Korthia wird in den Schlund gerissen, weil Zovaal ein letztes Siegel sucht
Nach Denathrius' Niederlage besitzt Zovaal fast alle Siegel der ewigen Reiche. Das fehlende Wissen vermutet er in Korthia, einer verborgenen Stadt der Archive. Er zieht den ganzen Ort in den Schlund. Für die Archivare ist dies keine gewöhnliche Invasion. Erinnerungen, Relikte und Zugänge, die über Zeitalter bewahrt wurden, liegen plötzlich in einem Reich, das alles in Waffen und Qual verwandelt.
Korthia war dem Schlund nicht deshalb verborgen, weil es ein mächtiges Heer besaß. Sein Schutz bestand aus Abgeschiedenheit und Wissen. Als Zovaal die Stadt an sich reißt, werden ihre Hüter mit einem Gegner konfrontiert, der Archive nicht lesen will, um die Vergangenheit zu verstehen. Er sucht darin Baupläne, Namen und Wege, mit denen sich die Ordnung des Todes überwinden lässt. Die Pakte müssen daher nicht nur Einwohner verteidigen, sondern verhindern, dass Erinnerung selbst zum Werkzeug seiner Herrschaft wird.
Der gemeinsame Stützpunkt in Korthia ist zugleich die erste dauerhafte Antwort der vier Pakte auf den Schlund. Kyrianer, Nekrolords, Nachtfae und Venthyr haben ihre eigenen Reiche nur knapp vor dem Zusammenbruch bewahrt. Nun müssen sie Truppen, Vorräte und Wissen teilen. Gerade darin liegt eine Gefahr für Zovaal: Seine Herrschaft beruhte lange darauf, dass jedes Reich den Tod nur aus seiner eigenen Aufgabe betrachtete und die anderen mit Misstrauen beobachtete.
Der Primus kehrt zurück und erklärt, was Zovaal erreichen will. Mit den Siegeln kann er den Weg nach Zereth Mortis öffnen, der Werkstatt der Ersten. Dort hofft er, die Ordnung der Wirklichkeit selbst zu verändern. Die Pakte errichten in Korthia einen gemeinsamen Widerstand. Ihre neue Zusammenarbeit wird sofort geprüft, denn Zovaal setzt nicht nur Heere ein. Er benutzt Anduin Wrynn, dessen Willen er mit Herrschaftsmagie gebunden hat.
Anduin trägt die Klinge Kingsmourne und raubt im Auftrag des Kerkermeisters Siegel. Seine Freunde erkennen ihn, können ihn aber nicht einfach durch Erinnerung befreien. Die Magie zwingt Handlungen durch seinen Körper, während genug Bewusstsein bleibt, um sie mitzuerleben. Zovaal macht damit aus Anduins Mitgefühl ein Werkzeug der Grausamkeit: Gerade weil der König den Schmerz anderer versteht, weiß er, was durch seine Hände geschieht.
Sylvanas hört Zovaals Versprechen zerbrechen, als er endlich offen von Knechtschaft spricht
Sylvanas hat Zovaal geholfen, weil sie die Ordnung von Leben und Tod für ein Gefängnis hält. Seit Arthas ihre Seele zerriss, erlebt sie Freiheit als etwas, das jede höhere Macht bedroht. Der Kerkermeister behauptet, er wolle ein System zerstören, das Seelen ohne ihre Zustimmung beurteilt und verteilt. Sylvanas übersieht oder verdrängt, dass seine Mittel längst dieselbe Herrschaft ausüben, die er verurteilt.
Das Sanktum der Herrschaft ist keine gewöhnliche Festung. Es ist der Ort, an dem Zovaal Gefangene, Erinnerungen und Seelen in brauchbare Werkzeuge verwandelt. Der Tarragrue und das Auge des Kerkermeisters bewachen den Zugang. Hinter ihnen warten die Neun, Val'kyr, deren Dienst nicht mehr mit einer freien Entscheidung zu verwechseln ist. Schon die ersten Hallen zeigen, dass Zovaal nicht durch Loyalität regiert. Er zerlegt den Willen seiner Opfer so lange, bis nur noch eine Aufgabe übrig bleibt.
Ner'zhuls Überrest ist dafür das älteste sichtbare Beispiel. Kil'jaeden hatte den ehemaligen Schamanen einst zum Lichkönig gemacht; im Sanktum bleibt von ihm nur eine gequälte Seele, die auch nach dem Ende seiner Krone nicht freikommt. Wenig später hält Seelenschinder Dormazain Garrosh Höllschrei gefangen und gewinnt aus seinem Trotz Anima. Garrosh weigert sich selbst in dieser Lage, um Vergebung zu bitten. Er entreißt Dormazain die eigene Kraft, vernichtet den Peiniger und verbraucht dabei den Rest seiner Seele. Sein Ende erlöst ihn nicht von seiner Schuld; es zeigt nur, dass Zovaal selbst seinen Stolz nicht in Gehorsam verwandeln konnte.
Tiefer im Sanktum bewachen ein Wächter der Ersten und Schicksalsschreiber Roh-Kalo die Ordnungen, die der Kerkermeister aufbrechen will. Kel'Thuzad stellt sich ein letztes Mal in seinen Dienst. Anders als Ner'zhul oder Garrosh ist er kein gebrochener Gefangener, sondern ein Überzeugungstäter, der schon zu Lebzeiten Macht über Mitgefühl stellte. Sein endgültiger Fall räumt den Weg frei, verhindert aber nicht, dass Zovaal das letzte Siegel an sich nimmt. Erst jetzt bleibt Sylvanas zwischen den Verfolgern und dem Kerkermeister zurück.
Als er erklärt, alle würden ihm dienen, erkennt Sylvanas die Wahrheit, die seine früheren Versprechen verdeckten. Sie schießt auf ihn. Zovaal gibt ihr den fehlenden Teil ihrer Seele zurück und lässt sie mit den Erinnerungen beider Hälften zurück. Ihr Seitenwechsel löscht Teldrassil, Gilneas oder die Opfer des Krieges nicht aus. Es beendet nur die Lüge, unter der sie diese Taten als Weg zu einer größeren Freiheit rechtfertigte.
Am Ende des Kampfes erreicht Zovaal die letzte Siegelkammer. Als er alle Seelen zu Dienern erklärt, erkennt Sylvanas, dass sein Versprechen von Freiheit nur eine andere Form der Unterwerfung war. Ihr Pfeil kommt zu spät, um seinen Aufbruch zu verhindern.
Tyrande, Sylvanas und Anduin
Während die Pakte um Korthia kämpfen, verfolgt Tyrande Sylvanas mit der Macht der Nachtkriegerin. Seit der Verbrennung Teldrassils trägt sie Elunes Zorn in sich und hat beinahe alles andere diesem einen Ziel untergeordnet. Im Ardenwald begegnet sie den Nachtkriegern anderer Welten und erkennt, dass diese Macht ihre Träger nicht nur stärkt, sondern aufzehrt. Ihr Verzicht auf den letzten tödlichen Schlag ist deshalb keine Vergebung für Sylvanas. Er ist die Entscheidung, dass die Überlebenden der Kaldorei nicht auch noch ihre Anführerin an dieselbe Katastrophe verlieren sollen.
Elunes Eingreifen macht den Schmerz nicht kleiner. Die Seelen Teldrassils waren für den Ardenwald bestimmt, wurden durch die gestörte Ordnung des Todes jedoch in den Schlund gerissen. Tyrande erfährt damit, dass selbst eine göttliche Absicht in diesem beschädigten System ein anderes Ergebnis haben kann. Ihre Aufgabe verschiebt sich von der Vernichtung einer einzelnen Feindin zur Bewahrung eines Volkes, dessen Heimat weiterhin fehlt.
Anduin wird durch Dominanzmagie zur Waffe gemacht und verliert dadurch sein Vertrauen in sich selbst. Sylvanas gewinnt ihre abgespaltene Seele zurück und muss sich nicht nur an ihre Opfer erinnern, sondern wieder fühlen, was diese Taten bedeuten. Am Ende bleiben keine sauber geheilten Figuren zurück, sondern Menschen und Elfen, die mit dem weiterleben müssen, was durch sie geschehen ist.