Der Schüler, der zuhören konnte
Malfurion wuchs mit seinem Zwillingsbruder Illidan in Suramar auf. Beide liebten Tyrande und besaßen große Begabung, doch sie suchten Macht auf verschiedene Weise. Während Illidan die arkane Energie des Brunnens der Ewigkeit spürte, hörte Malfurion auf Wind, Wurzeln und die langsame Sprache lebender Dinge. Cenarius nahm ihn als Schüler an und machte ihn zum ersten sterblichen Druiden.
Diese Rolle gab Malfurion keine fertige Weisheit. Sie verlangte Geduld, die seinem Bruder wie Zögern erscheinen konnte. Im Krieg der Ahnen wurde gerade dieses Zuhören entscheidend. Malfurion erkannte, dass Azsharas Portal die Legion in die Welt rief, sammelte Verbündete und half, den Brunnen zu zerstören. Der Sieg rettete Azeroth und brach den Kontinent auseinander.
Bruder, Geliebte und langer Schlaf
Nach dem Krieg stellte Malfurion Illidan wegen des neuen Brunnens am Hyjal zur Rede. Illidans Gefangenschaft wurde zu einer Wunde zwischen Brüdern, Recht und Familie. Tyrande wählte Malfurion, doch auch ihre Beziehung musste lange Trennungen tragen. Als die Druiden in den Smaragdgrünen Traum gingen, blieb sie an der Spitze eines Volkes, während er Jahrhunderte in einer anderen Wirklichkeit verbrachte.
Malfurion half, Nordrassil zu bewahren und die Verwüstungen der Großen Teilung zu heilen. Im Traum sah er Azeroths Lebenslinien, aber die Distanz hatte einen Preis. Fandral Hirschhaupt füllte das politische Vakuum, und Tyrande traf Entscheidungen ohne den Gefährten, dessen Geist an fernen Wurzeln wachte. Dienst an der ganzen Welt konnte für die Nächsten wie Abwesenheit wirken.
Archimonde und Xavius
Im Dritten Krieg weckte Tyrande die Druiden. Malfurion nahm Illidans Hilfe gegen die Legion an und verbannte ihn danach für den Gebrauch dämonischer Macht. Am Hyjal verbanden sich Nachtelfen, Horde und Allianz gegen Archimonde. Nordrassil wurde schwer verwundet, und die Nachtelfen verloren ihre Unsterblichkeit.
Später hielt Xavius Malfurion im Smaragdgrünen Alptraum gefangen. Tyrande und Verbündete befreiten ihn, doch der Alptraum blieb. Während des Kataklysmus kämpfte Malfurion gegen Ragnaros und half, Hyjal zu retten. Der Druide, der am liebsten Lebenskreisläufe betrachtete, wurde immer wieder an Orte gerufen, an denen Feuer und Verderbnis keine Zeit für langsame Heilung ließen.
Der Krieg erreicht die Heimat
Im Krieg der Dornen stellte Malfurion sich der Horde an der Dunkelküste entgegen. Saurfang verwundete ihn aus dem Hinterhalt, verschonte ihn aber, als Tyrande erschien. Kurz darauf brannte Teldrassil. Malfurion überlebte, während zahllose Bewohner der Heimat starben, die er nicht hatte schützen können.
Tyrande nahm die Macht der Nachtkriegerin an. Malfurion stand an ihrer Seite, ohne ihren Zorn einfach zu beherrschen oder sich selbst zum Maß ihrer Trauer zu machen. In Ardenwald halfen beide, die gefährliche Macht zu lösen. Ihre lange Liebe bestand nicht darin, niemals getrennt zu werden. Sie bestand darin, einander nach Traum, Krieg und Veränderung immer wieder als eigenständige Person anzuerkennen.
Ein Platz für Ysera
Als Ysera aus Ardenwald nach Azeroth zurückkehren musste, verlangte das Gleichgewicht einen Platztausch. Malfurion ging freiwillig in das Reich der Winterkönigin. Er tat es nicht aus Todessehnsucht, sondern weil Ysera für die Verteidigung des Smaragdgrünen Traums und für Merithras Übergang gebraucht wurde. Der erste sterbliche Druide wurde selbst zum Gast jener jenseitigen Natur, die er ein Leben lang berührt hatte.
Nach Amirdrassils Blüte kehrte Ysera nach Ardenwald und Malfurion nach Azeroth zurück. Teldrassil bleibt verbrannt, Bel'ameth wächst, und Tyrandes Volk sucht eine Zukunft, die nicht bloß Wiederholung der Vergangenheit ist. Malfurion kommt deshalb nicht als unveränderter uralter Retter heim. Er kehrt in eine Welt zurück, die ohne ihn weiterging. Seine nächste Aufgabe beginnt mit derselben Gabe wie seine erste: genau genug zuzuhören, um neues Leben nicht mit dem Bild zu verwechseln, das er von ihm bewahren wollte.