Der Weg nach Düsterbruch
Düsterbruch war einst Eldre'Thalas, das abgeschiedene Archiv von Azsharas Hochgeborenen. Im Westflügel überlebten die Shen'dralar den Großen Bruch, indem sie Immol'thar in einem Feld aus fünf Pylonen fesselten und seine Energie für Magie und Unsterblichkeit aussaugten. Als der Dämon schwächer wurde, verwandelte Prinz Tortheldrin den eigenen Hof in eine Auswahl zwischen Gehorsam, Mord und einem Tod, der selbst die Seele nicht freigab. In Prinz Tortheldrin erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Vor dem Großen Bruch diente Tortheldrin Königin Azshara. Eldre'Thalas war kein gewöhnlicher Fürstensitz, sondern ein Archiv, in dem die Shen'dralar geheimes arkanes Wissen sammelten und bewahrten. Der Prinz herrschte damit über eine Stadt, deren Wert in Erinnerung, Forschung und der Nähe zum Hof der Königin lag.
Eine Stadt überlebt ohne ihre Welt
Die Explosion des Brunnens der Ewigkeit beschädigte Eldre'Thalas und trennte seine Bewohner vom übrigen Reich. Azsharas Ordnung war verschwunden, die Quelle ihrer Magie zerstört. Tortheldrin bewahrte dennoch die Kontrolle. Er bot den Überlebenden Kontinuität in einem Augenblick, in dem fast jede Gewissheit zerbrochen war.
Um Lethargie und arkanen Hunger zu überwinden, ließ der Prinz fünf Pylonen errichten und Immol'thar beschwören. Die Shen'dralar sperrten den Dämon in ein Kraftfeld und lernten, seine Energie zu nutzen. Das Verfahren verlieh ihnen außergewöhnlich langes Leben. Tortheldrin hatte sein Volk gerettet, aber die Rettung beruhte von Anfang an auf einer Gefangenschaft, die niemals enden durfte.
Die geraubte Energie erhielt nicht nur Körper. Sie wirkte auf Geist und Urteil. Tortheldrin lebte fast zehntausend Jahre im Zentrum dieses Systems und wurde zunehmend verdorben. Jede Generation der Außenwelt verging, während er denselben Hof, dieselben Archive und denselben Gefangenen bewahrte. Isolation machte seine Entscheidung unangreifbar, weil kaum jemand übrig blieb, der ihm eine andere Zukunft zeigen konnte.
Die Rechnung der schwächer werdenden Pylonen
Etwa zwölfhundert Jahre vor der Öffnung des Dunklen Portals ließ die Kontrolle nach. Immol'thar lieferte nicht mehr genug Energie für alle Shen'dralar. Tortheldrin hätte die Abhängigkeit beenden oder die Kraft teilen können. Er wählte eine dritte Möglichkeit: Die Zahl derer, die sie verbrauchten, sollte sinken.
Treue Leutnants erhielten den Auftrag, einen großen Teil der Untertanen zu töten. Kalendris gehorchte und ermordete viele Ahnungslose. Illyanna Rabeneiche weigerte sich, ihre Freunde zu jagen; Tortheldrin tötete sie und Ferra und band ihre Seelen als Strafe an die Leichname. Die Kultur, die er retten wollte, wurde auf jene reduziert, die bereit waren, für seinen Hunger andere Mitglieder derselben Kultur zu vernichten.
Freundlich, solange die Quelle besteht
Besucher konnten dem Prinzen zunächst begegnen, ohne angegriffen zu werden. Tortheldrin erzählte Geschichten, sammelte weiter Wissen und wirkte wie der höfische Herr eines beschädigten, aber lebenden Reiches. Erst Immol'thars Tod nahm ihm die Energie und ließ die Maske fallen. Der Geschichtenerzähler griff zu den Waffen, sobald jemand die Grundlage seiner Unsterblichkeit berührte.
Im Jahr 25 drangen Hordenkämpfer in Düsterbruch ein, bannten Immol'thar und töteten Tortheldrin, als er seine verbliebenen Anhänger sammelte. Eldre'Thalas wurde zum Grab seines Prinzen. Die überlebenden Shen'dralar mussten sich neu orientieren und schlossen sich später unter Mordent Abendschatten wieder den Nachtelfen an, denen sie das lange verbannte arkane Wissen zurückbrachten.
Gerettetes Wissen, zerstörte Gemeinschaft
Tortheldrin bewahrte Archive, Magie und einen Teil seines Volkes über eine unvorstellbar lange Zeit. Diese Leistung kann den Preis nicht von ihr trennen. Er rettete eine Kultur, indem er erst einen Dämon folterte und später ihre Träger ermorden ließ. Sein Leben stellt deshalb die härteste Frage Eldre'Thalas': Was bleibt von bewahrtem Wissen, wenn der Hüter dafür fast jeden Menschen opfert, der ihm Bedeutung geben sollte?