Ehre und StärkeBlackmoore
Jahr 27

Wrath of the Lich King: Der Krieg unter dem Eis

Nordend führt nicht nur zu Arthas. Zwischen Drachenkrieg, Titanenhütern und einem Alten Gott entdecken die Lebenden, wie viele Gefahren unter demselben Eis warten.

Arthas ruft seine Feinde bewusst nach Nordend

Nach der Verschmelzung mit Ner'zhul sitzt Arthas auf dem Frostthron. Er besitzt die Macht des Lichkönigs, doch er will nicht einfach jede Armee der Geißel gleichzeitig nach Süden schicken. Er beobachtet die Anführer und Kämpfer von Horde und Allianz. In ihnen sieht er das Material für eine neue Generation von Dienern, die stärker sein könnte als die Untoten, die er aus gewöhnlichen Leichen erhebt.

Seine Angriffe auf Städte und Küsten sollen deshalb nicht nur Land erobern. Sie zwingen die Lebenden, nach Nordend zu kommen. Arthas will sie prüfen, erschöpfen und am Ende in Eiskrone unterwerfen. Der Feldzug beginnt aus Sicht der Lebenden als Verteidigung gegen die Geißel. Aus Sicht des Lichkönigs ist er eine Auswahl, bei der seine Gegner selbst den Weg zu ihm antreten.

Nordend besitzt eine Geschichte, die älter ist als die Krone

Der Kontinent ist kein leerer Thronsaal aus Eis. Vrykul erwachen in ihren Hallen und betrachten die jüngeren Menschen als schwache Nachfahren. Tuskarr leben an den Küsten, Drakkari-Trolle verteidigen Zul'Drak und opfern in ihrer Verzweiflung sogar die eigenen Loa. Unter der Erde liegen die Reste Azjol-Nerubs. Die Neruber widersetzten sich einst dem Lichkönig und wurden beinahe vernichtet. Ihr König Anub'arak dient nun als untoter Feldherr jenem Feind, gegen den er sein Reich verteidigte.

Auch die Drachen tragen ihren eigenen Krieg nach Nordend. Malygos, Hüter der Magie, ist nach dem Verlust seines Schwarms und langer geistiger Zerrüttung zu dem Schluss gekommen, sterbliche Magier missbrauchten die arkane Kraft Azeroths. Im Nexuskrieg will er die Ströme der Magie nach Kaltarra umleiten. Sein Ziel ist Schutz, doch seine Lösung bedroht Städte und ganze Landschaften. Alexstrasza muss sich gegen einen alten Freund stellen, den sie nicht einfach als gewöhnlichen Tyrannen betrachten kann.

Tirion gibt den Todesrittern einen Namen jenseits ihres Zwangs

Der Angriff auf die Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts soll für Arthas ein Triumph werden. Er schickt seine Todesritter gegen einen Ort, an dem die Macht des Lichts und die Erinnerung an gefallene Helden besonders stark sind. Darion Mograine führt sie mit dem verderbten Aschenbringer. Als Tirion Fordring erscheint, wird sichtbar, dass der Lichkönig seine neuen Ritter nicht als Gefährten betrachtet. Er hat sie geopfert, um Tirion aus der Deckung zu locken.

Darion wendet sich gegen Arthas und übergibt Tirion den Aschenbringer. Die gereinigte Klinge zwingt den Lichkönig zum Rückzug. Aus den befreiten Todesrittern entsteht die Schwarze Klinge. Tirion verlangt nicht, dass ihre Vergangenheit vergessen wird. Er bietet ihnen eine Aufgabe, die sie selbst wählen können: gegen den Herrscher zu kämpfen, der ihre Körper und ihren Willen benutzt hat. Diese Entscheidung macht sie nicht wieder lebendig, aber sie gibt ihnen Verantwortung für das, was sie mit ihrer verbleibenden Existenz tun.

Gemeinsam mit der Argentumdämmerung gründet Tirion den Argentumkreuzzug. Er will Nordend nicht als Wettstreit zwischen Horde und Allianz führen. Die Geißel ist ein Feind aller Lebenden, und jeder Kampf zwischen den Fraktionen schenkt Arthas neue Leichen. Diese Haltung wird immer wieder geprüft, denn Zornespforte, Unterstadt und alte politische Feindschaften treiben Horde und Allianz trotzdem gegeneinander. Tirions Kreuzzug bleibt der Versuch, in einem Land des Todes eine gemeinsame Pflicht über Rache und Misstrauen zu stellen.

Der Krieg gegen den Lichkönig beginnt

Nordend ist kein leerer Eisrand der Welt, sondern ein vorbereiteter Kriegsschauplatz. Arthas wartet dort nicht passiv: Er lässt die Lebenden kommen, weil ihre stärksten Kämpfer das Rohmaterial für seine mächtigsten Diener werden sollen.

Nordend und seine alten Reiche
Nordend ist älter als Arthas. Unter seinem Eis liegen die Erinnerungen der Neruber, der Vrykul, der Drachen und der Titanenhüter. Bildquelle: Warcraft Wiki: Karte zu Nordend

Naxxramas, Malygos und der Nexuskrieg

Naxxramas kehrt als fliegende Nekropole zurück und setzt die Linie der alten Welt fort. Kel'Thuzad ist nicht nur ein wiederkehrender Feind, sondern die Erinnerung daran, dass Arthas' Reich aus ehemaligen Menschen, Magiern und Dienern besteht, die in Nekromantie neu geordnet wurden. Der Angriff auf Naxxramas ist deshalb die erste Reinigung eines alten Schattens, aber nicht der eigentliche Weg zur Krone. Er zeigt, wie weit Arthas' Hand noch über Nordend hinausreicht.

Parallel entfaltet sich der Nexuskrieg. Malygos, der blaue Aspekt, sieht in der freigelassenen Magie der Sterblichen eine Gefahr für Azeroth. Seine Absicht ist nicht sinnlos böse: Er hat den fast vollständigen Untergang seines Schwarms durch Neltharions Verrat erlebt und glaubt, arkane Macht müsse wieder zentral kontrolliert werden. Doch sein Schluss ist tödlich. Er will Magie retten, indem er sie den Sterblichen entreißt, und zwingt Alexstrasza und den Wyrmruhpakt zum Krieg gegen einen alten Bruder.

Das Auge der Ewigkeit beendet Malygos' Kreuzzug und macht den Krieg gegen Arthas komplexer. Während alle nach Eiskrone blicken, zeigt dieser Konflikt, dass nicht jede Gefahr dem Lichkönig gehört. Die Aspekte sind nicht unfehlbar, Titanenaufträge können in Fanatismus kippen, und die Sterblichen werden immer stärker zu denjenigen, die auch über die alten Hüter der Welt urteilen müssen.

Der Krieg unter dem Eis

Bevor Arthas Menethil Nordend erreichte, hatte die Geißel dort bereits ein Reich zerstört, das sich ihr lange widersetzte. In Azjol-Nerub kämpften die Neruber unter König Anub’arak gegen eine Armee, für die jeder Gefallene zum neuen Soldaten werden konnte. Sie gruben tiefer, um dem Druck zu entkommen, und öffneten damit Wege zu den Dienern Yogg-Sarons. So standen sie zwischen der Geißel über ihnen und den Alten Mächten unter ihnen. Als Anub’arak fiel und als Kryptlord wiederkehrte, verlor sein Volk nicht nur einen König. Der Lichkönig gewann ein Zeichen dafür, dass selbst Widerstand und Erinnerung in seiner Armee gegen die Lebenden verwendet werden konnten.

Diese ältere Wunde liegt unter Arthas’ Krieg. Als der Prinz mit Frostgram nach Nordend kommt, findet er keinen unberührten Kontinent vor. Er betritt ein Land, dessen Höhlen, Gräber und Festungen bereits von der Geißel übernommen wurden. Der Kampf um Eiskrone ist deshalb auch der Abschluss eines Krieges, der die Neruber zu einem Preis machte, den Nordend bis weit nach Arthas’ Fall nicht vergessen kann.

Ulduar nimmt Arthas die Mitte

In Ulduar verschiebt sich der Blick. Plötzlich ist der Lichkönig nicht mehr die älteste oder größte Gefahr des Nordens. Die Titanenhüter sind zerbrochen, Loken hat seine Geschwister verraten, und unter der Anlage flüstert Yogg-Saron. Der Alte Gott zeigt keine neutrale Vergangenheit. Er zeigt Bilder, die Vertrauen zersetzen und jede Gewissheit in Mitschuld verwandeln.

Algalons Ankunft macht den Konflikt noch kälter. Für ihn ist Azeroth eine Berechnung, deren Abweichung eine Neuordnung rechtfertigt. Erst die Hartnäckigkeit sterblicher Verteidiger zwingt ihn zu sehen, dass Unvollkommenheit nicht mit Wertlosigkeit gleichzusetzen ist. Während Arthas Menschen in gehorsame Tote verwandelt, droht die Ordnung der Titanen die ganze Welt auszulöschen, um einen Fehler zu korrigieren. Beide Gefahren leugnen auf andere Weise das Recht der Lebenden, widersprüchlich zu sein.

Ulduar: Das Gefängnis unter dem Krieg

Brann Bronzebart führt die Expedition in eine titanische Anlage, deren Wächter längst nicht mehr zuverlässig sind. Hinter ihren Hallen wartet Yogg-Saron. Der Feldzug gegen Arthas stößt damit auf einen älteren Krieg, der unter Nordends Eis nie wirklich beendet wurde.