Ehre und StärkeBlackmoore
Wächterinnen
Organisation

Wächterinnen

Die Wächterinnen entstanden um Maiev Schattensang als Hüterinnen gefährlicher Gefangener und Artefakte. Illidans Flucht, Cordanas Verrat und Siras Erhebung zeigten ihnen, dass selbst notwendige Wachsamkeit ohne Mitgefühl zerbrechen kann.

Ein Orden für Gefahren ohne Ende

Nach dem Krieg der Ahnen konnte Illidan Sturmgrimm nicht hingerichtet werden, ohne Malfurion und Tyrande weiter zu zerreißen. Man sperrte ihn tief in den Hügelgräbern ein. Maiev Schattensang, zuvor Priesterin Elunes, übernahm seine Bewachung. Aus dieser Aufgabe wuchs der Orden der Wächterinnen: Jägerinnen, Kerkermeisterinnen und Hüterinnen eines Rechts, das dort weiterarbeiten musste, wo eine gewonnene Schlacht die Gefahr nicht beendet hatte.

Ihre Gewölbe nahmen später Dämonen, Mörder, verfluchte Artefakte und Wesen auf, deren Freiheit ganze Regionen bedrohen konnte. Kristalle, Siegel und jahrhundertelange Wachen sollten verhindern, dass Geduld zu einer Waffe der Gefangenen wurde. Wächterinnen lernten Mondgleven, Spurensuche und Magie, aber ihre härteste Ausbildung war das Aushalten. Ein Gefängnis, das für die Ewigkeit gebaut ist, verlangt Wächterinnen, die den Sinn ihrer Pflicht nicht schon nach einer einzigen Lebensspanne verlieren.

Maiev und der Gefangene, der alles bestimmte

Maiev bewachte Illidan zehntausend Jahre. Als Tyrande ihn im Dritten Krieg freiließ, um seine Macht gegen die Legion zu nutzen, sah die Wächterin darin nicht verzweifelte Kriegskunst, sondern den Bruch eines Urteils, auf dem ihr ganzes Leben beruhte. Sie jagte ihn über Kalimdor und die Verheerten Inseln. Im Grabmal des Sargeras starb ihre Stellvertreterin Naisha mit vielen Gefährtinnen, als Illidan die Anlage einstürzen ließ.

Die Jagd führte bis in die Scherbenwelt. Maiev wurde selbst gefangen, entkam und verbündete sich mit Akama, dessen Volk unter Illidans Herrschaft litt. Am Schwarzen Tempel half sie, den langjährigen Gefangenen zu stürzen. Dieser Sieg gab ihr die Aufgabe nicht zurück, die sie verloren hatte. Wer sein ganzes Selbst an eine Wache bindet, findet nach dem Öffnen der Zelle nicht automatisch ein anderes Leben. Maiev musste später erkennen, dass Gerechtigkeit in Rache übergehen kann, ohne den Namen zu wechseln.

Als die Wache von innen fiel

Cordana Teufelsang war eine angesehene Wächterin, bis Gul'dans Einfluss sie auf dem anderen Draenor verdarb. Sie half ihm später, das Verlies der Wächterinnen auf den Verheerten Inseln zu überrennen. Dämonen töteten einen großen Teil des Ordens, stahlen Illidans Leichnam und ließen zahlreiche Gefangene frei. Maiev geriet in der Rabenwehr in Gefangenschaft. Die Festung, die jede Gefahr von innen hatte einschließen sollen, fiel durch eine Frau, der ihre eigenen Schwestern vertraut hatten.

Sira Mondhüter übernahm vorübergehend die Führung. Die Überlebenden mussten Ausgebrochene jagen, neue Anwärterinnen ausbilden und ausgerechnet mit Illidari zusammenarbeiten. Diese Dämonenjäger trugen die Macht der Feinde in sich und verehrten den Mann, dessen Flucht den Orden geprägt hatte. Trotzdem waren sie gegen die Legion notwendig. Zusammenarbeit bedeutete weder Freispruch noch Freundschaft. Sie war das Eingeständnis, dass ein Eid seinen Zweck verliert, wenn er den Schutz der Welt der Reinheit der eigenen Abgrenzung unterordnet.

Sira und der Krieg um Dunkelküste

Nach dem Brand Teldrassils zog Sira mit Maiev und Shandris zur Dunkelküste. Dort töteten Verlassene sie und erhoben sie als dunkle Wächterin. In ihrer Wut warf Sira Elune, Tyrande und Maiev vor, sie verlassen zu haben. Der untote Hass kam nicht aus dem Nichts. Er griff die Last auf, die Sira während Maievs Verschwinden getragen hatte, und die Einsamkeit einer Pflicht, für deren Opfer es im Orden wenig Sprache gab.

Sira kämpfte für Sylvanas und wurde nach dem Vierten Krieg gefangen. Als Tyrande sie im Verlies von Sturmwind verhörte, erinnerte Maiev daran, was ein von Rache verzehrtes Leben aus einer Person machen kann. Diese Mahnung entschuldigte Siras Taten nicht. Sie zeigte eine Veränderung in der Anführerin der Wächterinnen. Maiev, die Illidan einst beinahe nur noch als Gegenstand ihres Eids gesehen hatte, erkannte in einer gefallenen Schwester noch jemanden, dessen Schmerz nicht durch eine weitere Hinrichtung geheilt würde.

Wachsamkeit nach dem Urteil

Der Orden besteht unter Maiev weiter. Wächterinnen bewachen erneut gefährliche Gefangene, jagen entflohene Wesen und sind selbst auf den Dracheninseln dort zu finden, wo primalistische Feinde nicht einfach freigelassen werden können. Maiev kämpfte später neben anderen elfischen Anführern für Quel'Thalas. Die Welt verlangt ihren Fähigkeiten weiterhin viel ab, denn nicht jede Macht kann durch ein Versprechen oder eine zweite Chance sicher werden.

Gerade deshalb liegt die Bedeutung der Wächterinnen nicht in grenzenloser Härte. Sie stehen an der Stelle, an der Schutz Freiheit entzieht, und müssen diese Gewalt immer wieder begründen. Illidan zeigte, dass ein Gefangener zugleich schuldig und für die Rettung der Welt entscheidend sein kann. Cordana zeigte, dass Wächterinnen selbst verführbar sind. Sira zeigte, wie unbeachtete Last in Verrat umschlagen kann. Ein guter Orden erkennt diese Widersprüche nicht als Schwäche seines Rechts, sondern als den Grund, warum selbst die aufmerksamste Wache auch über das eigene Urteil wachen muss.