Kinder am Brunnen
Kaldorei bedeutet „Kinder der Sterne“. Lange bevor andere Völker sie Nachtelfen nannten, lebten ihre Vorfahren nahe dem Brunnen der Ewigkeit. Die gewaltige arkane Quelle veränderte sie über Generationen. Körper, Lebensspanne und Geist wandelten sich, und aus einer frühen Gemeinschaft entstand ein Reich, das sich für den Mittelpunkt der Welt hielt.
Unter Königin Azshara erreichte dieses Reich eine Pracht, die noch in versunkenen Ruinen sichtbar ist. Die Hochgeborenen lenkten Magie in immer größeren Mengen, während viele Bewohner nur den Glanz sahen, nicht die Gefahr darunter. Als Azsharas Kreis Sargeras und die Brennende Legion einlud, wurde die größte Stärke des Reiches zum offenen Tor für seine Vernichtung.
Der Krieg und die Große Teilung
Malfurion Sturmgrimm, Tyrande Wisperwind, Illidan und zahlreiche Verbündete stellten sich der Legion entgegen. Der Krieg der Ahnen teilte nicht einfach Helden und Verräter. Familien standen auf verschiedenen Seiten, alte Gewissheiten zerbrachen, und selbst notwendige Entscheidungen hinterließen Schuld. Der zusammenbrechende Brunnen riss den Großteil Kalimdors auseinander und verwandelte das Zentrum des Reiches in den Mahlstrom.
Die Überlebenden sammelten sich am Hyjal. Malfurion verbot arkane Magie, weil ihr Missbrauch die Legion gerufen hatte. Ein Teil der Hochgeborenen ging ins Exil und wurde zu den Vorfahren der Hochelfen. Die Gesellschaft der Kaldorei wandte sich Elune, der Natur und dem Druidismus zu. Sie begann jedoch nicht völlig neu; sie trug die Erinnerung an das Reich weiter, gegen dessen Hochmut sie sich nun definierte.
Das Lange Wachen
Über Jahrtausende bewachten die Kaldorei Nordrassil, die Wälder Kalimdors und die Gefängnisse alter Feinde. Druiden schliefen lange im Smaragdgrünen Traum, während Priesterinnen und Schildwachen die sichtbare Welt schützten. Unsterblichkeit und Abgeschiedenheit ließen ihre Ordnung dauerhaft erscheinen. Für jüngere Völker wirkten die Nachtelfen wie Teil des Waldes selbst.
Doch auch diese Zeit war nicht friedlich. Satyrn, Dämonen, der Smaragdgrüne Alptraum und innere Konflikte kehrten wieder. Isolation bewahrte Wissen, machte die Kaldorei aber misstrauisch gegenüber jenen, deren Reiche während eines einzigen druidischen Schlafs entstehen und fallen konnten. Das Lange Wachen war Schutz und Entfernung zugleich.
Sterblichkeit und verbrannte Heimat
Im Dritten Krieg opferte Nordrassil seine Macht, um Archimonde zu vernichten. Die Kaldorei verloren ihre Unsterblichkeit und traten der Allianz bei. Teldrassil sollte eine neue Heimat und verlorene Sicherheit geben, doch der ungesegnete Weltenbaum trug zunächst Fandrals Verderbnis in sich. Darnassus wurde dennoch Heimat, weil Bewohner dort lebten, liebten und Zukunft bauten, nicht weil jeder Fehler seines Ursprungs verschwunden war.
Im Krieg der Dornen ließ Sylvanas Teldrassil verbrennen. Unzählige starben, Überlebende wurden zu Flüchtlingen, und Tyrande nahm die Macht der Nachtkriegerin an. Der Brand traf mehr als eine Hauptstadt. Er griff die Vorstellung an, nach Jahrtausenden des Wachens wenigstens einen Ort zuverlässig bewahren zu können.
Unter den Zweigen Amirdrassils
Aus den geretteten Seelen der Nachtelfen und dem Samen der Erneuerung wuchs Amirdrassil im Smaragdgrünen Traum. Nach Fyrakks Niederlage trat der Baum auf die Dracheninseln über. An seinen Wurzeln entstand Bel'ameth. Diese Heimat ersetzt Teldrassil nicht und macht die Toten nicht zu einem Preis, der für einen schöneren Baum gezahlt werden musste.
Die Kaldorei leben nun mit Sterblichkeit, Bündnissen und einer Welt, die sich nicht mehr aus der Ferne bewachen lässt. Gerade darin liegt ihre Erneuerung. Kinder der Sterne zu sein bedeutet nicht, ewig über jüngere Völker hinauszuragen. Es bedeutet, nach dem Fall eines Reiches, dem Ende der Unsterblichkeit und dem Brand einer Heimat noch immer hinaufzusehen und den nächsten Hain so zu pflanzen, dass Erinnerung darin Wurzeln schlagen darf.
Verborgene Nachfahren in Forever
Ein Teil der Shen'dralar von Eldre'Thalas widersetzte sich in der Forever-Zeitlinie Prinz Tortheldrin. Nach der gescheiterten Rebellion flohen diese Kaldorei unter Shal'nan und wurden auf Zephras zu den Shen'dorei. Die Himmelsgeborenen sind damit entfernte Nachfahren derselben alten Gesellschaft, aus der auch Nachtelfen, Hoch- und Blutelfen sowie Nachtgeborene hervorgingen.
Ihre Geschichte ergänzt einen weiteren Umgang mit dem Erbe des Kaldorei-Imperiums: nicht Wache am Hyjal, Exil nach Quel'Thalas oder Abschottung in Suramar, sondern Rückzug in den Himmelswall. Wie bei den anderen Zweigen bewahrt die neue Identität Teile der Herkunft und widerspricht zugleich deren alten Herrschaftsformen.