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Der Schlund
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Der Schlund

Der Schlund war das Gefängnis Zovaals und der finsterste Ort der Schattenlande. Als die Seelenordnung zerbrach, wurde aus der Verbannungsstätte ein wachsendes Reich, das alle Toten verschlang, ihre Anima auspresste und manche zu Werkzeugen des Kerkermeisters umformte.

Das Gefängnis unter den Schattenlanden

Der Schlund lag am tiefsten Punkt der Schattenlande, fern von den Reichen, in denen Seelen geläutert, geprüft oder auf Wiedergeburt vorbereitet wurden. Dorthin gelangten jene, für die kein anderer Weg mehr offenstand. Über dem endlosen Abgrund erhob sich Torghast, ein Turm, dessen Gänge sich nach dem Willen seines Herrn veränderten und Gefangenschaft selbst zur Landschaft machten.

Im Zentrum saß Zovaal. Einst hatte er als Richter der Toten gedient, doch seine Geschwister verbannten ihn, als er nach einer Macht griff, die sie nicht freigeben wollten. Der Primus prägte Herrschaftsrunen in seinen Leib. Aus dem Gefangenen wurde der Kerkermeister, und aus seiner Strafe erwuchs eine Ordnung, in der Zovaal anderen genau jenen Willen entzog, der ihm selbst genommen worden war.

Ein Reich aus zermahlenen Seelen

Der Schlund bestand nicht nur aus altem Fels. Mawsworn zerschlugen Seelen zu Staub und pressten daraus neue Masse, Waffen und Rüstungen. Zovaals Ketten griffen nach anderen Gebieten und zogen sie an Torghast heran. Jeder Gefangene konnte so zugleich Opfer, Baumaterial und künftiger Soldat werden.

Manche Seelen zerbrachen unter der Folter, bis nur gehorsame Schatten blieben. Andere wurden in Rüstungen gebunden oder als Wachen, Jäger und Schmiede eingesetzt. Diese Gewalt wollte mehr als Schmerz. Sie sollte beweisen, dass Erinnerung und Persönlichkeit keine dauerhafte Bedeutung besaßen, sobald genügend Macht sie zerlegte. Der Schlund verschlang Seelen nicht nur. Er versuchte, aus ihrem Verschwinden eine größere Maschine zu bauen.

Als alle Toten in den Abgrund fielen

Um die Zeit der dritten Legionsinvasion brach die Seelenordnung zusammen. Die Richterin in Oribos verstummte, und fortan strömten Verstorbene ungeachtet ihres Lebens direkt in den Schlund. Gute, schuldige, verwirrte und heldenhafte Seelen fielen gemeinsam hinab. Die Pakte erhielten keine neue Anima mehr, während Zovaals Reich mit jedem Tod wuchs.

Sylvanas Windläufer und Denathrius halfen dem Kerkermeister, diese Krise zu nutzen. Kriege lieferten weitere Tote, Revendreths Vorräte wurden in den Schlund geleitet, und Zovaal gewann die Kraft, seine Ketten weiter auszuwerfen. Die alte Behauptung, nur die Unrettbaren landeten hier, verlor jede Bedeutung. Der Schlund wurde zum Beweis, wie schnell eine Strafordnung zur grenzenlosen Ausbeutung wird, wenn niemand mehr entscheidet und der Gefängnisherr jedes Urteil selbst ersetzt.

Der erste Weg hinaus

Als Sterbliche durch den zerrissenen Himmel über der Eiskrone in die Schattenlande gelangten, erwies sich eine alte Wegmarke der Ersten als Ausgang. Ein Schlundgänger konnte sie aktivieren und entkommen. Was Zovaal als Ort ohne Rückkehr beherrscht hatte, besaß plötzlich einen Riss in seiner Gewissheit. Ve'nari machte diese Ausnahme zu Handel, Wissen und vorsichtiger Zusammenarbeit.

Später drangen die Pakte selbst in den Schlund vor. Zovaal riss Korthia aus dem Dazwischen, um an das Siegel des Primus zu gelangen, und öffnete damit weitere Wege für seine Gegner. Seelen wurden befreit, Lager errichtet und Torghasts Geheimnisse gegen seinen Herrn gewandt. Hoffnung veränderte den Ort nicht sofort. Sie begann als wiederholte, gefährliche Handlung: hineingehen, jemanden finden und beweisen, dass eine einzelne Seele den Aufwand der Rückkehr wert war.

Nach Zovaals Niederlage

Zovaal verließ den Schlund schließlich in Richtung Zereth Mortis und wurde dort besiegt. Sylvanas, die sich im letzten Augenblick gegen ihn gewandt hatte, erhielt die Aufgabe, jede erreichbare Seele aus dem Abgrund zu holen. Es war keine kurze Buße und keine Geste, die frühere Entscheidungen aufhob. Der Schlund war durch unzählige Gefangene groß geworden; seine Wiedergutmachung konnte deshalb nur Seele für Seele geschehen.

Auch ohne Kerkermeister bleibt der Schlund ein verwundeter Teil der Schattenlande. Torghast, Ketten und verlorene Schatten verschwinden nicht mit dem Tod ihres Herrschers. Doch der Ort besitzt nicht länger dieselbe absolute Aussage. Einst sollte niemand entkommen und niemand nach den Verdammten fragen. Nun führen Wege hinein und wieder hinaus. Der Schlund bleibt schrecklich, aber nicht mehr unangefochten in seiner Behauptung, ein gefallener Mensch könne vollständig zu Material werden und für immer aus jeder Erinnerung verschwinden.