Gesänge über Nagrands Gras
Der Kriegshymnenklan entstand nicht hinter Festungsmauern. Seine Familien zogen über die weiten Ebenen Nagrands, schlugen ihre Lager für wenige Monate auf und folgten dann Wild, Jahreszeiten und neuen Herausforderungen. Lange Speere vor den Zelten trugen Schädel besiegter Feinde oder Zeichen erinnerter Schlachten. Junge Krieger bewahrten Knochen ihrer ersten Beute. Diese Bräuche machten Gewalt nicht zu einer beiläufigen Tätigkeit, sondern zu einer Sprache, in der Herkunft, Mut und Ansehen gelesen wurden.
Seinen Namen trug der Klan im Klang. Trommeln und Schlachtgesänge liefen den Reitern voraus, hoben den Mut der eigenen Reihen und ließen Gegner glauben, eine größere Streitmacht rolle durch das Gras. Die Kriegshymnen waren nicht bloß Lärm. Sie hielten den Takt eines beweglichen Volkes, dessen Stärke in schnellen Angriffen und ebenso schnellem Verschwinden lag. Doch wer den eigenen Wert immer wieder im überwundenen Gegner sucht, gerät leicht in einen Hunger, den kein Sieg lange stillt.
Grommash und der Stolz des Klans
Unter Grommash Höllschrei drängte der Klan die Oger Hochfels' zurück und machte seinen jungen Häuptling zur Legende. Grommash verkörperte, was die Kriegshymnen an sich liebten: Kühnheit, Bewegung und die Weigerung, sich vor einer größeren Macht zu beugen. Als die Orc-Klans unter Schwarzfaust zur Horde vereinigt wurden, gehörten die Kriegshymnen deshalb zum Kern der Angriffsarmeen. Ihre Lieder begleiteten nun nicht mehr nur Fehden um Jagdgründe, sondern den Krieg gegen die Draenei.
Die Eroberungen verwüsteten Draenor und kehrten schließlich gegen die Sieger zurück. Tiere verschwanden, Hunger breitete sich aus, und selbst Reitwölfe wurden zur Nahrung. Die Legion hatte aus Stolz eine Leine gemacht. Nicht jeder Kriegshymnenorc trank Mannoroths Blut aus demselben Grund, doch der Klan wurde Teil einer Horde, deren vermeintliche Stärke auf Versklavung beruhte. Grommash trug diese Schande wie eine offene Wunde, auch als er später half, gefangene Orcs aus den Lagern Lordaerons zu befreien.
Der zweite Trank in Eschental
Mit Thralls neuer Horde segelten die Kriegshymnen nach Kalimdor. Dort missachtete Grommash Befehle, griff Menschen an und führte seinen Klan zum Holzeinschlag in Eschental. Die Nachtelfen verteidigten den Wald, und Cenarius ließ die Eindringlinge ihre ganze Kleinheit spüren. In dieser Bedrängnis fanden die Kriegshymnen erneut Mannoroths Blut. Sie wussten nun, dass darin Verderbnis lag, und tranken dennoch, weil ihre Angst vor Niederlage größer war als die Erinnerung an Knechtschaft.
Mit dämonischer Kraft töteten sie Cenarius. Der Sieg, den ihre Hymnen feiern konnten, übergab sie im selben Augenblick wieder der Legion. Thrall, Cairne und Jaina halfen, Grommash zu reinigen. Danach stellte der Häuptling sich Mannoroth und erschlug den Grubenlord auf Kosten seines eigenen Lebens. So trägt das wichtigste Lied des Klans zwei untrennbare Strophen: Grommash führte sein Volk ein zweites Mal in die Sklaverei, und er zerbrach die Kette, bevor sie endgültig geschlossen war.
Garrosh und die Verengung der Ehre
Die Kriegshymnen blieben in der neuen Horde eine kampfstarke Gemeinschaft. Ihre Vorreiter rangen in der Kriegshymnenschlucht um Eschentals Ressourcen, und ihre Offensive führte den Angriff in Nordend. Als Garrosh Höllschrei aus Nagrand kam, fand der Klan im Sohn seines alten Häuptlings eine neue Hoffnung. Garrosh übernahm Grommashs Mut, aber er machte aus der widersprüchlichen Geschichte seines Vaters eine einfachere Legende: Stärke galt ihm bald als Recht, Nachsicht als Schwäche und die Horde als Werkzeug orcischer Vorherrschaft.
Unter diesem Blick wurde der Kriegshymnenstolz enger. Garrosh führte die Horde in Kriege, isolierte Verbündete und suchte schließlich auf einem alternativen Draenor ein Reich ohne den alten Blutfluch zu schaffen. Auch dort standen Kriegshymnenreiter für die Geschwindigkeit und Wucht der Eisernen Horde. Dass sie Mannoroths Blut zunächst verweigerten, bedeutete nicht, dass sie Freiheit verstanden hatten. Eine Kette aus Eisen bleibt eine Kette, wenn sie anderen umgelegt wird.
Gorgonnas leiserer Schwur
Nach Garroshs Sturz musste der Klan entscheiden, ob sein Name für immer an die Höllschreis gebunden bleiben sollte. Gorgonna bewies ihre Stärke im Mak'gora und übernahm die Führung. Ihr Versprechen, die Ehre der Kriegshymnen nicht erneut verlieren zu lassen, bedeutete keine Abkehr vom Kampf. Der Klan blieb stolz, wehrhaft und an seine Lieder gebunden. Doch Führung musste nun mehr sein als die nächste laute Stimme, die Eroberung mit Freiheit verwechselte.
Der Kriegshymnenklan ist deshalb weder bloß ein Volk wilder Angreifer noch eine geradlinige Heldensage. Seine größte Tugend und seine größte Gefahr stammen aus derselben Quelle. Wer niemals knien will, kann andere aus Gefangenschaft führen; er kann aber auch jede Grenze als Beleidigung empfinden und selbst zum Unterdrücker werden. Die Hymne darf weiterklingen. Ob sie Freiheit begleitet oder den eigenen Zorn übertönt, entscheidet jede Generation neu.