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Krieg der Dornen
Ereignis

Krieg der Dornen

Der Überfall der Horde auf Eschental und Dunkelküste, der als Besetzung Teldrassils begann, im Weltenbrand endete und den Vierten Krieg mit einem Massaker eröffnete.

Ein Krieg, der als Vorsorge verkauft wurde

Kaum war die Brennende Legion besiegt, begann Azeroth selbst zu bluten. Azerit trat aus den Wunden der Welt, und beide Fraktionen sahen darin zugleich Heilmittel, Waffe und Gefahr. Sylvanas Windläufer erklärte, die Allianz werde das neue Erz früher oder später gegen Unterstadt und Silbermond richten. Aus dieser möglichen Zukunft leitete sie das Recht zu einem gegenwärtigen Angriff ab.

Das Ziel war Teldrassil. Wer Darnassus besaß, kontrollierte einen der wichtigsten Häfen der Allianz in Kalimdor und konnte ihr die Seerouten erschweren, über die Azerit in die Östlichen Königreiche gelangen sollte. Sylvanas plante keine sofortige Vernichtung des Weltenbaums. Sie wollte die Stadt als Geisel nehmen, einen Keil zwischen die Reiche der Allianz treiben und Malfurion Sturmgrimm töten, damit die Nachtelfen ihren größten lebenden Hoffnungsträger verloren.

Der Marsch durch Eschental

Falsche Hinweise lenkten einen großen Teil der Nachtelfen nach Silithus. Dann überschritt die Horde die Grenze, schlug sich durch Eschental und drängte die Verteidiger zur Dunkelküste zurück. Der Krieg erhielt seinen Namen von den Dornen und Wäldern, durch die Armeen marschierten, doch für die Bewohner waren diese Länder keine Kulisse. Jeder gefällte Baum, jeder verlorene Posten und jeder nicht rechtzeitig geräumte Ort gehörte zu einer Heimat, die seit Jahrtausenden gewachsen war.

Varok Saurfang führte die Truppen und glaubte, einen harten, aber strategisch begrenzten Krieg zu führen. Vor Lor'danel traf Sylvanas auf Malfurion und drohte zu unterliegen. Saurfang traf den Druiden aus dem Hinterhalt mit seiner Axt. Der Sieg lag vor ihm, doch der Schlag beschämte ihn; er weigerte sich, den Wehrlosen zu töten. Tyrande Wisperwind brachte Malfurion nach Sturmwind. Damit scheiterte jener Teil des Plans, der den Widerstand der Kaldorei seelisch brechen sollte.

„Brennt ihn nieder“

Am Strand begegnete Sylvanas der sterbenden Schildwache Delaryn Sommermond. Delaryn erklärte, dass im Baum fast nur noch Unschuldige zurückgeblieben seien, und widersprach Sylvanas' Überzeugung, Hoffnung lasse sich töten. Ihre Worte rührten an die Erinnerung an Quel'Thalas, an Arthas und an Sylvanas' eigenes verlorenes Leben. Statt von der Vernichtung abzurücken, befahl die Kriegshäuptlingin den Brand.

Geschosse flogen über das Meer, Feuer fraß sich durch Teldrassil, und Darnassus wurde zu einem Ort ohne Fluchtweg. Zivilisten starben zu Tausenden; andere entkamen durch Portale nach Sturmwind und zur Azurmythosinsel. Das militärische Ziel einer Besetzung war damit aufgegeben. Aus dem Versuch, eine Stadt als Druckmittel zu nutzen, wurde ein Massaker, dessen Bilder jede spätere Behauptung eines ehrenhaften Feldzugs überdauerten.

Der Beginn des Vierten Krieges

Anduin Wrynn antwortete mit dem Angriff auf Lordaeron. Tyrande nahm die Macht der Nachtkriegerin an, und die Dunkelküste wurde erneut zum Schlachtfeld. Innerhalb der Horde zerbrach Saurfang an dem Widerspruch zwischen seiner Vorstellung von Ehre und seiner Mitverantwortung. Er hatte den Befehl zum Brand nicht gegeben, aber er hatte den Weg nach Teldrassil geführt und Malfurions Niederlage ermöglicht. Seine spätere Rebellion begann in diesem Wissen.

Später offenbarte sich, dass Sylvanas mit dem Kerkermeister verbunden war und die zahllosen Toten in den Schlund strömten. Diese größere Verschwörung macht den ursprünglichen Feldzug nicht zu einem bloßen Vorwand ohne politische Logik; sie zeigt vielmehr, wie taktische Angst, persönlicher Hass und ein kosmischer Plan ineinandergriffen. Viele Soldaten marschierten, um Kalimdor zu sichern. Ihre Kriegshäuptlingin wusste, dass jeder Tod noch einem anderen Herrn diente.

Der Krieg der Dornen ist deshalb mehr als die Vorgeschichte einer Erweiterung oder ein einzelner Befehl am Strand. Er ist der Augenblick, in dem Vorsorge in Angriff, Angriff in Vernichtung und Gehorsam in Schuld übergeht. Keine Fraktionserzählung kann ihn auf einen sauberen Sieg reduzieren. Im brennenden Baum blieb die Frage zurück, die Saurfang fortan verfolgte: Ab wann ist ein Befehl nicht mehr der Krieg, dem man dient, sondern das Unrecht, dem man hätte widersprechen müssen?