Kinder einer langen Wanderung
Die Tauren nennen sich Shu'halo. Ihre frühen Vorfahren gingen aus den Yaungol hervor, deren Gruppen sich über alte Landwege nach Norden und in das spätere Kalimdor ausbreiteten. Die Große Teilung trennte verwandte Linien. Aus ihnen entwickelten sich Tauren, Taunka und jene Yaungol, die in Pandaria blieben.
Für die Tauren ist Herkunft nicht nur eine Folge von Abstammungsnamen. Sie wird in Erzählungen, Totems, Liedern und den Wegen der Jagd getragen. Ein Stamm bewahrt besondere Aufgaben und Erinnerungen, ohne allein für das ganze Volk zu sprechen. Darum kann eine gemeinsame Kultur viele Antworten enthalten: sesshafte und wandernde Gruppen, Druiden und Schamanen, Krieger, Seherinnen und Gemeinschaften, die den Entscheidungen der großen Hauptstadt widersprechen.
Erdenmutter, Sonne und Mond
Die Erdenmutter steht im Mittelpunkt vieler taurenischer Überlieferungen. Mu'sha, der Mond, und An'she, die Sonne, gelten als ihre Augen. Ahnen bleiben Teil des gegenwärtigen Lebens, nicht nur Namen entfernter Toter. Schamanen hören auf Elemente und Geister; Druiden lernten, die Gestalten und Kreisläufe der Wildnis zu verstehen.
Jagd widerspricht diesem Respekt nicht. Ein erlegtes Tier ist Nahrung, Fell, Knochen und eine Schuld, die durch Dank und sorgsamen Gebrauch anerkannt wird. Diese Haltung ist kein Beweis, dass jeder Tauren immer friedlich entscheidet. Ehrgefühl, Stammesloyalität und Zorn können ebenso in Gewalt führen. Der Anspruch besteht nicht darin, außerhalb der Natur zu stehen, sondern auch im Kampf zu wissen, dass jede Handlung in ein Geflecht zurückkehrt, von dem das eigene Leben abhängt.
Vor den Zentauren nach Mulgore
Über Generationen trieben Zentauren die Stämme durch das Brachland. Die Tauren konnten kämpfen, aber ein Sieg brachte selten dauerhafte Sicherheit. Cairne Bluthuf führte sein Volk in einer Zeit, in der Wanderschaft nicht romantische Freiheit, sondern die ständige Erwartung des nächsten Angriffs bedeutete.
Thralls neue Horde half, die Zentauren zurückzudrängen. Aus Dankbarkeit und echter Verbundenheit schlossen sich Cairnes Tauren dem Bündnis an und kämpften am Hyjal gegen die Legion. In Mulgore errichteten sie Donnerfels auf hohen Tafelbergen. Die Stadt war Zuflucht für viele Stämme. Zum ersten Mal seit langer Erinnerung konnten Kinder an einem Ort aufwachsen, ohne dass jeder Jahreswechsel den Verlust des Lagers erwarten ließ.
Cairnes Tod und Baines Erbe
Die Horde war Schutz und Quelle neuer Konflikte. Cairne stellte Garrosh Höllschrei zur Rede und forderte ihn zum Mak'gora. Magatha Grimmtotem vergiftete Garroshs Waffe ohne dessen Wissen. Cairne starb, und die Grimmtotem besetzten Donnerfels. Baine führte die Rückeroberung und verbannte einen großen Teil des aufständischen Stammes.
Als Hochhäuptling versuchte Baine, Treue zur Horde mit dem Gewissen seines Volkes zu verbinden. Er widersprach Garrosh und später Sylvanas, handelte aber oft vorsichtig, weil offener Widerstand Taurenleben gefährdete. Sonnenläufer und Seher entwickelten eine stärkere Verehrung An'shes und führten Lichtwirker in die Kultur ein. Diese Veränderung war keine Kopie menschlicher Paladine, sondern der Versuch, ein lange überhörtes Auge der Erdenmutter neu zu verstehen.
Ein Volk ist mehr als seine ruhige Stimme
Die vereinten Stämme bleiben unter Baine Teil der Horde. Doch Grimmtotem, Hochbergtauren, Taunka und unabhängige Gruppen zeigen, dass „die Tauren“ nie eine einzige politische Haltung meinen. Selbst in Donnerfels unterscheiden sich Generationen darin, wie viel Dankesschuld gegenüber der Horde noch bindet und wann Loyalität zur Teilnahme an fremder Gewalt wird.
Von außen werden Tauren gern zur geduldigen moralischen Stimme neben lauteren Verbündeten gemacht. Das würdigt ihre Besonnenheit und nimmt ihnen zugleich ihre Widersprüche. Sie trauern, irren, verlangen Vergeltung und verändern ihre Religion. Ihre Größe liegt nicht in angeborener Sanftmut. Sie liegt in der immer neu begonnenen Arbeit, Kraft so einzusetzen, dass danach noch eine Herde, ein Lagerfeuer und ein bewohnbares Land bestehen. Mulgore ist der Beweis, dass diese Arbeit Heimat schaffen kann; seine offenen Ebenen erinnern ebenso daran, dass Heimat niemals bloß Besitz ist.