Der nachdenkliche Protodrache
Nozdormu war einst ein staubbrauner Protodrache. Als Galakronds Hunger die Drachenwildnis verheerte, kämpfte er mit Malygos, Neltharion, Alexstrasza und Ysera gegen den übermächtigen Jäger. Er war aufmerksam und vorausschauend, doch noch kein Herr einer Zeit, die sich seinem Blick öffnen musste.
Nach Galakronds Tod erhob Aman'Thuls Macht ihn zum Aspekt der Zeit. Nozdormu und sein bronzener Schwarm sollten die wahren Zeitwege bewahren. Mit der Gabe erhielt er die Schau seines eigenen Todes. Sie sollte ihn Demut lehren: Selbst der Zeitlose durfte sich nicht für größer als die Geschichte halten, die er schützte.
Bewahren heißt nicht alles verhindern
Nozdormu konnte Möglichkeiten sehen, aber nicht jede Tragödie entfernen. Der wahre Verlauf enthielt Verrat, Krieg und Verlust. Ein Eingriff, der einen geliebten Augenblick rettete, konnte ganze Völker auslöschen, die erst aus seinen Folgen hervorgingen. Der bronzene Schwarm wachte deshalb über Ereignisse, die seine Angehörigen persönlich verabscheuen konnten.
Diese Pflicht machte Abstand verführerisch. Nozdormu zog sich oft in die Zeitwege zurück und griff selten offen in das Leben der Sterblichen ein. Doch Neutralität war niemals frei von Entscheidungen. Auch das Bewahren eines schmerzhaften Verlaufs verlangte ein Urteil darüber, wessen Gegenwart als wahr und wessen mögliche Rettung als Gefahr gelten sollte.
Der Feind mit seinem Gesicht
Der Ewige Drachenschwarm begann, entscheidende Augenblicke zu verändern. Sein Sinnbild war Murozond, eine mögliche Zukunft Nozdormus. Über seinen ursprünglichen Fall kursierten lange widersprüchliche Erklärungen. Sicher ist, dass Murozond die Zeit nicht bewahren, sondern sie nach einem vermeintlich besseren Ergebnis zwingen wollte.
In der verwüsteten Endzeit besiegten Azeroths Streiter Murozond. Für Nozdormu wirkte das zunächst wie die Bestätigung der Vision, die Aman'Thul ihm gezeigt hatte. Später versuchten Deios und Iridikron auf den Dracheninseln, diese Zukunft mit Zeitmagie und Galakronds Essenz gewaltsam herbeizuführen. Der Versuch scheiterte. Murozond ist damit kein durch die Alten Götter festgeschriebener Ursprung, sondern eine Zukunft, die bislang verhindert wurde.
Der Preis für Todesschwinges Ende
Um Todesschwinge zu besiegen, öffnete Nozdormu Wege in die Vergangenheit und machte die Drachenseele zugänglich. Gemeinsam mit den anderen Aspekten und Thrall setzte er ihre Macht am Mahlstrom frei. Der Zerstörer fiel, doch die Aspekte gaben dabei einen großen Teil ihrer Unsterblichkeit und alten Kraft auf.
Nozdormu blieb Hüter der Zeit, nun weniger entrückt von den Sterblichen, deren Gegenwart er bewahrte. Das Opfer zeigte, dass selbst ein vorhergesehener Sieg nicht kostenlos sein musste. Zeit war kein Vorrat, aus dem der Aspekt immer einen günstigeren Ausgang holen konnte.
Chromie widerspricht dem Schicksal
Auf den Dracheninseln versuchten die Ewigen, Nozdormu in Murozond zu verwandeln. Chronolord Deios führte den Plan in der Vergangenheit aus, während Iridikron Galakronds Essenz suchte. Chromie gab die Chance auf Iridikrons Gefangennahme auf, reiste weiter zurück und verhinderte die Verderbnis ihres Aspekts.
Nozdormu erkannte danach, dass Murozonds Entstehung nicht mehr als vollkommen unvermeidlich gelten konnte. Azeroth selbst erneuerte später die Macht der Aspekte. Seine Zukunft bleibt nicht sorgenfrei, aber sie ist wieder eine Zukunft statt eines Urteils. Der Herr der Zeit verdankt diese Freiheit einer Drachin, die weniger Zeit überblickte als er und gerade deshalb darauf bestand, dass eine Person mehr ist als ihr schlimmster möglicher Ausgang.