Das Vorbild der Treue
In Bastion verkörperten die Vorbilder jene Tugenden, an denen sich Aspiranten auf ihrem Weg zur Erhebung orientierten. Devos stand für Treue. Sie glaubte, dass die Kyrianer ihre persönlichen Erinnerungen ablegen müssten, um jede Seele ohne Vorurteil aus der Welt der Lebenden abzuholen. Dieser Dienst verlangte Vertrauen in den Pfad und in die Archon Kyrestia, die ihn seit ungezählten Zeitaltern bewahrte.
Devos war keine heimliche Gegnerin dieses Systems. Gerade weil sie es ernst nahm, erschütterte sie der Zustand Uthers so tief. Der Paladin erreichte Bastion mit einer Wunde, die seine Seele spaltete. Er konnte seine Vergangenheit nicht loslassen und litt unter Erinnerungen an Arthas, seinen ehemaligen Schüler und Mörder. Devos übernahm seine Ausbildung persönlich, weil sie den Ursprung dieses Schmerzes verstehen wollte.
Die Wunde, die nicht existieren durfte
Als Devos Uthers Wunde berührte, sah sie Frostgram und erkannte an dessen Runen die Macht des Schlunds. Nach der geltenden Ordnung durfte eine solche Waffe nicht frei in der sterblichen Welt wirken. Noch beunruhigender war eine zweite Erkenntnis: Hätte Uther seine Erinnerungen wie verlangt vollständig aufgegeben, wäre diese Gefahr unbemerkt geblieben. Was Bastion als notwendige Reinigung betrachtete, hätte wichtiges Wissen ausgelöscht.
Devos brachte die Warnung zur Archon. Kyrestia fürchtete jedoch, Zweifel an der Aufgabe der Kyrianer könnten das gesamte Gefüge des Todes gefährden. Sie verlangte Vertrauen in den Pfad. Für Devos klang diese Antwort wie die Weigerung, sichtbare Beweise anzuerkennen. Ihr bisheriges Ideal kehrte sich gegen seine eigene Grundlage: Wenn Treue bedeutete, eine Gefahr nicht sehen zu dürfen, war sie dann noch Tugend oder bereits Gehorsam?
Uther und die Rache an Arthas
Devos kehrte zu Uther zurück und fragte ihn, ob er Arthas bestrafen wolle. Sie erhob ihn vorzeitig und half ihm, die Seele des gefallenen Lichkönigs nach dessen Tod auf Eiskrone abzufangen. Uther zögerte einen Augenblick. Er erinnerte sich an den Prinzen, den er ausgebildet hatte, und an den Mann, der aus ihm geworden war. Devos drängte ihn, das Urteil zu vollenden. Gemeinsam warfen sie Arthas direkt in den Schlund, ohne dass der Richter seine Seele prüfte.
Dieser Schritt entsprang verständlichem Zorn und brach dennoch genau jene Ordnung, deren Fehler Devos aufdecken wollte. Uthers Schmerz wurde nicht geheilt, sondern zur Waffe. Devos bewies, dass Erinnerung notwendig sein konnte, zeigte aber zugleich, wie leicht eine unbearbeitete Erinnerung in Rache umschlägt.
Die Verschmähten
Devos fand weitere Kyrianer, die an der Pflicht zum Vergessen zweifelten. Aus ihren Reihen entstanden die Verschmähten. Manche suchten eine ehrlichere Form des Dienstes, andere wollten nur den Regeln Bastions entkommen. Devos gab ihrer Unzufriedenheit eine gemeinsame Richtung und nannte sich nun Vorbild des Zweifels. Lysonia wurde ihre engste Gefährtin.
Um genügend Macht für den Aufstand zu gewinnen, verbündete sich Devos mit Zovaal. Nicht jeder Verschmähte kannte dieses Bündnis. Der Kerkermeister stellte sich als Opfer einer ungerechten Ordnung dar und versprach Befreiung. Devos, die gerade erlebt hatte, wie eine Autorität berechtigte Warnungen erstickte, war empfänglich für diese Erzählung. Sie bemerkte zu spät, dass Zovaal Zweifel nicht befreien, sondern beherrschen wollte.
Der Angriff auf die Spitzen des Aufstiegs
Die Verschmähten besetzten Tempel, unterbrachen Erhebungen und griffen schließlich die Spitzen des Aufstiegs an. Devos führte den Angriff bis zum Sitz der Archon und führte deren eigenen Speer. Dort wurde sie besiegt und getötet. Lysonia setzte den Kampf fort, doch Devos' ursprüngliche Entdeckung ließ sich nicht mit ihr begraben.
Später änderten die Kyrianer ihren Pfad. Erinnerungen mussten nicht mehr ausgelöscht werden; sie konnten angenommen werden, ohne den Dienst zu vergiften. Damit erhielt Devos in der Sache teilweise recht, obwohl ihr Bündnis mit Zovaal Unheil brachte. Ihre Geschichte handelt nicht von einer Frau, die plötzlich böse wurde. Sie zeigt, wie eine Institution berechtigten Zweifel gefährlich macht, wenn sie ihn nicht anhört, und wie ein wahrer Einwand durch Rache und falsche Verbündete entstellt werden kann.