist. Unter Orgrimmar schlägt das Herz Y'Shaarjs, doch der Alte Gott muss Garrosh nicht beherrschen. Er verstärkt einen Willen, der längst entschieden hat, wessen Leben als rein, stark oder nützlich gelten soll.

Garroshs Niederlage beendet diese Vorstellung nicht für immer. Sie zwingt die Horde lediglich, ihr zu widersprechen. Als er lebend fortgebracht wird, bleibt zudem eine offene Rechnung: Ein besiegter Kriegshäuptling kann noch immer versuchen, die Vergangenheit so umzuschreiben, dass sie ihm endlich recht gibt.

Donner und Belagerung

Die Rückkehr Lei Shens und der Angriff auf Orgrimmar verbinden zwei Herrschaftsentwürfe, die Stärke mit dem Recht verwechseln, andere zu formen.